04/15/2015 - ÖPNV in Sachsen-Anhalt

Während der Osterferien wollten wir ebenfalls trainieren. Aber am ersten Montag fand sich kein Trainer, am Mittwoch darauf kamen gerade einmal zwei Spieler. In der zweiten Ferienwoche kamen immerhin acht. Und in einem Testspiel gegen unsere E2, die ebenfalls nur rudimentär anwesend war, zeigte sich, dass das konditionelle Vermögen undenkbar schlecht war. So am 18.4. bei der Rosenhöhe anzutreten, würde eine zweistellige Niederlage implizieren. Und diese Mannschaft ist gut. Ich habe sie am Abendangeschaut, wo sie in einem Nachholspiel den bisher dato ungeschlagenen Tabellenführer Susgo Offenthal mit 6:0 abfiedelten. Hoffentlich können die Trainer auf Basis dieser Eindrücke eine vernünftige Taktik ausarbeiten. Und daher gibt es in dieser Woche ein Zusatztraining, hoffentlich bringt das etwas.

Über den ÖPNV in Deutschland hatte ich mich kürzlich ja einmal kritisch ausgelassen. Ein wirklich krasses Beispiel lieferte jetzt Sachsen-Anhalt. Entgegen vertraglicher Bestimmungen wurde der Vertrag zur Bedienung der sog. Wipperliese zum 13.4.2015 gekündigt. Neben angeblich auch auf Dauer schwer defizitären Betrieb sollen kostspielige zu erwartende Brückensanierungen den Ausschlag gegeben haben. Dem Außenstehenden offenbart sich auch hier ein Wirrwarr von Zuständigkeiten, letztendlich hieß es aber auch hier: wer zahlt, schafft an oder auch Vertragstreue ist was für Weicheier. Insider haben sich einen Überblick über die verteilten (Steuer-)Gelder und ihre Verwendung verschafft - demnach soll sich angeblich allein die DB als Streckenzuständiger einen höheren sechsstelligen EUR-Betrag einverleibt haben, ohne ihren Streckeninstandhaltungsverpflichtungen nachgekommen zu sein. Das kennt man ja hier, auch wenn es zugegebenermaßen hier noch lange nicht so extrem ist wie in den USA. Die Gelder für die Instandhaltung, die ja vorhanden sind, werden zweckentfremdet, und die Infrastruktur zerfällt solange, bis jemand aufwacht und Zusatzeinnahmen fordert (der Heini aus Schleswig-Holstein) bzw. aufgeweckt wird (z.B. Schiersteiner Brücke). Wieso kümmert sich der Bundesrechnungshof nicht einmal mit der Verwendung von ÖPNV-Mitteln? Es ist unglaublich, womit sich die Pfeifen in der Gesetzgebung beschäftigen. Für solche Idiotien wie Herdprämie, Rente mit 63 oder Ausländermaut (um wahllos drei Stumpfsinnigkeiten herauszugreifen) interessieren sich nur marginalste Minderheiten. Die Mehrheit interessiert, wie sie zur Arbeit kommt (aber man lässt die Infrastruktur verfallen), dass sie eine akzeptable Rente bekommt (aber alle Regierungen plündern die Rentenkassen) und dass dafür gesorgt wird, dass das so bliebe (aber der Bund rüstet unsere Armee mit Spielzeugpistolen aus - jeder Zwölfjährige hätte sagen können, dass das nicht funktioniert).

Wie dem auch sei, jedenfalls wollte ich diese Strecke (eine der ganz wenigen, die mir in Deutschland noch fehlten) am letzten Betriebswochenende noch einmal abfahren und bin in den Landkreis Mansfeld-Südharz (ein Konglomerat aus drei Altkreisen) gereist. Erst einmal ein Lob für die DB, den Cantus, die Südharzlinie und die KML: alle Fahrten endeten pünktlich! In Eschwege ganz nebenbei auch noch den neuen Stadtbahnhof mit allen Ausfädelungen befahren. Die neue Lösung ist besser als dieser schwachsinnige Halt Eschwege West. In Sangerhausen selbst war ich enttäuscht. In den ersten fünf Nachwendejahren war ich mehrmals da und war angenehm überrascht über das fast schon südländische Flair. Dass es sich um eine sehr strukturschwache Gegend handelt, war wirklich nicht zu erkennen. Heute ist die Stadt einfach nur tot und erwartet offensichtlich touristischen Betrieb erst ab Mai. Nach einer Stunde Sightseeing (die Altstadt ist trotz der geschlossenen Kirchen ja wirklich recht schön, auch wenn zahlreiche Sanierungen noch ihrer Durchführung warten) per Bus nach Wippra, neuerdings ein Ortsteil von Sangerhausen, obwohl 20 km entfernt. Am mit neuester Technik ausgerüsteten Bahnhof (was für eine Verschwendung, denn auch die anderen Haltepunkte sind kundenfreundlich ausgestattet) weniger Andrang als erwartet. Aber die aus Klostermansfeld kommende Bahn (ein sehr gepflegter Esslinger, mit dem ich vor vielen Jahren bereits nach Gerbstedt gefahren war) spuckte aberhunderte Nostalgiker aus. Zurück war es dann zwar auch voll, aber jeder kriegte einen Sitzplatz. In Klostermansfeld sollte sich das Gefährt wieder bis zum Bersten füllen. Kurioserweise las ich einen Tag später, dass der Betrieb nahtlos als Touristikbahn weiter geführt werden soll - dann sind die zusätzlichen Sanierungsmaßnahmen wohl nicht erforderlich? Dank der merkwürdigen Wochenendfahrplangestaltung hatte ich jetzt eine Stunde Zeit, die ich zuerst für einen Besuch der direkt nebenan gelegenen Museumsbahn verwendete. Obwohl der Fahrplan für heute Betriebsruhe verhieß, war sogar die Dampflok, ein Unikat aus den Fünfzigern, in Betrieb. Auch hier das sattsam bekannte Phänomen bei Museumsbahnen: niemand wollte Postkarten verkaufen, obwohl die ganze Schalterhalle voll damit war. Interessant ist noch, dass der Klostermansfelder Bahnhof auf der Gemarkung der Gemeinde Benndorf liegt, der Kleinbahnhof Benndorf hingegen auf Klostermansfelder Gebiet. Ich ließ den Zug nach Hettstedt ohne mich abdampfen und wanderte zur Klosterkirche. Obwohl werbewirksam an der Romanischen Straße gelegen, war sie erwartungsgemäß verschlossen. Ein Schild signalisierte, man hätte sich ja mit dem Pfaffen absprechen können. Ich verstehe die Tourismus-Verantwortlichen nicht. Warum treten die den Pfaffen nicht in den Arsch? Genauso gut können die die Sehenswürdigkeiten in die Luft jagen, wenn sie ewig verschlossen sind. Schnell noch am Sportplatz vorbei geschaut, der malerisch neben einer Abraumhalde liegt.

Zurück in Sangerhausen ging es schnurstracks zum Friesenstadion. Da die Zweite des VfB ihr Heimspiel seltenerweise auf den Sonntag verlegt hatte, erhoffte ich mir ein Spiel im Stadion. Aber ich wurde enttäuscht. Vor ca. 140 Zuschauern (offiziell 78) wurde auf dem Kunstrasenplatz gekickt. Beim Einlaufen brachte es ein Gästespieler auf den Punkt: eine Schande, bei diesem Wetter auf Kunstrasen zu spielen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Das Spiel selbst war ok und wurde vom Gastgeber verdient mit 4:1 gewonnen. Der KR-Platz ist ein 08/15-Platz, das Stadion selbst ist recht weitläufig und sollte 5.000 Leutchen locker Platz geben. Die feilgebotene Bockwurst ist genießbar. Ich mache und sage so etwas bekanntlich nur sehr ungern, aber bei einem Nebenplatzspiel organisiere ich meine Fotorunden so, dass ich den Kassierern nicht zu nahe komme. Auf dem Weg zum Rosarium noch einen Schlenker zur Ulricikirche gewagt - und siehe da, sie war für eine Sonderführung geöffnet. Nach meinem Gefühl sah sie vor zwanzig Jahren innen nicht anders aus, außen hingegen war sie zwischenzeitlich verputzt worden. Auch mein spontaner Besuch des Rosariums war erfolgreich. Eigentlich sollte es erst im Mai öffnen, aber gegen einen geringen Obolus konnte man heute schon hinein. Und da ich mir nicht ernsthaft blühende Rosen vorgestellt hatte, wurde ich nicht enttäuscht, denn jahreszeitengemäß blühte keine einzige. Aber wenn es so richtig blüht, sieht das sicher toll aus. Die Zeit reichte noch, um den Sportplatz Othal - Heimstatt des 1.FC Sangerhausen - aufzusuchen. Auch hier Kunstrasen, ich denke, ein billiger der zweiten Generation in einer gesichtslosen Anlage innerhalb eines Plattengebiets. Da mir die einzige geöffnete Bäckerei nicht Vertrauen erweckend aussah, verschob ich meine Essensaufnahme bis zum Umstieg in Kassel-Wilhelmshöhe. Der einzige Ort mit einem akzeptablen Preis-/Leistungsverhältnis war der winzige McDonalds. Die Warteschlange war beängstigend. Aber der Vorbräter - oder wie auch immer er sich nennt - hatte den Laden komplett im Griff. Bestens gelaunt servierte er das Essen (?) in einer Geschwindigkeit, die dem Begriff Schnellimbiss einen Sinn gab. Der RE nach Frankfurt war dann richtig voll, was durch eine Großfamilie, die ich dem Hartz-IV-Milieu zurechne, nicht verbessert wurde. Und als sich dann in Gießen noch eine Fuhre Afroeuropäer quer über den Waggon verteilte und nicht gewillt war, ihre lautstarke Konversation durch das Großraum-Abteil zu unterbinden, wurde es richtig gemütlich. Auf der Durchfahrt in Berga noch ein gigantisches Schlecker-Zentrallager. Es ist irre, wie präsent diese Firma auch noch Jahre nach der Pleite ist. Allein in den letzten Wochen habe ich noch ehemalige Schlecker-Läden, die noch keinen Nachmieter gefunden haben, in Fechenheim, Herbstein und in bzw. um St.Blasien gesehen. Dafür ist der hiesige Lecker-Laden, der durch die ganze Lokalpresse ging, weil er einfach das SCH entfernte, auch schon wieder verschwunden.

Über Ostern war die komplette Familie im Schwarzwald. Verkehrstechnisch hatten wir hier Glück. Die wenigen Staus spielten sich entweder in Gegenrichtung oder hinter uns ab. Zuerst besuchten wir bekannte in Bad Krozingen, wo ich nach neun Jahren einmal wieder das Erlenmattenstadion besuchte - hat sich nichts verändert. Weiter ging es nach Steinen-Höllstein, wo ich endlich eine Altlast beseitigen konnte. Zu Verbands- und Landesligazeiten hatte ich es nie dorthin geschafft, obwohl es verkehrsmäßig ja nicht einmal schlecht liegt. Bei strömendem Regen wurde auch im Stadion selbst gekickt. Vor ca. 80 Zuschauern, mit einem sehr guten Programm und ausgezeichneter Wurst gab es ein 3:2, womit der Gastgeber wieder auf einem Aufstiegsrang landete. Das Stadion selbst ist sehr schön, auch wenn ich die genannten 8.000 für stark übertrieben halt - maximal 4.500. Da alles andere in der Gegend voll war oder unzumutbare Preisvorstellungen hatte, quartierten wir uns im Dom-Hotel zu St.Blasien ein. Es gibt Hotels, in denen man sich einfach unwohl fühlt, ohne das konkretisieren zu können, dieser Laden gehörte dazu. Nach etlichen Jahrzehnten besuchte ich einmal wieder einen Ostersamstagsgottesdienst - in diesem Falle sehr beeindruckend. Auch die Klosteranlage selbst kann begeistern. Weiter ging es zum Schluchsee, wo uns das dortige Modellbahnzentrum bereits erwartete. Nicht mit MiWuLa zu vergleichen, aber sehr nett. Vollkommen ungeplant frequentierten wir die Rothaus-Brauerei, die wir natürlich besuchten und logischerweise mit Märzen verließen. Wie am Vortag im Großraum Todtmoos lag hier noch Schnee. Geplantes Zwischenziel war der Japanische Garten in Bonndorf, der absolut sehenswert ist. Noch beeindruckender ist die Naturschanze in Titisee-Neustadt, die meine Frau und mein Sohn hoch kraxelten, mir wurde bereits beim Hinsehen schwindlig. Über Lenzkirch, St.Märgen und St.Peter erreichten wir Müllheim, unsere letzte Übernachtungsstation. Wir kamen zwar auch durch Glottertal - aber ich konnte mich beherrschen und fragte keinen Einheimischen nach der Schwarzwaldklinik. Groundspotting an diesem Tag: Bonndorf, Gündelwangen (mit Tribüne!), Titisee-Neustadt (unerwartet winzig) und Glottertal.

Wie im Raum Titisee-Neustadt sahen wir auch in Müllheim keine Fahrzeuge mit den Altkreiskennzeichen (MÜL bzw. NEU) - überall nur dieses langweilige FR. Der Landkreis Fulda hat einmal geäußert, dass er das Altkennzeichen HÜN nicht reaktivieren will, weil er mit einem einheitlichen Kennzeichen eine Identität herstellen will. Vielleicht ist das hier ähnlich. Aber mit demselben Argument, wie ich einem künstlichen, nicht organisch gewachsenen Landkreis eine Identität verpassen will, kann ich diese auch einem Klon oder Zombie zuweisen. Wir schauten uns kurz Müllheim und Neuenburg an, bevor es zum Schauinsland ging. Und da oben lag noch richtig Schnee! Auch in Freiburg ging es um die Beseitigung einer Altlast: das Freiburger Stadion im Dietenbachpark des Freiburger FC. Welch eine Freude, dort den OFC-Tommy und andere Hopper zu treffen! Der Ground selbst kann keinesfalls begeistern, aber die Wurst ist sensationell gut. Wo die kolportierten 2.000 und mehr reinpassen sollen, ist mir schleierhaft - maximal 1.350 und ein paar zerquetschte. Vorletzte Aktion: Groundspotting beim Weststadion und kurzer Stadtbummel. Letzte Aktion: Besichtigung von Ettenheim, wo ich das sehenswerte Stadion nicht mehr geschafft habe.

Am Montag traf mich dann der Schlag. Die finanziellen manchmal weniger erfolgreichen Transaktionen des Herrn Müller von der gleichnamigen Drogeriekette wurden bereits thematisiert. Und genau seit Montag gibt die hiesige Filiale keine 3-Prozent-Treuerabatt-Gutscheine mehr aus. Da ich einen Zusammenhang nicht ausschließen kann, habe ich einmal bei Müller nachgefragt. Jedenfalls antwortete man mir binnen dreier Stunden. Ich veröffentliche die Antwort einmal. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Demnach haben wir Offenbacher abgestimmt (und sei es mit den Füßen) und mit deutlicher Mehrheit signalisiert: wir wollen keinen Rabatt. Also, eine derartige Schwachsinnigkeit habe ich selten erlebt. Erfahrungsgemäß kennen auch die ausländischsten Ausländer und Leute, die es sich politisch an den Rändern der zivilisierten Gesellschaft gemütlich gemacht haben, neben den Worten Handy, Sozialamt, Asyl (alternativ Getränkemarkt)und Kindergeld das Wort Rabatt und dessen Bedeutung. Und in Offenbach sollen sich die Einwohner geweigert haben, einen Rabatt zu goutieren?! Wer weiß: vielleicht kommt der nächste Fall Schlecker schneller als einem lieb sein kann……………

Mail-Wechsel mit Müller