02/26/2014 - Hoppen nach Hilden

Es sollte tatsächlich bis zum 16.2.14 dauern, bis ich mich wieder dem groundhopping widmen konnte. Ursprünglich war ein Doppler geplant. Freundschaftskick in Wesseling-Urfeld um 11Uhr, Baumberg vs Wuppertaler SV um 15 Uhr. Aber es kam vollkommen anders. Das Urfelder Spiel war auf 13 Uhr und dazu auf den Kunstrasen verschoben worden, und das Baumberg-match ganz nach Wuppertal verlegt worden. Also unter Einbeziehung von Jugend-Spielen umdisponiert. Frühmorgens am Sonntag, den 16.2., ein Assi-Ticket gezogen und gut vorbereitet mit Stadtplänen und ÖPNV-Verbindungen gen Langenfeld-Berghausen gefahren. Nach dem Umsteigen in Koblenz große Augen gemacht: treffe ich im Zug doch den Brecki auf der Fahrt nach Dörnberg. Die 90 Minuten Fahrt nach Leverkusen vergingen wie im Fluge. Einige Minuten S-Bahn, dann war Berghausen erreicht. Gleich den dortigen Städtischen Sportplatz angesteuert, wo die dortige B-Jugend den 1.FC Monheim zu Gast hatte. Der KR-ground verfügt über keinen Ausbau, bot aber catering-technisch mehr auf als mancher Oberligist zeigt. Ca. 60 Zuschauer. Mitte der ersten Halbzeit ging es im Schweinsgalopp zur wenig bespielten BZA Grazer Str. in Baumberg, wo die dortige B-Jugend auf den VfB Solingen traf. Die ca. 1980 erbaute BZA konnte mit etlichen Stufen punkten, aber catering: nothing. Ca. 35 Zuschauer und highlife auf dem Platz.

In der Halbzeit Sprint zum MEGA Stadion, was aber gar nicht mega ist, sondern maximal 1.200 Zuschauern Platz bietet. Ca. 100 waren gekommen, um der Heimniederlage gegen Straelen beizuwohnen. Von den Trainerbänken und der nicht durchsetzungsfähigen Schiedsrichterin wurde jede Menge Hektik ins Spiel gebracht. Loben muss ich die Stadiongaststätte: endlich einmal jemand, der dieselbe Vorstellung von "viel Senf" hatte wie ich. Weiter ging es in Rheinstadion Monheim, wo die Zweitvertretung des 1.FC vor ca. 125 Zuschauern auch auf den VfB Solingen traf. Da das Stadion derzeit teilweise gesperrt ist, wurde auf dem gar nicht üblen KR-Platz gekickt. Hier wurden 2 EUR Eintritt verlangt, aber in der ersten Halbzeit keine Tore geboten. Die Verpflegung habe ich nicht gecheckt, war aber vorhanden.

Später stellte ich fest, dass ich nicht penibel genug vorbereitet war. Hätte ich bei der Verbindungssuche Hilden Süd statt Hilden eingegeben, wäre mir eine nervige Busfahrerei erspart geblieben. So landete ich um halb drei in Hilden, wo ich mir die schöne Altstadt (klein, aber nett) und die überdimensionierte Fußgängerzone anschaute, bevor es zum VfB Hilden ging. 200 Zuschauer sahen ein ausgeglichenes Spiel, in dem SW Essen glücklicher 2:0-Sieger war. Wie ich anhand seiner homepage feststellte, war der Walldorfer Stier auch da, wollte aber wie in Jesberg und Walldorf selbst nicht von mir entdeckt werden. Nach Abpfiff ein wenig groundspotting betrieben. Erst nach langer Zeit wieder den ground in der Furtwänglerstr (Hilden-Nord), wo es keine Veränderung (bis auf die Anzeigetafel?) gegenüber 2002 gab. Dann zur BZA Bandsbusch, wo ich die durchaus beachtliche Tribüne beim letzten Tageslicht ablichten konnte. Die Rückfahrt war dann etwas stressiger als die Hinfahrt, weil sich der RE nach Koblenz jede Menge Verspätung einfuhr und sich die Zugbegleiter als Muster an Kundenfreundlichkeit verstanden. Entgegen derer Falschauskünfte erwischte ich noch einen Cantus nach Limburg und erreichte mein Heim nur 20 Minuten später als geplant. - Wenn die Hopper-Polizei jetzt sagt: güldet alles nicht außer dem Hilden-Spiel, sage ich: egal. Halbzeit-hopping ist auch hopping. Und in meinem Alter muss man einfach jeden ground zählen. - Sallguttechnisch standen übrigens 1,75 EUR zu Buche.

Das Auftaktspiel bestritt die erste Mannschaft des Gastgebers, deren Trainer action Marke Rossi bot, gegen Oberliederbach, das heute ohne Überspielerin Camilla antrat und daher auch verlor. Im unserem ersten Spiel war der SV Wiesbaden unser Gegner. Unsere Jungs waren noch nicht eingespielt - man merkte, dass das letzte Training ausgefallen war. Trotz Feldüberlegenheit verloren wir 0:2. Das war nicht nötig.

Runde fünf Stunden Fahrtzeit je Richtung bringen trotz Kreuzworträtsel, Brecki und teilgelesener Sterne doch einiges an Leerlauf mit sich, sodass man zwangsläufig über die Edathy-Thematik sinnieren konnte. Ich stellte damals innerlich fest, dass meine Einstellung eine vollkommen andere war als der Tinnef, der in mancher Zeitung verbreitet wurde. Inzwischen stelle ich aber fest, dass sich in Presse, Funk, TV und Netz sowie in der Öffentlichkeit eine starke Tendenz zugunsten meiner Sichtweise entwickelt - mehr dazu vielleicht später. Nur der arme Friederichs oder so tat (und tut) mir leid. Es ist erbärmlich, auf welche Weise einer der fähigsten Minister nach der sozial-liberalen Phase abserviert wird. Wenn in einigen hundert Jahren noch nicht einmal promovierte Historiker die Namen Schröder, Kohl und Merkel kennen, wird man sich die Namen Wilms, Blüm, Kathi Schröder und eben Friederichs auf öffentlichen Toiletten noch voller Hochachtung zuraunen. Es war beschämend, wenn der arme Mann bei seinen Rechtfertigungsversuchen noch zweimal trotzig aufgestampft hätte, man hätte ihm einen Schnuller und ein Kuscheltier zuschanzen wollen. Und jetzt zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden degradiert, einen Rang über der Fraktionsklofrau. Aber glaubt mir: der Mann kommt wieder.

Am letzten Februar-Wochenende war es so weit: wir richteten unser erstes (und wenn es nach mir geht auch letztes) Jugendturnier aus. Obwohl man den Eindruck hatte, dass einzelne Personen aus der Abteilung einem bewusst Knüppel zwischen die Beine warfen, klappte alles überraschend gut. Eine Anlage stellten uns in letzter Sekunde die FT Oberrad zur Verfügung - gottseidank hatte ich mein Mischpult mitgebracht, so kam auch das Mikro zum Laufen. Jens und ich hatten vollkommen unterschiedliche Auffassungen über die zu spielende Mucke, sodass wir letztendlich auf diese verzichteten. Ich hörte nur positive Stimmen aus dem Teilnehmerkreis und dem Publikum, sodass ich mir und den anderen Verantwortlichen auf die Schulter klopfe. Für ein kleines Trainingslager sollte es reichen. Turnierbericht wie üblich auf unserer Vereins-homepage.

Im Rahmen der Vorbereitung es Turniers ging es auch darum, Sponsoren zu finden. Letztendlich waren die Zuwendungen durchaus befriedigend. Aber was ich im Laufe des Geldauftreibens erlebt hatte, war interessant. In meiner Naivität hielt ich Versicherungsagenturen und Autohäuser für interessierte Sponsoren. Vor knapp 30 Jahren hatte ich mein Büro neben den Verkaufsförderern der Iduna, eine damals hochseriöse Firma. Aber nach etlichen Fusionen kaum wieder zu erkennen (nach dem Zusammengehen mit dem Deutschen Ring sind wohl alle Dämme des guten Geschmacks da gebrochen), wenngleich ich bislang doch noch etliche Sachversicherungen dort unterhielt. Derartig kindische Hinhaltemanöver hinsichtlich etwaiger Zuwendungen habe ich - insbesondere unter alten Kollegen - noch nie erlebt. Habe alles gekündigt da. Dann das VW-Autohaus an der Waldstraße. Bekanntlich erwiesen sich die Freunde da als unfähig, im Rahmen der Offenbacher Schulmeisterschaften 2013 die Kinder mit den ausgelobten Preisen zu versorgen. Armselig. Ich schlug den Jungs da vor, ihr Versagen quasi dadurch zu kompensieren, dass sie uns sponsern und arbeitete detaillierte Pläne aus. Reaktion: wildes Gegrunze. Habe einmal VW angeschrieben, ob die wissen, mit was für Typen die da zusammen arbeiten. Aber von einer Klitsche, die Piech und so mit sich herum schleppt, erwarte ich nichts. Dann das Autohaus in Sichtweite mit ähnlichem Namen. Da hatte ich gehört, dass es denen finanziell dreckig geht - will wohl niemand mehr Toyotas kaufen. Die hatten dann die beste Ehefrau von allen zu einem event just an unserem Turniertag eingeladen. Ich schlug vor, dass wir auf unserem Turnier flyer auslegen, kein Wort von Kohle oder so. Die schrieben auch prompt zurück, dass es Ihnen selbst dazu zu dreckig geht. Uns kamen die Tränen. Mal sehen, ob die intelligent genug sind, wie vorgeschlagen darauf zu verzichten, meine Ehefrau künftig anzuschreiben. Es ist beeindruckend, dass es vielen Firmen nur darum geht, ihren Ruf bewusst zu ramponieren.

Am Sonntag endlich einmal den Hartplatz an der Wörthwiese besucht. Angesetzt war eine A-Jugend-Partie zwischen HFC Bürgel II und SC Steinberg, aber die Hälfte der Spieler sah eher aus wie Alte Herren. Dennoch war es ein flottes Spielchen mit vielen Toren. Vor ca. drei Jahren war dieser Platz übrigens noch einen halben Meter unter Wasser.