04/01/2014 - Rudelpissen im KOMM

Seit ca. vier Jahren darf auch unser schönes Offenbach mit einem Einkaufszentrum in Innenstadtlage aufwarten - dem KOMM. Wenngleich ich der Meinung bin, dass auch die schäbigste asiatische shopping mall mehr flair hat als alle europäischen zusammen (Ausnahmen: Birmingham, Mailand, Oberhausen, Potsdamer-Platz-Arkaden zur Weihnachtszeit - oops, den laufen gerade die Ankermieter weg), so hat man doch hier aus dem begrenzten Platzangebot das Beste heraus geholt. Gerade der Müller gehört zu den Läden, wo wir mit das meiste Geld lassen. Andererseits schien der gute Herr Müller ja nichts besseres zu tun gehabt zu haben, als unsere Kohle in seiner Raffgier Finanzhaien in den Rachen zu werfen. Darüber hinaus bietet das KOMM einzigartiges südosteuropäisches flair. Als Deutscher kommt man sich vor wie in Varna oder Constanza (wer sich übrigens fragt, wo sich die Angehörigen der Volksgruppe, die man laut der Herren Rose und Weiß nicht namentlich benennen darf, abends aufhalten, sollte dann einmal in die Besucherhalle des Städtischen Klinikums gehen), man spart also die Kohle für eine Schwarzmeerreise. Dazu gehört auch seit dem ersten Tag die permanente Anwesenheit einer amorphen, fast ausschließlich männlichen, ethnisch nahezu homogenen ca. vierzigköpfigen Gruppe Halbwüchsiger vor dem und im KOMM. Soweit mir bekannt ist, ist diese Gruppe zwar bislang nicht im nennenswerten Umfang staatsanwaltlich aufgefallen (was in Deutschland und Äquatorial-Guinea nichts heißen will), aber ich kann mir vorstellen, dass sich viele Passanten allein durch die Anwesenheit und den abgesonderten Lärmpegel beunruhigt fühlen. Auch ich hatte in der vergangenen Woche ein denkwürdiges Erlebnis. Der Begriff gangbang ist mir von der Theorie her geläufig, aber mindestens genau so interessant ist der gangpiss. Alle Gestalten begaben sich gemeinsam wie eine alles überrollende Welle in die dortige öffentliche Toilette mit ihren drei Pissoirs und vier Kabinen. Zwanzig Minuten ein Geräuschpegel - sagenhaft. Hinein getraut hat sich niemand. Ich will eigentlich gar nicht wissen, was da getrieben wurde, aber mich interessiert: warum können die nicht einzeln oder pärchenweise pissen? Jedenfalls sah der Raum anschließend originell aus, was mich aber dennoch nicht von der Verrichtung der Notdurft abhielt.

Am Samstag hatten wir ein Auswärtsspiel in Nieder Roden, die wir im Hinspiel noch mit 11:0 vom Platz gefegt hatten. Die boten diesmal eine nahezu komplette 2003-Mannschaft auf, während wir ohne echte Stürmer antraten Und ein catering: sagenhaft. Das gefiel. Hot dogs bei einem Jugendspiel - nicht schlecht. Im Prinzip hat die SG Nieder Roden eine schöne Anlage. Aber niemand scheint sich um Sauberkeit zu kümmern. Die Ränge total verdreckt, der Kunstrasen mit Kippen durchseucht (!), die Papierkörbe proppenvoll. Aber einen Saller haben sie durchaus: ein einziges abgabefähiges Gebinde gefunden. Zum Spiel: die erste Halbzeit war vor knapp 30 Zuschauern durchaus ok und endete 3:1 für uns. Die zweite bot Sommerfußball pur. Die Gastgeber konnten nicht, und unser team wollte nicht. So gab erstmals in dieser Saison bei einem unserer Spiele eine torlose Halbzeit. Mein Sohn packte in bester Walter-Frosch-Manier an der Strafraumgrenze einmal die Sense aus - aber Vincent entschärfte auch diesen Strafstoß.

Anschließend Griesheim komplettiert, denn das TuS-Stadion fehlte mir noch. Es ist mir ein Rätsel, dass sämtliche grounds in Griesheim überdimensioniert sind. Auch hier passen locker ca. 2.750 Leute rein. Tatsächlich waren aber nur ca. 60 zugegen. Diese sahen ein sehr einseitiges Spiel, in dem der SV St. Stefan III den Gastgeber 6:0 auseinander nahm - vollkommen verdient. Bei allen optischen Qualitäten, die dieser ground hat, kann man bei einem dortigen Besuch das kalte Kotzen kriegen. Nur Essen à la carte - was soll denn diese Scheiße, wenn man Appetit auf eine Wurst oder wenigstens ein Schnittchen hat? Lohnt sich angeblich nicht. Ein Schwachsinn, liebe Wirtsfamilie. So frequentierten wir anschließend einen Burger King, wo ich kurz vor deren Ablauf noch Gutscheine einlösen konnte. Der Big King schmeckte erheblich besser als sonst - habt Ihr eine neue Saucenmischung?

Am Sonntag wollte ich eigentlich den Besuch beim 1.FC Niedernhausen mit dem Besuch von Schloss Lichtenberg verbinden. Aber mein Sohn forderte irgendwas mit Dinos. Als Kompromiss wurde ein Besuch der Grube Messel gefunden, wo ich seit Eröffnung des Besucherzentrums auch noch nicht war. Sieben EUR Eintritt pro Nase empfinde ich doch als etwas übertrieben, aber was tut man nicht alles für die Bildung. War recht interessant. Und der Summstein sehr originell. Der Hinweis, dass man sich im Erdbebengebiet aufhalte, war hingegen nicht übertrieben, denn am Abend gab es tatsächlich dort ein nennenswertes Beben, von dem wir aber nichts mehr mit bekamen. Beim nächsten Mal sollte man über eine Grubenführung nachdenken.

Aber am Abend war ich groggy. War es die Zeitumstellung? War es das Wetter? Den fest eingeplanten Besuch der Luminale in Frankfurt strich ich jedenfalls zugunsten eines längeren Schlafes. Am Montag ging es dann doch dort hin. Eine hervorragende Maßnahme ist der Betrieb eines kostenlosen Luminale-Busses. Seit über 100 Jahren war auch die Galluswarte für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Installation lohnte den Besuch eigentlich nicht, es war dennoch nicht uninteressant, einen 600 Jahre alten Bau zu betreten. Man will das Teil angeblich mittelfristig zu einen Touristen-hotspot umwidmen - sonst gibt es in dieser Gegend ja wirklich nichts Sehenswertes. Die Installationen im Hauptbahnhof fand ich eher albern. Lediglich voool lohnte den Besuch. Von der Außenillumination hatte ich mir mehr versprochen - dafür bot nachher die Trianon-Illumination mehr als erwartet. Absolut geil hingegen (und sehr gut besucht) waren die Installationen in der Weißfrauenkirche und in der Katharinenkirche. Gefallen konnte auch das Programm der Liebfrauenkirche, auch wenn es nichts Neues bot. Erstmalig in meinem Leben war ich in einer Freimaurerloge. Aber die Installation in der Loge Einigkeit fand ich eher zu abgehoben. Sehenswert noch "Orchestrating the depth of light" auf dem Goetheplatz. Zwei weitere Besuche sind eingeplant. Beeindruckend die Anzahl der Photographen, die mit Ausrüstungen bis in den sechsstelligen EUR-Bereich die Runde machten.

Ich bin beeindruckt, dass dieses Geblöke auch in Russland gelesen wird. Zeitungsmeldungen zufolge hat Genosse Putin meine Idee, sich auch Finnland einzuverleiben (wäre historisch sicher legitimiert), aufgegriffen und stellt entsprechende Planungen an. Wie wäre es, wenn wir unsererseits den Faden weiter spinnen mit der Reaktivierung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen in den Grenzen unter Karl V.? Zumindest eine berechtigte Neuauflage der Briefmarken "Eupen und Malmedy wieder deutsch" sollte drin sein.

Und genau diesen Putin vergleicht unser Finanzminister mit Hitler. Das ist doch der, der gerade öffentlich kundgetan hat, wie sehr er auf unser Grundgesetz scheißt. Oder vielleicht sollte er einmal untersuchen, ob er damals nicht auch einen Gehirnstreifschuss erlitten hatte. Denn dienstältester Abgeordneter will er sein. Schon einmal was von Gewaltenteilung gehört? Staatsrechtler meinen, dass es schon mafiose Züge trägt, wenn ein Mitglied der Exekutive gleichzeitig der Legislative angehört. Erinnert stark an die Schufa.

Das ist ein gutes Stichwort. Wie ich vor einiger Zeit schrieb, behauptet die Schufa grundlagenlos, ich hätte Schulden über 22.000 EUR. Mit Hilfe des hessischen Datenschutzbeauftragten (Az 90.14.75:0051-ho) ging es diesmal relativ zügig. Da es niemand gewesen sein will, hat die Schufa diesen Eintrag gelöscht. Ohne ein Wort der Entschuldigung. Und ohne Klärung, wie sie dem Eindruck entgegen wirken will, jeder dreckige Scheißkerl kann zu Lasten harmloser Zeitgenossen deren Datenbestand manipulieren. Ich bleibe am Ball.

Den hessischen Datenschützer muss ich hier wirklich loben. Über seinen NRW-Kollegen kann ich das nicht sagen. Seit zwei Jahren ist es ihm nicht möglich zu ergründen, wie falsche Daten über mich in den Datenbestand einer laut Focus kriminellen Inkassoklitsche in Duisburg landen konnten (Az 75.2.0-699/12). Die Oberstaatsanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft Bochum sagten - soweit ich dieses wirre Gewäsch in klares deutsch übersetzen konnte -, in Deutschland darf jeder straflos falsche Daten und Behauptungen über arglose Mitmenschen verbreiten. Das habe der Gesetzgeber (also unser u.a. Finanzminister) so gewollt. Aber auch hier bleibe ich am Ball.

Hier noch eine kurze Notiz darüber, mit welchen Mitteln Teilzahlungsbanken versuchen, die Kunden abzuzocken. Es sollte jedem klar sein, dass wir unser Wohneigentum teilweise fremd finanziert haben. Aus bestimmten Gründen haben wir damals die IKB gewählt. Und wir waren über Jahre hinweg überaus zufrieden mit denen. Auch ich bin nicht vor Fehlern gefeit und hatte zwei Monate lang mein cash management nicht im Griff, wodurch zwei Ratenabbuchungen nicht eingelöst wurden. Damit das nicht in falsche Hälse kommt: es war genug Kohle da - nur nicht auf den richtigen Konten. Und was macht die IKB: verzichtet auf die Vertragsstrafen. Durchaus sehr löblich. Aber die Januar-Abbuchung erfolgte einen Tag zu früh. Ich ließ die eingelöst und wies die IKB nett auf den Vertragsinhalt hin. Die IKB schrieb zurück, dass ich einerseits durchaus recht habe, aber die neuen SEPA-Bestimmungen zu abweichenden Abbuchungsrhythmen führen würden - leider, leider zu meinem Nachteil. Vorsichtshalber versicherte ich mich bei meinen alten Kollegen von der Bundesbank, dass dem nicht so ist. Ich erbat nähere schriftliche Details von der IKB an und bot gleichzeitig meine Dienste als externer Berater an. Bis heute kein feedback. Aber die Abbuchungen erfolgen jetzt einen Tag bzw. zwei Tage später. Tja, liebe IKB: man kann' ja mal versuchen.

So schön es manchmal sein kann, im Wühlen zwischen alten Schallplatten echte Perlen zu finden, so ernüchternd ist es, auf Platten zu stoßen, die vollkommen zu Recht über 25 Jahre nicht gespielt wurden. Don't stand me down von Dexys Midnight Runners ist so ein Fall. Unverständlich, dass ein Projekt, was so hervorragende Platten wie Searching for the young soul rebels veröffentlicht hat, so einen Mist fabriziert.

Schreiben des Hessischen Datenschutzbeauftragten vom 27.3.2014

Mein Antwortschreiben vom 02.4.2014