06/03/2013 - Hallenkreis-Masters

Da dieser Bericht seinerzeit nicht auf der Vereins-homepage veröffentlicht wurde, ich aber ungern für den Papierkorb arbeite, kann ich ihn ja hier einstellen. Einige Protagonisten sind jetzt nicht mehr aktiv.

Es gibt Fußballspiele bzw. -turniere, die beweisen, warum Fußball der beliebteste Sport weltweit ist. Dann gibt es natürlich solche, die eher durchschnittlich oder gar schlecht sind. Kein Zweifel - aber im Regelfall wird dem Sport von den beteiligten Akteuren, den Ausrichtern und den Zuschauern der gebührende Respekt erwiesen. Und wenn ich zu Spielen gehen will, die ihren Unterhaltungswert mehr aus den Begleitumständen als aus dem Sport selbst beziehen, dann weiß ich aus der Erfahrung von knapp 7.000 Veranstaltungen, wo ich da die meisten Chancen hätte. An ein vom Verband ausgerichtetes F1-Turnier hätte ich dabei niemals gedacht. Doch was sich am 2.3.2013 bei den Kreis-Hallenmasters abgespielt hat, war durchaus erstaunlich.

Beginn sollte um 10 Uhr sein. Um optimale Plätze zu sichern, waren wir schon eine Stunde vorher zugegen. Der obligatorische catering-check ergab, dass der Mandarinenkuchen super und der Kaffee sehr gut waren. Meine Frage als verantwortungsvoller Vater, ob Alkoholika ausgeschenkt werden, wurde vehement verneint. Die Sprit-Absenz bezog sich aber nur auf das Halleninnere, der Begleittross einer Mannschaft gönnte sich den Gerstensaft kästenweise auf dem Parkplatz. Nun habe auch mir schon an den Ufern sämtlicher Badeseen des rekultivierten rheinischen Tagebaugebietes das Bier im Freundeskreis kofferraumweise einverleibt - auf die Idee, dies bei einer Jugendsportveranstaltung zu tun, kam ich jedoch nie.

Ebenfalls vor Start des events und nachdem Veranstalter und Schiedsrichter penibelst die Spielberichtsbögen checkten und professionell die Spielerpässe mit den tatsächlich anwesenden Spielern verglichen hatten, begann ich eine Konversation mit dem heute eingesetzten Schiedsrichter -ausnahmsweise war es nicht unser beliebter Standard-Schiri. Ein derartiges Ausmaß an Arroganz ist mir selten entgegen gebracht worden. Die mir persönlich bekannten FIFA-Referees hatten sich beispielsweise als nette Gesprächspartner erwiesen. Und ich weiß verdammt genau, dass diese bis 11 zählen können. Und zum Glück hatten wir unseren Trainingsball mitgenommen, den wir dem Veranstalter ausliehen - vielleicht hätte die Veranstaltung sonst jetzt noch nicht begonnen.

Im ersten Spiel unserer Jungs kam es eigentlich in der Situation zum Bruch, in dem der andere Trainer seinen kompletten Feldspielerblock auswechselte - mehr dazu unten. Auf meine entsprechende Frage an einen anderen Trainer, dass 5+5+1 doch wohl 11 und nicht 10 seien, erntete ich ein Achselzucken. Ich interpretierte das so, dass diese Mannschaft wohl wieder eine Extrawurst bekommen hatte und offiziell mehr Spieler einsetzen durfte.

Etliche Stunden später: großes Tobowabohu bei Offiziellen, Schiedsrichter und Trainern. Dann kam über Lautsprecher die brandneue Information, dass eine Mannschaft mit 11 statt 10 Spielern angetreten sei. Ach was. Es folgte eine entwürdigende operative Hektik, innerhalb derer die zu treffenden Maßnahmen alle drei Minuten durch neue Entscheidungen revidiert wurden. Ich persönlich hatte die Schnauze voll, dass ich tatsächlich nicht mehr genau weiß, was denn nun der letzte Stand war. Vielleicht hat es mittlerweile weitere 30 Revidierungen gegeben. Immerhin ist diesmal keine Mannschaft abgereist.

Sicher gibt es Regeln, die auch solche Fälle abdecken. Wie sollen wir den uns anvertrauten Kindern Regelachtung beibringen, wenn selbst die Offiziellen diese nicht beachten? Sollte so ein Fall jedoch tatsächlich nicht im Regelwerk abgedeckt sein, dann hielte ich es (ungern, aber er hatte es nun einmal exakt formuliert) mit Mel Gibson, der da sagte: irgendwo muss es einen Mann geben - ein Mann, der entscheidet. Und der soll beim Verband nicht zu finden sein?

Auch kann ich die Einwände, man könne die Kinder nicht unter dem Versagen der Offiziellen leiden lassen, nicht akzeptieren. Wie gesagt, es gibt Regeln. Deren Beherzigung scheint aber bei manchen Vereinen nicht durchgängig erwünscht zu sein, denn außerhalb des Spielfeldes benahmen sich besagte kids nicht besonders sportlich.

Zum fauxpas selbst. Bei den von Turnier zu Turnier abweichenden Regeln kann es jedem passieren, dass man mehr Kinder als erlaubt einsetzen will. Irgendwann wird es auch uns erwischen. Aber dafür sind ja Veranstalter und Schiris da, um das im Vorfeld zu verhindern. Gerade einem Schiri mit dem Auftreten wie Graf Koks darf so was nicht unterlaufen. Und wenn uns das wirklich einmal passiert, wird sich von uns sicher keiner mit einer köstlichen Mischung aus Alt- und Neufahne vor die Trainer der anderen teams postieren und tönen, Regeln hin, Regeln her - seine Mannschaft schlägt ja sowieso alle. Wie gesagt, die Begleitmusik war schon deftig.

Eine weitere Kritik an den Ausrichter bringt die Gruppeneinteilung mit sich. Theoretisch war ja alles super - wurde aber nach dem Rückzug einer Mannschaft und der Stellung eines Ersatz-teams zur reinen Makulatur. Es ist schlicht unsportlich, in einer Gruppe Drei Erste aus den Qualifikationen gegeneinander antreten zu lassen, in der andere hingegen nur einen. Und das bei Verzicht auf Halbfinal-Spiele.

Fußball wurde übrigens auch gespielt. Und wie zu erwarten, wenn sich die besten teams des Fußballkreises messen, häufig guter. Unsere Jungs waren dafür, dass es sich um das erste Turnierspiel handelte, relativ gut bei der Sache. Und hatten die erste Chance im Spiel, als ein Freistoß gerade noch pariert wurde. In der 4. Minute das 0:1 durch einen Konter - niemand war hinten. Kurz darauf trifft unser Gegner die Latte, aber in der 6.Minute das 0:2 - durchaus schön heraus gespielt von der rechten Seite. Kurz darauf schießen Laye-John und Tom knapp am gegnerischen Gehäuse vorbei. Bis dahin haben unsere Jungs ordentlich gespielt. Danach die meines Erachtens für sie Turnier-entscheidende Szene. Der Gegner wechselt die Feldspieler komplett aus (s.o.). Ab diesem Moment präsentierte sich unser team nur noch als eine Art Hühnerhaufen und kassierte folgerichtig noch das 0:3. Eine Niederlage, die um ein, zwei Tore zu hoch ausfiel.

Im Spiel 2 ging es gegen Susgo Offenthal. Die Susgo baute wenig Druck auf, unsere Jungs keinen. In der 5.Minute kassieren sie das 0:1 nach Freistoß.

Im dritten Spiel ging es gegen die SpVgg Neu-Isenburg. Gleich in der ersten Minute das unglückliche 0:1 nach Ecke. In der vierten Minute zirkelt Leon vorbei. In der 8.Minute 0:2 - wieder nach Ecke. 20 Sekunden vor Schluss läuft Mohamed in einen Neu-Isenburger Abstoß rein und markiert den Ehrentreffer. Das Zustandekommen dieser Niederlagen passt zum Ablauf der gesamten Veranstaltung.

Im vierten Spiel ging es gegen die SV/TGM Jügesheim. Diese hat zwar die erste Chance in der 2 Minute, als sie unser leeres Tor verfehlt. Danach aber nur noch munteres Scheibenschießen der SG Wiking. In der 6. Minute das 1:0 durch Fabian W. nach schlechtem TGM-Einwurf. Kurz vor Schluss das erlösende 2:0 durch Laye-John.

Im letzten Spiel hatte sich doch noch die Chance eröffnet, bei einem Sieg mit der Platzierung der Vorjahres-F1 doch noch mindestens gleichzuziehen. Gegner war die JSG Klein-Auheim, die zuletzt in der Halle 0:1 gegen die Wikinger unterlag. So hätte es hier auch ausgehen müssen. Aber unsere Chancenauswertung war miserabel. Die JSG macht aus vier Chancen drei Tore, die Wikinger aus sieben gerade mal ein Törchen (Laye-John). Vielleicht aber haben sich die Jungs auch nur gedacht, wenn schon der Ausrichter das Turnier nicht ernst nimmt, müssen sie es auch nicht.

Wie gesagt, angesichts der Begleitumstände ein unterhaltsamer event für Dritte. Für mich und viele andere Beteiligte eine farce, mit deren Duldung sich der Verband sich, den Kindern und deren Begleitern keinen Gefallen getan hat.