03/17/2015 - Kultur in Stuttgart

Schock-Nachricht am Dienstag: ein Spieler wurde vor der Schule überfahren. Wurde zwar "nur" sehr leicht verletzt, aber die Fahrerin machte sich aus dem Staub. Habe dann mal im Polizeibericht Südhessen-Offenbach und in op-online gestöbert. Während dieser Unfall keinerlei Erwähnung findet, wird über ein anderes angefahrenes Kind, das am selben Tag ebenfalls mit anschließender Unfallflucht angefahren wurde, intensiv berichtet. Mir ist nicht ganz klar, warum gleichartige Ereignisse so unterschiedlich bewertet werden. Und überhaupt nicht klar ist mir das Verhalten, nach solchen Unfällen einfach abzuhauen. Inzwischen hat die Dame sich gestellt, und unser Spieler sollte am Samstag wieder einsatzbereit sein.

Das Spiel selbst war wieder nichts für schwache Nerven. Es ging gegen den souveränen Tabellenletzten vom VfB Offenbach, den wir im Hinspiel mit 11:1 geputzt hatten. Aus gesundheitlichen Gründen wollten wir Arecar nur ca. zehn Minuten spielen lassen. Er erzielte auch das 1:0 - aber nach seiner Herausnahme spielte die Abwehr auf G-Jugend-Niveau. Jeder Wiking-Führung folgte der umgehende Ausgleich. In der 47. Minute hieß es gar 4:5. Wenigstens rettete Jakob noch mit wuchtigem Freistoß ein 5:5-Remis. Aber es kann nicht sein, dass eine derartig sturmschwache Mannschaft über ein Drittel ihrer Tore gegen uns macht. Kurioserweise verbesserten wir uns sogar auf den sechsten Tabellenplatz.

Das Kulturticket der DB machte es möglich: am 15.3. fuhr ich zu drei Ausstellungen nach Stuttgart. Die Landesausstellung über Oskar Schlemmer in der Staatsgalerie war jeden Cent wert. Nachdem sich die Erben des Künstlers jahrelang in der Wolle hatten, war es ein Segen, dass 2014 das Urheberrecht auslief. Man kann die Ärsche ja nicht entmündigen lassen, aber es ist eine Schande, wie deren Verhalten in den letzten Jahren geniales Schaffen desavouiert und über Jahre hinweg eine Retrospektive unmöglich machte. Jedenfalls konnte man endlich das Schlemmer-Schaffen im Gesamtkontext sehen, wenn auch die Anfangsjahre etwas unterrepräsentiert waren. Und voll war es! Die Einhaltung des Fotografierverbots wurde intensiv überwacht, was angesichts der Security-Massen recht einfach war. Insofern sieht man meinen Fotos an, dass sie mehr oder weniger aus der Hüfte geschossen wurden. Das Kunstkartenangebot war zudem jämmerlich. Nach einem Abstecher zu den dortigen Impressionisten und Beckmann machte ich leider den Fehler, indem ich direkt zur Dieter-Roth-Ausstellung im Kunstmuseum stiefelte, wo man hemmungslos fotografieren durfte. Wenn man ehrlich ist: 70% seines Schaffens sind - und das ist wörtlich zu verstehen - Scheiße. Aber allein die Tischruine ist sensationell. Um 14 Uhr wäre sei sogar in Betrieb gewesen, aber ich ging blöderweise weiter zur "Ein Traum von Rom"-Ausstellung im Alten Schloss. Kurz gesagt: die war ihr Geld keineswegs wert, wirkte total uninspiriert und verdarb die letzten Sympathien durch Fotografierverbot. Wie bei der Wikinger-Ausstellung vor etlichen Jahren in Speyer war der spezielle Teil für Kinder erheblich interessanter, nur hatte ich diesmal kein Kind dabei, denn meins war beim Tag der Offenen Tür im Städel. Hätte ich bloß die Reihenfolge getauscht oder eine Stunde im Kunstmuseum drangehängt. So gut das Teil übrigens von außen aussieht, so phantasielos wirkt es im Innern.

Nach dem kulturellen Teil ging es zum Landesliga-Fubbes in Kornwestheim. Für alle überraschend hatte die Stadt kurzfristig das beeindruckende Stadion gesperrt. Solche vollkommen sinnentleerten Sperrmaßnahmen bei hervorragend zu bespielenden Rasen kenne ich sonst nur aus Offenbach. Jedenfalls musste das Spiel im nahe gelegenen FunSportZentrum stattfinden. Hat zwar auch etliche Stufen, machte aber insgesamt einen sehr ruinösen Eindruck. Der Rasen war eine Zumutung. Der Gast vom FV Löchgau hatte vor knapp 150 Zuschauern 80% Spielanteile, traf aber nicht ins Tor, selbst wenn man freistehend vorm leeren Gehäuse stand. Das kenne ich sonst nur von unserer Mannschaft. So fiel das einzige Tor für den Gastgeber per Strafstoß. Allein das voran gegangene mit Rot geahndete Foul war das Eintrittsgeld wert. Catering fand im Restaurant statt. Es ist pervers, bei einem Fußballspiel a la carte anzubieten und für den Kaffee 2 EUR zu verlangen. Eine glatte 6 fürs hiesige Catering. Immerhin: es wurde ein Ground gebonzt, den sicher nicht jeder kennt, und nicht auf einem sinnlosen Nebenplatz. Spielbericht s.u. In unmittelbarer Nähe liegt noch ein weiterer Sportplatz - ein Hartplatz mit Maximalmaßen und acht vergammelten Stufen auf einer Seite. Leider war der abgesichert wie Fort Knox, sodass keine guten Fotos möglich waren. Weiter ging es in den Wilhelm-Braun-Sportpark in Feuerbach. Ein Riesengelände mit zwei Rasenplätzen mit Ausbau und ungezählten weiteren Plätzen mit Belägen und Maßen aller Art. Fast wie in den Niederlanden. Allein: das angesetzte Frauenspiel fiel aus. So blieb noch genug Zeit für einen Abstecher beim Burger King. Der ausgewählte Steakhouse Burger hot and spicy entpuppte sich als Mogelpackung. Ein Jalapeno-Ring macht einen Burger nicht besonders spicy und auf keinen Fall hot. Eine glatte 6 für den Burger-Bräter. Stuttgart ist in Sachen Verkehr ja schon immer unheimlich gewesen. Ich meine nicht nur Stuttgart 21, sondern beispielsweise die damalige Umstellung von Straßenbahn- auf Stadtbahnbetrieb mit seinen unterschiedlichen Bahnsteighöhen. Auch die Bahnsteighöhen und -kanten im DB-Bereich sind in keiner Weise mit den eingesetzten 423 und 430 kompatibel. 35 cm Abstand in Feuerbach zwischen Bahnsteigkante und Einstieg! So war es kein Wunder, dass im Hbf die Räder eines Kinderwagens in einer etwas kleineren Ritze stecken blieben und über fünf Minuten nicht heraus gefingert werden konnten. Immerhin: der OFC-Stadionsprecher war nicht im Bahnhof, daher wurden die Eltern und das Kleinkind nicht angepöbelt. - Der IC auf der Rückreise war überraschend leer, da habe ich auf dieser Strecke Sonntag abends schon ganz andere Verhältnisse erlebt.

Seitdem der Schienennahverkehr Ländersache ist, fällt man von einer Ohnmacht in die andere. Klar, es war nicht alles Gold, was glänzt. Aber nachdem die DB überwiegend vertaktete Fahrpläne anbot, war ein Stand erreicht, mit dem ich als damaliger Vielfahrer gut leben konnte. Mit den Baureihen 612 und 628 sowie den Doppelstockwagen ab der zweiten Generation hatte man ein Grundgerüst geschaffen, was für den Fahrgast absolut ok war. Das Thema mangelnde Behindertengerechtigkeit hätte man darauf aufbauend lösen können. Klar gab es mit dem 644 und dem 650 (der aber eigentlich für Privatbahnen konzipiert war) bereits arge Fehlentwicklungen, aber was dann noch kam, hatte mit gesundem Menschenverstand nichts mehr zu tun. Um Verantwortlichkeiten zu verschleiern und den ÖPNV-Nutzer im Regen stehen zu lassen, hat man erst jede Menge bestellende, überwachende, durchführende, koordinierende und was weiß ich was Gremien geschaffen. Allein in Stadt und Kreis Offenbach tummelt sich mit DB, RMV, NIO, OVB, KVG, VGF, Dadina und diversen Subunternehmen eine unübersichtliche Zahl von Marktteilnehmern. Klar, dass sich bei dieser Aufblähung auch Leute mit der Materie beschäftigen, die woanders besser aufgehoben wären. Die Fahrpläne sind nach der letzten Umstellung in unserer Gegend grundsätzlich akzeptabel, auch wenn unsere behämmerte Regierung wieder einmal Nahverkehrszuwendungen kürzen oder einfrieren will - logisch, dass nur Scheiße heraus kommt, wenn Merkel oder Schäuble irgendwo drinhängen. Aber das rollende Material! Hier haben Gestalten, die ÖPNV noch nie in der Praxis erlebt haben, weil sie ihre fetten Ärsche in Dienstwagen verfrachten können, wirklichkeitsfremde und idiotische Anforderungsprofile erschissen, die die ÖPNV-Nutzung zum Horror machen können. Die neuen zweiachsigen MAN-Busse in Offenbach kann man vielleicht in Indien auf die Bevölkerung loslassen. Die Baureihe 430 hat sich offensichtlich eine Schimpansenherde ausgedacht, entsprechend war der Änderungsbedarf. Die 442 (siehe 644) müssen im Irrenhaus entstanden sein und sind einfach indiskutabel. Die 440 zeigen überdeutlich, mit welchen schmutzigen Tricks die Besteller hinters Licht geführt werden, indem dort Sitzplätze ausgewiesen werden, auf denen noch nicht einmal ein Hamster sitzen könnte. Die 425 und 426 - was soll so was??!! Dass man so was wie den vlexx-Fuhrpark auf die Pendler loslassen durfte - ein Wahnsinn. In diesem Zusammenhang durfte die DB die Fahrgäste hemmungslos verkohlen, indem sie die ausgefallenen Züge knallhart weiterhin auf ihren Displays im Frankfurter Hbf anzeigte. Mann, haben die Fahrgäste gelacht... Der Hammer sind die 646 und 642 auf der Dreieichbahn - buddahseidank fahren hier auch ab und dann 628 und lokbespannte Züge. Aber man hat nichts gelernt und will diese Gefährte durch noch extremere polnischer Provenienz (PESA) ersetzen. Und nun stellt sich heraus, die sind überhaupt noch nicht zulassungsfähig. Anderweitig werden Doppelstock-Triebwagen eingeplant, die nur auf dem Papier existieren. Was mich interessiert: bei dem Haufen Schrott, der da täglich auf unsere Gleise geschickt wird, muss die Zahl sinnvoller Triebwagen und Doppelstockwagen ja riesig sein - wo rotten die vor sich hin? Ich befürchte da wie bei der Abstellung der Interregio-Wagen eine gigantische Vernichtung von Investitionsmaterial.

Das große Geheule geht los: nach Lage der Dinge müssen die Rentenversicherungsbeiträge signifikant erhöht werden. Als Rentner berührt mich das nur mittelbar, aber ich habe noch das hysterische Gejaule dieser unsäglichen Nalles oder so im Ohr, wonach diese von Haus aus kontraproduktive Rente mit 63 finanziell nicht ins Gewicht fällt. Im Wettstreit, wer asozialste Politratte wird, hat sie zu Schulz richtig aufgeholt. In Sichtweite weiterhin der Skywheeler, der uns mit dem Soli jetzt richtig verkohlen (sic) will. Wenn Dummschwätzer Peer mangels Wichtigkeit nicht außer Konkurrenz starten würde, stände der Sieger jetzt schon fest - habe sein neues Werk zwar nur ausschnittweise studiert, aber normalerweise werden solche Produkte in Gummizellen verfasst. - Kurz vor Redaktionsschluss las ich von der Reaktion der Nalles oder so zum gestrigen Wallraf-Report über Jobcenter. Diese gestalt hat ja von nichts, aber von rein gar nichts auch nur den geringsten Hauch eines Schimmers einer Ahnung. Und nicht die geringste Ambition, daran etwas zu ändern.

Es darf ein dritter Geburtstag gefeiert werden. Seit drei Jahren ist der nordrhein-westfälische Datenschutz damit beschäftigt, von der Gladbacher Teilzahlungsbank Santander und den Bochumer Inkassoganoven Hoist Aufstellungen gem. § 34 BDSG für mich anzufordern. Die Gestalten bei Hoist und Santander (wo nach Angabe des Aufsichtrates sowieso niemand in der Lage ist, unfallfrei zu scheißen) sind bekanntlich so behämmert, dass sie selbst das nicht auf die Reihe kriegen. Ich dachte mir, das muss gefeiert werden, und habe den dortigen Datenschützer mit seiner Mannschaft eingeladen. Wir machen ein Fass auf. Ich befürchte aber, dass von diesen Weicheiern niemand kommt.

Einladung an den NRW-Datenschützer

Spielbericht aus der Südwestpresse, Foto Helmut Pangerl