04/09/2014 - Schotten-Doppler

In der vergangenen Woche widmete ich mich weiterhin der Luminale. Die Installationen in Offenbach enttäuschten durchweg. Lediglich die beiden Objekte bei der Hafentreppe konnten überzeugen. Auch die Josefskirche gefiel (s.u.). Was die beiden Installationen am Rathaus sollten, erschließt sich mir immer noch nicht. Die Objekte an der alten Schiffsentladestation und im Hainbachtal habe ich mir geschenkt. Ätzend war der Besuch im Kunstverein. Die Arroganz der dortigen Kunstschaffenden ist widerlich und sowieso unangebracht, ganz im Gegensatz zum Verhalten der Künstler in der Frankfurter Naxoshalle (s.u.). Auch die Heyne-Fabrik bot im Gegensatz zu den vorherigen Veranstaltungen nichts Spektakuläres.

Richtig voll war es an der neuen Osthafenbrücke, Die dortige Illumination war nicht übel, allerdings für meine Begriffe zu statisch. Für die die Mainova-Installation in der Nähe interessierte sich komischerweise niemand. Hier beging ich einen Fehler: neben der Fliesenhalle erging sich ein ähnliches, diesmal allerdings Sekt schlürfendes, preudo-elitäres Pack wie im Kunstverein. Fälschlicherweise hielt ich diese Ansammlung für Montez, aber die hatten mit der Luminale nichts zu tun. So habe ich leider Montez heuer verpasst. Hausgemachte Probleme in meinem Fuhrpark hinderten mich an einem Besuch des Palmengartens - soll aber nach Meinung von anderen Besuchern nicht so der Hammer gewesen sein. Auch in der Naxoshalle war es sehr voll. Die dortigen Künstler versuchten wenigstens, die Installationen verständlich zu erklären. Splashlights wäre wohl das Highlight gewesen, hatte aber am letzten Tag bereits den Geist aufgegeben. Tja, die Halbwertzeit derartiger Objekte kann extrem kurz sein. Für einen üblen Moment sorgten einmal mehr die evangelischen Pfaffen. Die zig Interessierten, die zur Peterskirche pilgerten, bekamen nur einen mickrigen Zettel zusehen: "Heute kein Laser". Die Bauzaun-Installation nebenan war umlagert von bekifften Jugendlichen. Auf dem Weg zum Literaturhaus (nicht schlecht gemacht) wurde ich in der Machart der Zeugen Jehovas von einer Unitarierin angesprochen und auf die Installation in deren Kirche hingewiesen, zu der ich später eh wollte. Mir schwante Schreckliches in Form von Erbauungsansprachen. Aber niemand wollte mich bekehren. Die Installation nicht der Oberhammer, aber einen Umweg wert. Während die Lichtinstallationen in Römer-Nähe nur besseres Heimkino-Erlebnis boten, erwies sich die nicht zur Luminale gehörende Rehberger-Plastik an der Schirn als echter Hingucker. Trotz aller Kritik gab es zum Abschluss der Luminale noch zwei echte Schmankerl. Zum einen die Installationen im Archäologischen Museum unter den berühmten Fresken. Super. Und die Vorführung in der Josefskirche Offenbach. Unter Berücksichtigung, dass es eine Darbietung von Laien war, klasse. Jetzt bin ich gespannt, was die Veranstaltungsreihe "Kunst privat" bietet. Letztes Jahr war ich bei der Schufa in Wiesbaden und wurde angenehm überrascht.

Heimspiel gegen den TSV Dudenhofen am Samstag. Die Gästemannschaft wurde von der Jugendleiterin selbst betreut. Auf meine Frage, warum sie sich erst unaufgefordert als Testspielgegner anbot und dann auf meine Terminvorschläge nicht antwortete, wusste sie auch keine Antwort. Auch ohne meinen Sohn siegte die SG Wiking in einem einseitigen Spiel 10:0. Extrem unangenehm fiel der Vater des Gästekeepers auf. Der Junge hat mit seinen Reflexen sicher 6, 7 sog. Unhaltbare entschärft, aber der Alte pöbelt den Jungen bei jeder Gelegenheit an.

Am Sonntag der berühmte Schotten-Doppler. Der war nur möglich, weil mein Sohn lieber mit Kumpeln Rad fahren wollte, so konnte ich den Besuch des Vogelparks durch das Vorspiel der Reserven in Rainrod ersetzen. Beide Mannschaften boten von B-Junioren bis Supersenioren das komplette Altersprogramm auf. Das Niveau vor ca. 35 Zuschauern war entsprechend indiskutabel. Die Wurst hingegen ausgezeichnet. Dann rüber nach Eschenrod gesprintet, zwischendurch noch groundspotting in Eichelsachsen betrieben, Wingeshausen habe ich mir dann geschenkt. Immerhin noch 140 Leute wollten den designierten Absteiger sehen. Der Gast aus Großkrotzenburg, der 4:2 siegte, brachte sogar einen richtigen Mob mit. Die Anlage wusste durchaus zu gefallen. Damit endlich wieder alle südhessischen Gruppenligisten komplett. Jetzt fehlen "nur" noch die Ausweichplätze in Altenhasslau und Eichelsachsen sowie die IGS Ginsheim. Auf dem Heimweg noch die grounds in Calbach und Wolf (jetzt umzäunt) nachfotografiert.

Im letzten Geblöke habe ich das KOMM gelobt. Das hätte ich nicht machen sollen. Es wurde verlautbart, dass man Umbauarbeiten vornehmen wird, was bekanntlich meistens mit Verschlechterungen einhergeht, wenn - wie in diesem Fall - der Eigentümer ein amerikanischer Investor ist. Aber vielleicht sollte man Vandalismus-resistente Toiletten einbauen. Nicht, dass ich den im letzten Artikel beschriebenen Freunden die pure Zerstörungswut unterstellen würde, aber es ist angewandte Physik, dass es zu Beschädigungen kommt, wenn sich 12 Leute zeitgleich auf eine Schüssel setzen oder sich 10 Typen um ein Pissoir drängen, was durch Trennwände nur für eine Pisser ausgelegt ist. Loben muss ich das Parkhaus vom KOMM. Eigentlich macht man doch meistens Besorgungen, die eine Gratisstunde Parken ermöglichen. Denn nach dem Wegfall der Gratis-Parkflächen am Luisenhof ist die Parkplatzsituation in Offenbach unter aller Sau. Normalerweise müsste doch ein signifikanter Rückgang der Gesamt-Parkflächen eine gleichzeitige prozentuale Reduzierung der Behinderten-Parkplätze mit sich bringen. Aber nein: subjektiv mehr denn je grinsen einen bei der Parkplatzsuche leer stehende Behinderten-Parkplätze an.

Bisher hielt ich die Sparda-Bank, deren Miteigentümer ich als Genosse auch bin, für eine Bank, die den Namen auch verdient. Nun teilt man mir mit, dass man künftig auf den nicht automatisierten Bargeldverkehr verzichten will. Bei der Störanfälligkeit der Geld- und Einzahlungsautomaten halte ich das für sehr gewagt. Als nächstes muss man sich dann konsequenterweise beim Kneipenbesuch die Cola oder das Bier auch selbst mitbringen.

Inzwischen hat sich auf meine allerhöflichst vorgetragene Erinnerung auch der VW-Konzern seines Phlegmas entledigt. Man will mit mir reden. Da ich aber das Zeitfenster für einen sinnvollen verbalen Dialog für seit Wochen geschlossen halte, habe ich geschrieben, dass mich inzwischen nur noch eine schriftliche Stellungnahme interessiert. Mal sehen, welcher Quatsch mich aus irgendeinem Servicezentrum in Bangui erreicht.

Zu guter Letzt einmal ein Lob an eine Institution, die damit nie gerechnet hat. Danke, lieber EuGH, dass Du unsere Grundrechte anerkennst und die Vorratsdatenspeicherung gekippt hast. Nicht, dass ich etwas zu verbergen hätte, aber die Gestalten, die hier für die Datenhaltung verantwortlich wären, haben sich in der Vergangenheit alle als entweder überfordert, verantwortungslos oder wenigstens minderqualifiziert erwiesen. Einem Ziercke beispielsweise unsere Daten anzuvertrauen hieße, einen Alki eine Brauerei leiten zu lassen. Oder Friedrich, der Stammler? Maas? Lächerlich. So haben wir eine Sorge weniger. Und plötzlich soll alles sowieso nicht mehr so wichtig sein, diese Sau scheint also nichtmehr durchs Dorf getrieben zu werden. Dafür macht sich unser BGH mit "liberalen" und "Europa-freundlichen" Entscheidungen bei der Union unbeliebt. Nun kann man zur richterlichen Unabhängigkeit sicher sehr differenzierte Meinungen haben, aber sie ist nun einmal im Grundgesetz verankert, welches - man glaubt es kaum - auch für die Union gilt. Und ausgerechnet diese Union, die in bester Steinbeißer-Manier bei jeder Gelegenheit Russland, die Ukraine und Nordkorea etc. wegen Mängel bei den menschenrechten mit dreckigem ungewaschenem Maul rüffelt, beanstandet BGH-Urteile. Das, was an Jahren Zuchthaus im jetzigen ukrainischen Parlament sitzt, haben wir wohl an Jahren Klapsmühle in der oberen Etage der Parteienlandschaft.