03/21/2016 - Luminale 2016

Dieser Assi war sicher nicht wg Luminale unterwegs

Mit der Präzision eines Schweizer Intercitys kam auch in diesem Jahr wieder eine Luminale - heuer aufgrund der vielen Fotografen-Anfragen sogar vor der Zeitumstellung. Zum allerersten Mal konnte ich diesmal sogar am ersten Tag partizipieren, denn auf der Rückfahrt von Kiel spuckte uns der ICE (auch pünktlich!) sonntags um 22 Uhr am Veranstaltungsort Frankfurt Hbf aus. Leider gilt dasselbe wie vor zwei Jahren: die dortigen Installationen waren nicht der Hammer. Sehenswert zwar die Installation exsule (die mit den Schiffen), aber muss man das denn immer so bedeutungsschwanger inszenieren? Dass Kunst auch Spaß machen darf, bewies die Installation sim:ulacrum - aber die war so blöde aufgebaut, dass keine sinnvollen Fotos machbar waren. Was wiederum LED's step sollte - man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Montag stieg ich dann voll ein - bewaffnet auch mit einer Fremdkamera. Zuvor muss ich einmal die DZ Bank verfluchen. Zu deren Installation wollte ich mich im Internet anmelden, bevor der Luminale-Führer überhaupt in Frankfurt ausgelegt war. War aber schon alles ausgebucht. Auf Anfrage erklärte mir ein externer Arsch, dass der DZ Bank, deren Kunstausstellung ich über den grünen Klee gelobt hatte, die Befindlichkeiten von Kunstinteressierten am selbigen vorbei gingen. Gut zu wissen. Los ging es am Messeturm, optisch konnte aber der Hessische Hof, der nicht zur Luminale gehörte, höher punkten. Star* war nicht schlecht, aber was die ING-Diba am LEO gemacht hat, war richtig gut. Auch ich ließ es mir nicht nehmen, mein Konterfei auf das Hochhaus zu projizieren. Moving window pictures an der Experimenta? Nicht mein Ding. Überlebenslichter in der Ludwig-Ehrhardt-Anlage? Nicht schlecht, aber nicht sinnvoll zu fotografieren. Die Installationen im Senckenberg-Museum hingegen konnten restlos begeistern, gaben aber wegen ihrer teilweisen Komplexität auch keine überragenden Fotos her. Die interaktiven Installationen im Chemag-Haus hingegen waren technisch eher primitiv, regten aber zu vielen Aaahs und Ooohs an. Da wir an den letzten beiden Orten doch zu lange ausharrten, war die Antoniuskirche für uns dann schon zu. Offen war das Trianon, wo es Gelegenheit gab, sich mit der ausstellenden Künstlerin auszutauschen. Sehr nettes Gespräch, aber muss man denn immer intellektuell so abheben? Wie soll z.B. ein Politiker oder ein AfD-Wähler jemals Interesse an zeitgenössischer Kunst entwickeln? Ein Hammer dann Animate Matter in der S-Bahn-Station Taunusanlage. Nichts für Epilepsie-Gefährdete. Weiter zum Euro-Tower. Schöne Illumination zum Euro (wer weiß, wie lange das noch keinen Nachruf-Charakter hat). Auch hier wieder eine riesige Meute von Fotografen mit teilweise sagenhaften Geräten. Gegenüber dann tobte sich Metzlers seeliger Sohn aus. Selten eine derartig geile Illumination gesehen. Hoffentlich bleibt die dauerhaft. Dann riefen wirklich die Kirchen. Die RaumZeitPiraten in der Weißfrauenkirche waren wieder eine Bank. Aber der absolute Höhepunkt der diesjährigen Luminale war wieder in der Katharinenkirche zu finden. Was für ein gigantischer Buchstabensalat. Man wollte gar nicht wieder rausgehen. Tat ich dann aber trotzdem irgendwann und begab mich Richtung Heimat. Vorher machte ich noch einen bösern Schntzer. Ein ausgesucht höfliches auswärtiges Ehepaar fand den Weg nicht mehr zu seinem Parkhaus. Wie ich erst später feststellte, habe ich dem versehentlich das falsche genannt. Das tut mir jetzt aufrichtig leid. Also liebes auswärtiges Paar: wenn Ihr diese Zeilen lest, war nicht absichtlich - sorry!

Am Dienstag wollte ich nur Regeneration, aber am Mittwoch ging es in den Offenbacher Teil, den ich ganz gegen meine sonstige Gewohnheit per Auto abfahren wollte. Der Abend endete genau so spektakulär, wie er anfing, was allerdings nicht an der Luminale lag. Während auf dem Hinweg einige Wagen an der Kreuzung Bieberer Straße/Landgrafenring auf das sekündlich zu erwartende Grün warteten, donnerte ein weißer Wagen mit HG-Kennzeichen über Rot aus Richtung Bieber kommend in den Ring ein, ignorierte die Einbahnstraßenregelung, das Rechtsfahrtgebot und die Tatsache, dass der Bürgersteig nicht für Kfz gedacht ist, und bretterte Richtung Achat-Plaza. Irre. Die Fahrer vor mir waren so konsterniert, dass sie bei Wechsel auf Grün das Anfahren vergaßen und mit meiner Dreiklangfanfare geweckt werden mussten. Ein ähnliches Schauspiel auf der Rückfahrt. Ein mutmaßlicher Pegida-Pavian (großer Benz, kleiner Schwanz) mit DD TK 268 hielt am Kaiserlei-Kreisel, als alles frei war, sinnlos und donnerte dann ohne Rücksicht auf den nun anlandenden vorfahrtsberechtigten Verkehr direkt auf die linke Spur im Kreisverkehr, bremste, ließ mich vorbei und bremste mich bei der Einfahrt in die Frankfurter Straße wiederum aus. Dann die große Schlangenlinienschau in Kombination mit wirren Blinksignalen und weiteren unkoordinierten Bremsmanövern. Es war göttlich; leider musste ich irgendwann auch einmal abbiegen. Die Pegida-Affen schnüffeln doch Leim? Bemerkenswert war ebenfalls, dass ich erstmals in meinem Leben als Fahrer in eine ALkoholkontrolle am Offenbacher Stadtrand geriet. "Gueten Abend. Haben Sie was getrunken?" - "Nein.". "Alles klar. Weiter fahren." Beim mutmaßlichen Leimschnüffler muss es ähnlich abgelaufen sein, denn die Kontrolle war gerade mal 300 m vorm Kreisel. Kunst gab es zwischendrin auch. Als erstes steuerte ich den Ostpol an. Was für ein Schwachsinn. Das Innere hatte man gerade den Anonymen Alkoholikern oder sowas in der Art zur Verfügung gestellt, die sich da derartig einen absabbelten, dass man sich nicht konzentrieren konnte. Was in der Fensterfront ausgestellt wurde: bullshit. Noch schwachsinniger allerdings die Installation und Performance (?) Prometheus von UpperCityCenter. Auch die Performer vom Ledermuseum (s.u.) konnten damit nichts anfangen. Weiter zur Heyne-Fabrik. Die Blauwe Ur als Multimedia-Installation hatte schon was. Aber der Rest? Mir zu abgehoben. Oder, was die Ausstellung der Fotofreunde Seligenstadt anbelangt, einfach unpassend, passt besser auf ein Kaffeekrnzchen. Die Zeit reichte noch, um kurz vor Schluss bei den Ateliers in der Bettinastraße vorbeizufahren. Die namenlosen Installationen von Tim Herok - wem's gefällt. Irre war jedoch der Soundkünstler. Auf solche Ideen muss man erst einmal kommen, nur die Arschgeige kriegte schon Anfang der Siebziger Rente. Offenbacher Höhepunkt war dann "Leder ans Licht" am Ledermuseum. Auch ohne die Möglichkeit der Interaktivität irre. Da hätte ich stundenlang zuschauen mögen.

Am folgenden Donnerstag stand vormittags abermals Offenbach auf der Agenda. Zwar kommt bei Bezug auf vergangenes jüdisches Leben regelmäßig das Essen bei mir hoch (irgendwann muss mal Schluss sein), aber SchwarzLicht in der Sparkasse war schon beeindruckend. Auf gut Glück trabten wir weiter ins KOMM und fanden vor der regulären Öffnung Künstler Klaus Freese von der Bunten Armee Fraktion (von denen ich mir dann auch ein Tshirt gönnte) schon bei der Arbeit vor. Dessen Gemälde gefielen ausgezeichnet. Für eine Prise Humor sorgten die Skulpturen eines Kollegen; Hammer war jedoch die Fraktale-Projektion in der Tradition eines Roger Deans. Die Jungs werde ich mal auf dem Radarschirm behalten.

Am Donnerstag Abend erwies sich der kostenlose Luminale-Bus wieder als praktisch. Ich stieg am Eisernen Steg aus und trabte in die Dreikönigskirche. Ein Gast donnerte einen Mussorgskiy aus dem Piano raus - und so konnte die Enlightenment Machine zeigen, was in ihr steckte. Die Installationen am in der Ausstellungshalle 1A und am Nizza: naja, wer's mag. Den Vogel in negativer Hinsicht schoss aber Hello Goodbye ab - das hat nun niemand begriffen. Über den Installationen thronte wieder Metzler. Eilmarsch zur Antoniterkirche - gigantisch. Irgendwie wirken hypermoderne Installationen in alten Gemäuern immer am besten. Umweg zum Hauptbahnhof. Sim:ulacrum war bereits abgeschaltet, aber bei Sound to light war die Hölle los. Denn je mehr man brüllte, desto mehr zeigte die Installation. Das schienen einige Passanten jedoch missverstanden zu haben und riefen die Polizei. Diese verließ allerdings den Ort des Happenings lächelnd wieder unverrichteterdinge. Es schloss sich eine überaus quälende halbe Stunde mit dem Bus zur Naxoshalle an. Voll, voll, voll. Das Einkassieren von 2 Euro pro Nase klappte allerdings super. Mir war es dort auch zu voll. Man musste sich quasi durch die Menge von Exponat zu Exponat kämpfen. Hat mir was gefallen? Naufrago war recht lustig, alles andere hatte eher Abhak-Charakter. Ich hätte anschließend noch zur Allerheiligenkirche gehen sollen, entschied mich aber dummerweise für Scheinbares am Roßmarkt. Bis auf den Titel eine kindische Angelegenheit. Und schon fuhr wieder der letzte Bus zurück. Leider habe ich heuer auch das Karmeliterkloster nicht geschafft. Aber drei volle Abende und ein paar kaputte müssen reichen.

Denn am Freitag fuhren wir nur noch nach Rumpenheim zum Mainmond. Zum Verständnis dieses Exponates bedarf es auch etlicher Semester Philosophie und Wasserwirtschaftskunde. Dasselbe galt für Hooks an der Hafenspitze. Aber das leuchtete jedenfalls schön. Was das Ganze am Hafen 2 sollte: keine Ahnung. Hätte mein minderjähriger Neffe auch hingekriegt. Sehenswert zum Abschluss wenigstens noch der Photonen Parcours im MTW. Das Phantom der Oper lässt grüßen. Nun heißt es wieder: zwei Jahre warten. Inzwischen habe ich unter dem PoI-Bereich eine Ebene uminale Special eingefügt, unter der ich ab und dann mal Fotos der letzten fünf Luminalen veröffentlichen werde.