10/15/2015 - Ausstellungen in Mainz

Am Sonntag galt es, die knappe Zeitspanne zu nutzen, in der die Mainzer Ausstellungen über Franz von Sickingen und "Schrei nach Gerechtigkeit" parallel liefen. Vorher noch kurz bei der Kunsthalle, dem naturwissenschaftlichen Museum und der neuen Synagoge vorbei geschaut. Letztere sieht von außen echt stark aus, kann nicht billig gewesen sein. Ein Hineinschauen wäre zwar möglich gewesen, passte aber nicht in den engen Zeitplan. Zuerst hinein spaziert ins Dommuseum. Außerhalb von Frankfurt/Offenbach bemühe ich mich, nie mehrmals in ein Museum zu gehen; dass ich hier schon zum dritten Mal bin, spricht für ein gutes Angebot. Auch hier sollte ich das Kommen nicht bereuen, obwohl wir armen Rentner auch in Mainz gemolken werden und den vollen Ticketpreis hinblättern müssen. Jedenfalls bot die Ausstellung einen guten Überblick über die künstlerische, wirtschaftliche, politische und religiöse Lage vor der Reformation im Großraum Mainz. Auch das Rätsel, warum die Doppelmadonna in Kiedrich seinerzeit fehlte, wurde gelöst: sie war hier ausgestellt. Eine Spitze durfte natürlich nicht fehlen: dass die erste deutschsprachige katholische Bibel einige Monate älter sei als die Luther-Bibel, wurde dem Besucher brühwarm unter die Nase gerieben. Echtes Negativum war das Fotografierverbot. Nach Kurzbesichtigungen von Dom, Peterskirche und Christuskirche ging es ins Landesmuseum. Hier war ich vor ca. zehn Jahren einmal bei einer Ausstellung von Bildern, die ansonsten im Depot verrotten. Ohne mich an Details erinnern zu können, weiß ich, dass da echte Hämmer bei waren, die auf ewig der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Bei der Unmenge an Exponaten, die in Museumsdepots vor sich hingammeln frage ich mich eh, ob es da nicht korrekter wäre, die auf den Kunstmarkt zu werfen. Zur Sache: auch eine interessante Ausstellung, die aber im Gegensatz zum Titel "Ritter! Tod! Teufel?" ihr Hauptaugenmerk auf den guten alten Franz als Beschützer der Humanisten und Reformatoren denn auf ihn als Ritter von altem Schrot und Korn richtete. Das Fotografierverbot nahm ich nicht zur Kenntnis. - Eigentlich bot der Mainzer Fußball-Spielplan diesmal nur Magerkost (stellte bei Durchsicht aber fest, dass der Bretzenheimer Rasenplatz durchaus von diversen Nationalitäten-Teams genutzt wird), also entschied ich mich im Anschluss an das Kulturprogramm für das klassenhöchste Spiel auf einem ungebonzten Ground: TSG Hechtsheim vs TuS Altleiningen. Obwohl dieser Ground über etliche Stufen verfügt und sicher 3.000 Leute fasst, macht er einen irgendwie trostlosen Eindruck. Der Kunstrasen muss schon etliche Jahre auf dem Buckel haben. Die geringe Zuschauerzahl von nie über 50 (war ein stetes Kommen und Gehen - und das bei einem echten Verbandsliga-Aufstiegsaspiranten) verstärkte den Eindruck noch. Das Catering lag sehr versteckt, konnte dann aber immerhin eine Bockwurst (so lala) anbieten. Das Spiel war geprägt von Unmengen an Abspielfehlern und Zufallsaktionen. Aber Tore satt: die Hausherren gewannen verdient 5:2. Das 3:2 allein war das Eintrittsgeld (4 EUR! Für einen Rentner! Keine Karte! Kein Programm!) wert. Wenn ich schon mal in der Gegend war, schaute ich mir noch die Grounds in Ebersheim (recht nett trotz KR) und Zornheim (Rasen, für diese Gegend selten) an.

Eine schockierende Nachricht erschütterte Fußball-Deutschland: Gerd Müller leidet an Alzheimer. Wenn das nicht tragisch ist. Ich weiß nicht, was man in so einem Fall wünschen soll. Auf jeden Fall angenehmere Krankenhäuser als ich sie in den letzten Tagen besuchen musste - als Dolmetscher. Ich beziehe mich hier ausdrücklich nur auf die innere Organisation, fachlich war - soweit ich das beurteilen kann - alles im grünen Bereich. Unser Ketteler-Krankenhaus, über das ich mich vor zwölf Jahren bitterlich bei meiner Krankenkasse beschweren musste, kam diesmal relativ gut weg. Das Personal mit deutsch als Muttersprache hatte hier noch die Oberhand (subjektive Schätzung 60:40), die Eincheckprozedur zog sich über zwei Stunden hin. Das Frankfurter Markuskrankenhaus musste wegen einer ambulanten Sache aufgesucht werden. Hier sah es sogar nach 80:20 aus. Die Wartezeit exorbitant kurz, der Gratis-Kaffee super. Bei Besprechung der Untersuchungsergebnisse der Befund: heilt von selbst. Meine (ernst gemeinte) Bemerkung beim Abschied, dass man soeben einen künftigen Nationalspieler behandelt habe, musste etwas ausgelöst haben. Kurz vor Passieren der Ausgangstüren wurden wir vom Arzt eingeholt: man sei sich doch nicht mehr sicher - wir sollten uns eine dritte Meinung in der Uniklinik einholen. Ok, wir also dorthin. Ein 50:50-Verhältnis bei einer Uniklinik ist normal. Die ambulante Untersuchung verlief zügig, obwohl drei Abteilungen involviert waren. Wir sollten am nächsten Tag wieder kommen, um Parameter zu prüfen. Ging auch alles schnell, das Ergebnis lautete: Operation am übernächsten Tag. Am Vorabend wie vereinbart die Ankunftszeit abgestimmt - und um 10 Uhr waren wir dort. Dann war alles konzeptlos. Ohne jedwede Information dauerte es bis halb drei, bis der Patient in den OP geschoben wurde. Die einzige Info, die wir Begleiter bekamen: das Uniklinikum sei bekannt dafür, dass es über eine schlechte Organisation verfüge (das kam von den eigenen Leuten!). Ich dachte schon, mich kann jetzt nichts mehr erschüttern, bis ich dann bei einem Notfall ins Offenbacher SANA-Klinikum als Übersetzer hinzugezogen wurde. Von Sonntag Abend (Einlieferung halb sieben) dauerte es geschlagene neuneinhalb Stunden, bis die Patientin in ihr Zimmer kam. Eine Zimmergenossin erzählte später, bei ihr dauerte es zwölf Stunden. Am ersten Tag führte die Personalzusammensetzung in Verbindung mit einer chronischen Unterbesetzung dazu, dass "meine" Patientin die Tabletten, die vor dem Frühstück eingenommen werden müssen, erst vormittags mit dem anderen Zeugs verabreicht wurden - die Nebenwirkungen waren zumindest nicht tödlich. Am Entlassungstag dauerte es dann fünf Stunden, in denen auf den Arztbericht gewartet werden musste. In der ganzen Zeit sahen wir nur die Oberärztin sowie einige Auszubildende (Praktikanten?), die der deutschen Sprache fließend mächtig waren. Alles andere scheint aus allen Winkeln der Erde hierher gebracht worden zu sein. Ich weiß nicht, wie der Klinikbetreiber tickt. Die Firma SANA ist einerseits seit etlichen Monaten Sponsor unserer Sportanlage, aber immer noch prangt kein Namensschild am Eingang. Nur an drei Nebenplätzen flattern ein paar SANA-Banner vor sich hin - die aufgedruckte URL geht aber ins Leere. Geht es nach dem Erwerb von der Stadt Offenbach nur um das Hin- und Herschieben von Geldern mit dubiosem Hintergrund? Andererseits trifft man viel früheres medizinisches Personal überall in Südhessen an, was ja nur bedeuten kann, dass man hier bewusst bewährte Strukturen zerschlagen hat. Lange Rede, kurzer Sinn: wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich unter den jetzigen Gegebenheiten nicht in Klinikum Ofenbach wollen. Dazu passt übrigens noch, dass (wie auch in der hiesigen Stadtsparkasse) die PCs auf XP laufen. Sicher ein sehr schönes Betriebssystem, aber unter aktuell stellt man sich etwas anderes vor.

Das Drama um das bei Real bestellte Fahrrad ist beendet. Über vier Wochen nach Bestätigung des Versandes wurde es letzte Woche angeliefert - und das merkwürdigerweise unbeschädigt. Und das kam so: auf meine email-Anfragen kam außer der automatisierten Empfangsbestätigung nie eine Antwort. Aber im fünften telefonischen Versuch bekam ich tatsächlich eine kompetente engagierte Mitarbeiterin ans Rohr. Und dann dauerte es gerade einmal fünf Minuten, bis der Rückruf kam. Das Rad steht in einer Spedition in Frankfurt - wie sich anhand des Lieferscheines herausstellte, seit einer Woche (bis heute ist nebulös, wo es die restlichen drei Wochen steckte). Aber auch hier ein Wermutstropfen: mir wurde eine falsche Telefonnummer genannt. Buddahseidank kann ich googeln. Und drei Tage später konnte sich mein Sohn über ein neues Rad freuen. Warum die Spedition sich nicht von sich aus mit mir in Verbindung setzte, ist mir ebenfalls unklar. Klar ist aber für uns: nie wieder Real online. Ach so, noch was war ok: die Payback-Punkte mit Berücksichtigung der Rabattaktion wurden korrekt gut gebracht.

Eine Begebenheit aus dem Penny an der Kaiserstraße will ich noch schildern. Es war relativ voll an den Kassen, als eine Angehörige der Volksgruppe, die man laut Herrn Rose nicht beim Namen nennen darf, sich an einen anstehenden Kunden wandte, sie wolle Feuerzeuge. Man überreichte ihr ein Doppelpack. Die Dame in Pelz ging in den Tiefkühlbereich, riss die Packung auf, steckte die Feuerzeuge ungeniert in den Mantel und verließ erhobenen Hauptes den Markt. Will ich wissen, was sie sonst noch in den Taschen hatte? Will ich wissen, wieviele Volksgenossen draußen warteten, um notfalls handfest eingreifen zu können?