03/09/2016 - Nach der Wahl ist vor ihr

einst herrliche 50er-Jahre-Architektur a. d. Parkstr

wurde schamlos dem Großkapital geopfert

Als die ersten Hochrechnungen und Trendergebnisse nach den hessischen Kommunalwahlen eintrafen, war ich durchaus überrascht. Nie hätte ich damit gerechnet, dass sich die politische Landschaft derartig ändert! Dass es sich in Hanau wohl ausgegrünt hat, war nach den die Grenzen zur Perversion häufig überschreitenden Lenkungsmaßnahmen des ruhenden Verkehrs durch einen grünen Verkehrsdezernenten (Du Sack kannst Dir Deine Erwiderung auf meinen Brief schenken) zwar keine Überraschung, aber dass diese Partei landesweit derartig abkackte, Mann oh Mann. Sicher fehlte heuer ein Fukushima-Effekt. Auch in Offenbach legten die Grünen eine grandiose Bauchlandung hin. Aber einige Experten sagten, das wird sich noch ändern, da ja noch die Wahlzettel ausgewertet werden müssen, auf denen kumuliert bzw. panaschiert wurde. Denn das sei nur was für intelligente Zeitgenossen (by the way: ich habe weder kumuliert noch panaschiert - niemand wird dazu gezwungen), da werde die AfD sicher noch absacken. Während die ersten Stimmen laut werden (exakt von denen, die das vor knapp zwanzig Jahren eingeführt hatten), das Kumulieren und Panaschieren wieder abzuschaffen, weil es die Wähler abhalten würde, kann ich mir vorstellen, dass das bald Thema jedes qualifizierten Einstellungsgespräches sein wird. "Wie halten Sie es mit dem panaschieren?" - "Ich koche gerne, bereits meine Großmutter war eine Spitzen-Panascheuse."

Beachtlich die hohe Wahlbeteiligung! Bei der allgemeinen Politikverdrossenheit und den beschämenden bis idiotischen Parteiprogrammen bzw. den hirnrissigen Wahlplakaten hätte ich mir eine Wahlbeteiligung wie bei der letzten Ausländerbeiratswahl vorgestellt (unter 3%). Tatsächlich waren es hier aber über 32%! Das liegt wohl am hohen Anteil von Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln in unserer Stadt. Ich war wahrscheinlich einer der ganz wenigen Germanen, die zur Wahl gingen (würde mich mal interessieren, wer die anderen 23 waren, die hier Die Partei gewählt haben). Anders lässt sich ein Ergebnis von fast 9 % für die AfD jedenfalls nicht erklären. Da kein Deutscher so einen Haufen kleinkrimineller undeutscher Halbspaste wählen würde, müssen die Stimmen von Bürgern mit ausländischen Wurzeln kommen, die sich als besonders deutsch präsentieren wollten. Und wie gesagt, in den panaschierten und kumulierten Wahlbögen (mit vieren davon kann man ein durchschnittliches Kinderzimmer tapezieren) war die AfD stark unterdurchschnittlich vertreten. Nicht jedoch die REP! Deren Wähler sind echte, höchstqualifizierte deutsche Urviecher, die ihren Kandidaten noch in die kommunale Vertretung reinpanaschiert haben. Was haben doch am Sonntag Abend einige Typen zu früh gejubelt, dass kein Repse mehr unter den Offenbacher Abgeordneten mehr vertreten sind. Nein, es gibt keine Schnittmenge zwischen REP und NPD einerseits und AfD andererseits, wie es der Postillon kürzlich unterstellte. Dass in Hanau, wo die AfD nicht antrat, die Repse deren hessischen prozentualen Durchschnittsanteil erhielten, ist purer Zufall. Und bei dem allgemeinen Gelalle durfte Sportsfreund Grüttner nicht fehlen, der am Sonntag noch den CDU-Führungsanspruch postulierte. Du Sack, Du solltest doch wissen, dass auch die Wähler Deiner Partei nicht besonders panaschier- und kumulier-affin sind. Bin einmal gespannt, aus wie viel Parteien sich die künftige Regierung zusammen setzen wird. Denn auch hier ist die Zeit einer rot-grünen Führung vorbei. Und es beginnen Weimarer Verhältnisse. Während die Partei in Offenbach auf wenig Resonanz stieß (s.o.), konnte sie in Frankfurt ins Parlament einziehen. Deren Frankfurter Wahlplakat (siehe letztes Geblöke) war ja nicht schlecht - in Offenbach hat man keine gesehen. Konträr dazu konnte de FDP mit ihren idiotischen Plakataktion dennoch Anteile wie die AfD gewinnen - unglaublich. Es scheint übrigens immer Sonderfaktoren zu geben, die einzelne Parteien überproportional begünstigen (Fukushima und IT-Wahn damals, der Flüchtling jetzt). Wenn bei der nächsten Wahl Deutschland unter einer Flut verschimmelter Leberwürste ächzt, kriecht bestimmt GABEL in die Parlamente (Gruppe armer beleidigter Leberwürste). Einen negativen Effekt hat diese Zerfaserung der Parteienlandschaft aber doch. Je mehr Parteien in irgendeiner Regierung vertreten sind, desto mehr lukrative Pöstchen müssen auf unsere Kosten geschaffen werden - egal, wie arm die Kommune ist. Und was sich der Politabschaum erst einmal einverleibt hat, rückt er nicht mehr heraus. - Jedenfalls bin ich durchaus gespannt auf die Ergebnisse der kommenden drei Landtagswahlen.

Ich bin wahrlich kein Freund der Erika Steinbach, eine fürwahr eklige Person. Aber auch solche Leute haben lichte Momente. Ihr Plakat zu Deutschland anno 2030 mit dem blonden Mädchen in einem Pulk Asiaten gehört zum Besten, was auf diesem Sektor in diesem Jahrtausend gedruckt wurde. Natürlich ein willkommener Anlass für die Gutmenschen-Mafia, kollektiv aufzurülpsen. Wie gesagt, zum Verständnis von Satire gehört etwas Intelligenz. Unter diesen Umständen kann man nur rufen: weiter so, Erika!

Schotten dicht! Die Balkanroute ist dicht. Und dennoch landen immer noch weitere Migranten an den Küsten der EU-Mittelmeer-Anrainerstaaten an. Da kann ein Politclown wie Drohne Thomas plärren wie er will ("Griechenland muss die Migranten ertragen!"), es ist reine angewandte Physik: irgendein Topfdeckelchen wird hochgehen. Es zeigt die Intelligenz unserer politischen Führung, dafür keine Vorkehrungen getroffen zu haben. Es ist mir ein Rätsel, wie ein Ehrenmann von Format wie Erdogan mit diesen Gestalten Geschäfte machen kann. Eine traurige Sache ist im Zuge der "Diskussionen" leider untergegangen. Bekanntlich liegt jedoch mein Fokus auf Südostasien, und da ist es mir ein Rätsel, wie unter den Mittelmeer-Flüchtlingen jetzt auch Birmanen sind. Sicher sind es Rohingyas, die diese Weltreise hinter sich haben - aber man erfährt einfach nichts Näheres. Andere Flüchtlinge aus Myanmar haben es schlechter getroffen, indem sie als Sklaven in die Fänge der südostasiatischen Fischfangmafia geraten sind. Man hätte sich zu diesem Thema ein paar aufklärende Worte des Bosses der thailändischen Fischindustrie gewünscht, aber dieser nichtsnutzige Schlappschwanz hat heulend das Weite beim Interview gesucht. Der Sack kann auch als deutsches Teilzahlungsbankvorstandsmitglied durchgehen.