08/22/2015 - Germanicus Superstar

AKürzlich bewahrheitete sich die Lebensweisheit, dass schlechte Sachen auch ihr Gutes haben, gleich doppelt. Zum einen im Zusammenhang mit der Fahrt ins Osnabrücker Land am letzten Samstag. Eigentlich wollten wir uns ja zu fünft die Germanicus Superstar-Ausstellung in Kalkriese anschauen, aber letztendlich machte ich mich allein auf den Weg. Bis zum Autobahnkreuz Westhofen (hier wurden Erinnerungen an Ingo Petersmann und Mäzene wach, die sich urplötzlich im Knast wieder fanden) lief trotz zig Baustellen alles glatt, aber auf der A1 hatte man das Gefühl, dass nur noch Bekloppte herum fuhren, was zwangsläufig dazu führte, dass sich urplötzlich hie und da mal ein Stau bildete. Mit einer halben Stunde Verspätung erreichte ich mein erstes Etappenziel Wallenhorst. Die alte Alexander-Kirche war natürlich zu. Ich verstehe nicht, wie die Pfaffen die Frechheit besitzen, trotz dutzender Hinweisschilder auf diese Sehenswürdigkeit am Eingang mitzuteilen, dass die Kirche gerade mal drei Stunden die Woche offen ist. Die neue Alexanderkirche sowie die Annakapelle waren zwar geöffnet, aber kein Vergleich zur Top-Adresse. Weiter zum Museum Kalkriese, wo am Eingang auch gerade ein Stelldichein von Oldtimern stattfand, was natürlich zu etlichen Fotos aufforderte. Die Dauerausstellung sowie der Museumspark waren durchaus sehenswert, aber irgendwie hatte man das Gefühl, es könnte trotz der begrenzten Anzahl an zu Verfügung stehenden Fundstücken noch mehr sein. Die Germanicus-Ausstellung hingegen hielt das, was sie versprach. Exquisite Ausstellungsstücke gepaart mit wirklich guten Erklärungen - einige Zusammenhänge wurden mir jetzt klarer. Konkretere Bezüge zur Jetztzeit (Geschichte wiederholt sich eben doch!) schienen politisch nicht gewollt gewesen zu sein, aber hier bin ich sicher, dass unser sauberer Justiminister im Vorfeld Zensur geübt hat. Bevor es ins Bramscher Stadion am Wiederhall ging, noch Abstecher gemacht zum alten Wasserschloss (nur von außen zu fotografieren, recht nett) und zur Varus-Arena des F.C. SW Kalkriese. Ein schnuckeliges kleines Stadion, was sicher noch einmal zu einem Spiel besucht werden wird. Das Bramscher Stadion enttäuschte doch, da es über keinerlei Ausbau verfügte. Unter permanentem Support der einheimischen Fans und Friends wurde der Gast Quitt Ankum II vor ca. 100 Zuschauern mit 4:0 deklassiert. Die Bratwurst war hervorragend! Weiter ging es nach Lüstringen, wo heute um 18 Uhr zur Bezirksligapaarung gegen BW Mertzen angepfiffen wurde. Da das Navi mich quer durch Osnabrück lotste und sich einige Abbiegemöglichkeiten nicht mehr vorfanden, kam ich etwas zu spät und verpasste die ersten beiden Tore der Gastgeber. In einem sehenswerten und in keiner Sekunde langweiligen Spiel stand es vor ca. 60 Zuschauern (Heim-/Gastfans 50:50) zum Schluss 5:2. Auf der Gegengeraden konnten noch zwei satte Stufen ausgemacht werden, der Rest kam ohne Ausbau und überwiegend auch ohne Stankett aus. Der vollmundige Anspruch, hier erstligataugliche Wurst anzubieten, ging nach hinten los, denn bekanntlich sind die Produkte des dortigen Massen-Caterings nicht nur maßlos überteuert, sondern auch meistens schlecht. Die hier feil gebotene Wurst war jedoch absoluter Durchschnitt, also besser. Kurz vor Schluss fing es nach einem Tag mit Klasse-Wetter an zu regnen. Und da auch die Wetter-app Dauerregen für den Sonntag vorhersagte, schmiss ich meine Planung um und fuhr nach Groundspotting im Sportpark Gretesch (sehr schön mit drei kompletten Sitzreihen auf der Geraden) und Tanken für 1,339 bei Star zurück in die Heimat. Und das war gut, denn am nächsten Morgen wurde durch einen umgekippten Laster mit Flüssigmetall die A1 unpassierbar gemacht, was eine Rückreise am Sonntag wohl zu einer Zehn-Stunden-To(rt)ur hätte ausarten lassen. Eigentlich wollte ich noch den Burger King am Autohof Wilnsdorf frequentieren, aber auch hier sorgten Werder Bremen-Fans für endlose Schlangen (auf der Hinfahrt fanden sich diese Schlangen vor den Rastplatz-Toiletten, was für eine grandiose Randbepflanzungsbewässerung sorgte). Ich wäre verhungert, bevor ich an der Reihe gewesen wäre, also beschränkte ich mich auf den Besuch der Autobahnkirche, wo es aber auch keine geistige Nahrung gab.

Und nun zur zweiten schlechten Sache, die vielleicht auch eine gute Seite hat. Der Leser wird bemerken, dass ich mich entgegen sonstiger Gepflogenheiten heuer zur Sommerferienzeit nicht in Asien aufhalte. Der manipulierte Wechselkurs hätte bewirkt, dass man sich hätte einschränken müssen, wenn wir komplett geflogen wären, so ist die Familie diesmal nur sehr rudimentär rüber geflogen. Und wenn ich jetzt in Bangkok gewesen wäre, wäre es nicht total unwahrscheinlich gewesen, dass ich am Montag zum Zeitpunkt der Detonationen in der Nähe gewesen wäre. Aber vielleicht bringt hier irgendein IS-Kanaker auch was zur Explosion. Unser Kino ist es jedenfalls nicht gewesen - so konnten wir uns am Sonntag spontan den fünften Teil von Mission Impossible anschauen. Nach wie vor ist Teil II mein Favorit dieser Serie, aber Rogue Nation kann sich durchaus sehen lassen. Wenn bloß nicht die Kino-Preise so gestiegen wären …

In der Bundesliga sorgt der HSV gleich zu Beginn für negative Schlagzeilen. Vielleicht hilft es, dass das Stadion endlich wieder Volksparkstadion heißt. Denn solange es durch einen Sponsoren-Namen verschandelt wurde, läuft es bei dem Verein, dessen Spielen ich in den späten Siebzigern bis in die mittleren Achtziger ich häufig beiwohnte, wenn die FC St.Pauli-Termine es zuließen, unrund. Aber auch für die Sponsoren hatte es sich nie gelohnt. Wer kennt heute noch AOL? Wer verlässt nicht schreiend den Raum, wenn der Name HSH Nordbank fällt? Und Imtech: pleite. Unter diesem Vorzeichen wäre es begrüßenswert, wenn sich eine Teilzahlungsbank einmal die Namensrechte des Volksparkstadions sichern würde…....

Mein Geblöke vor einigen Wochen über die hiesigen defekten Briefmarkenautomaten scheint etwas bewirkt zu haben, denn seit einigen Tagen sind diese wieder heil. Und dann habe ich festgestellt, dass meine Dokumentation über größere Bauvorhaben in Offenbach unvollständig war - ich werde noch ein paar Fotos nachreichen müssen.