05/17/2016 - Meistertrunk reloaded

Plakat in Rothenburg o.d. Tauber

Obwohl ich im Gegensatz zu vielen anderen gute Gründe habe, den Vatertag zu zelebrieren, verzichtete ich darauf, sondern fuhr stattdessen zum Pokalendspiel des Fußballkreises Rheingau-Taunus in Seitzenhahn, wo sich Wallrabenstein und Eltville gegenüber standen. Vor knapp 680 Zuschauern und nahezu hochsommerlichen Temperaturen entwickelte sich eine langweilige erste Hälfte, eigentlich war es nicht mehr als ein endloses Abtasten. Nach der Pause gewann die Partie an Fahrt, und Eltville gewann verdient mit 4:1. Das letzte Tor haben viele (darunter ich) jedoch nicht mehr miterlebt. Nach dem 3:1 in der 91. Minute machte alles den Anschein, das Spiel sei aus. Auch der Stadionsprecher vermeldete fröhlich das freudige Ereignis und gratulierte der SpVgg Eltville. Bereits auf dem Parkplatz hörte man jedoch wieder einen Anpfiff und kurz darauf großen Jubel. Das muss das 4:1 gewesen sein. Der Ground verfügt über Kunstrasen, ist nur an drei Seiten (davon eine mit zwei Stufen) offiziell begehbar und sollte unter Einbeziehung der Anhöhe knapp 2.000 Zuschauern Platz bieten. Die Wurst war ok, aber das Catering-Team von enervierender Gelassenheit. Kuchen war auch gut. Begleitprogramm war einerseits Groundspotting in Hausen v.d.H. (ganz nett, Rasen) und Langenseifen (Asche, heißt Brühler Kopf), andererseits Viewing der Kapelle in Langenseifen - ein irres Teil komplett aus Weidenholz erbaut. Logischerweise zu, da evangelisch.

Am Freitag Abend war die Auswahl an Spielen übergroß. Ich entschied mich für das Lokalderby Engelhelms vs Künzell II auf der Josef-WIngenfeld-Sportanlage. Der Platz war fast so breit wie lang und gefiel durch seinen heterogenen Ausbau. Durchgängige Stufen gab es z.B. nur hinter einem Tor. Kapazität: ca. 2.000. Heute waren immerhin 160 Leutchen dort, alle recht lautstark. Eine Anzahl von Radlern verfolgte das geschehen für umme (ich musste 3,50 EUR löhnen - typisch für Nordhessen: wir Rentner wurden wieder ausgeplündert, siehe auch unten - und bekam eine Kinokarte mit Vereinsaufdruck) von der Anhöhe, aber diesmal war der Weizenbierhopper nicht dabei. Ich erregte die Aufmerksamkeit mehrerer Seniorinnen, die mich als mutmaßlichen Künzell-Fan verbal aus ihrer Nähe verscheuchen wollte, aber das ließ sich recht schnell klären. Das Spiel selbst war recht gut und endete 5:1 für den Gastgeber. Seltsamerweise verletzten sich die Torschützen der Gastgeber (auch die 7 nach einem lupenreinen Hattrick) und mussten ausgewechselt werden. Vor dem Spiel schaute ich mir noch einige Grounds (der in Mittelkalbach glänzt mit schönen Stufen) und Kirchen (ein besonderer Dank gilt den Damen der Kirchenbüro ebenfalls in Mittelkalbach sowie Pilgerzell) der Umgebung an. Und nach über zwanzig Jahren schaute ich mal wieder beim Schloss Fasanerie vorbei. Wird gerade renoviert und farblich in den Originalzustand zurück versetzt. Auf eine Führung verzichte ich diesmal, alldieweil ich plane, zur Fabergé-Ausstellung eh noch mal wiederzukommen. Dafür widmete ich mich dem Schlossgarten, der nicht zuletzt durch seine Tümpel begeistern kann, die wiederum teilweise von Installationen der estnischen Künstlerin Lydia Nüüd geschmückt waren. Die pittoreske Umgebung nutzten auch zwei Models für Aufnahmen, die sich aber nicht von mir ablichten lassen wollten. Den absoluten Höhepunkt des Tages lieferte aber eine Pilgerzellerin ab. Derweil ich auf die Dame mit dem Schlüssel wartete (s.o.), näherte sich eine Anwohnerin mit sehr - sagen wir - esoterischem Aussehen und fragte, ob ich vorhin fotografiert hätte. Das bestätigte ich umgehend, wobei ich darauf hinwies, dass sie, die ich durchaus bereits in ihrem Garten zur Kenntnis genommen hatte, allein schon aus blickwinkeltechnischen Gründen auf keinem Foto zu sehen sei. Woraufhin sie mir erklärte, sie kriege jedes Foto einer Digitalkamera im Gehirn mit, da alle derartigen Kameras mit Satelliten vernetzt sind, die wiederum in Verbindung mit ihr ständen. Das fängt schon morgens an, wenn Touristen, während sie schläft, Fotos von der Kirche im Sonnenaufgang machen. Dann klickt es auch in ihrem Hirn, was wiederum Schmerzen verursacht. Da es sich um Körperverletzung handelt, würde sie mich bei meinem nächsten Foto anzeigen. Die Diskussion entwickelte sich nunmehr in derartig interessante Bereiche, bei der ich Buddha zitieren konnte, was sie mit Nietzsche konterte, dass ich die Ankunft besagter hilfsbereiter Dame fast schon bedauerte. Es muss aber so sein, dass die Kirchengemäuer wohl keine Strahlung durchließen, denn sie würdigte mich, obwohl ich selbstredend mehrfach auf den Auslöser gedrückt hatte, bei meinem Herausgehen mit keinerlei Bemerkung - und Polizei traf auch nicht ein, um eine Anzeige aufzunehmen.

Am Samstag musste ich in aller Herrgottsfrühe aufstehen, um einen weißen Fleck auf meiner Hopping-Landkarte zu beseitigen. Vor ca. zwei Jahren hatte ich festgestellt, dass ich in Baden-Württemberg lediglich im Alb-Donau-Kreis noch nie ein Fußballspiel gesehen hatte. Heute war der Ehingen-Doppler machbar. Ich kam ohne jegliche Probleme durch und landete zuerst in Allmendingen, wo die Kirche dicht war und das Stadion sich doch eher als normaler Sportplatz entpuppte, das allerdings durch das Zementwerk im Hintergrund einen gewissen Flair erhielt. Auffällig war, dass keine Autos mit EHI herum fuhren. Eine Recherche daheim ergab, dass es wie in den Landkreisen Fulda und Breisgau-Hochschwarzwald darum ging, eine Kreisidentität zu stiften. Was in Fulda noch plausibel wirkt, sieht in Landkreisen, die mit Kennzeichen einer kreisfreien Stadt versorgt werden, irgendwie idiotisch aus. Erfahrungsgemäß bekommen wieder aufgelegte Kennzeichen überall großen Zuspruch (nur FH kann ich mir nicht so recht vorstellen), warum sollte das hier anders sein? In Ehingen war ich seit 25 Jahren nicht mehr, aber ich habe es wieder erkannt. Hübsche Kirchen, wobei ich in der Konventkirche eine eher negative Begegnung hatte. Lallt mich doch während meiner Fotografiererei ein südeuropäischer Sauger an, dass das stören würde. Nein, beeilte ich mich zu sagen, seine Maschine stört mich keineswegs. Er meinte es allerdings so, dass ich ihn stören würde und verschwinden solle. Außerdem sei die Kirche für die Öffentlichkeit außer zu den Diensten sowieso nicht zugänglich. Egal, ich hatte meine Fotos - und zuhause musste ich feststellen, dass man diese herrliche Kirche bewusst der Öffentlichkeit vorenthält. Was sich diese Pfaffen alles erlauben! Insofern hatte ich sogar noch Glück gehabt. Weiter nach Laupheim. Zwischenstopp in Griesingen - ein Ort, den man insofern bewundern muss, als das er sämtlichen Eingemeindungsbestrebungen nach Ehingen bislang erfolgreich widerstanden hatte. Beim Groundspotting erzählten mir Jugendleiter und Platzwart unisono, dass das Nachmittagsspiel auf dem Nebenplatz stattfinden wird. In Laupheim (schon Kreis Biberach) war ich schon mehrfach, zuletzt 2004. Und trotzdem habe ich nichts, aber auch rein gar nichts wieder erkannt. Wie auf einem fremden Planeten. Auch die Tatsache, dass eine neue Schienenverbindung nach Biberach gebaut worden war, ist vollkommen an mir vorbei gegangen. Neben dem Schlosspark war die Hölle los wegen der Laupheimer Leistungsschau. In Schlosspark selbst und Kirche war sie auch los, ein halbes Dutzend Brautpaare ließ in dieser malerischen Umgebung ablichten. Vor dem ersten Hopping-Punkt noch kurzes Groundspotting in Baustetten, wo gerade ein E-Jugend-Spiel lief. Eigentlich ein netter Ground mit vier Stufen und überdachter Stehtribüne. Dann nach Rot. Da im Landkreis Biberach zwei Orte namens Rot am Bach Rot liegen, heißt dies Rot (Ortsteil von Burgrieden) zur Unterscheidung Rot bei Laupheim. Das Rot an der Rot hingegen ist durch seine Abtei bekannt. Der Ground kann (Kreisliga B) begeistern. Eine Sitztribüne und eine winzige Stehtribüne - das kann sich durchaus sehen lassen. Auf dem Nebenplatz lief noch ein D-Jugend-Spiel (hier gab es im Gegensatz zum Seniorenspiel auch Catering), als die Begegnung FV Rot vs Burgrieden II vor ca. 65 Zuschauern angepfiffen wurde. In der ersten Hälfte fielen keine Tore, diese fielen erst zwei Minuten vor Schluss per Doppelschlag zum 2:0, da war ich aber längst am Stadion Ehingen. Hier spielte die TSG Ehingen gegen die Zweite von Olympia Laupheim vor ca. 100 Zuschauern. Ein schmuckes Stadion mit Sitztribüne nicht von der Stange und Stufe auf der Gegengeraden (sollte für 4.000 ausreichen). Das Spiel sehr hektisch, aber der Gastgeber fuhr mit einem verdienten 3:0 die dringend benötigten Punkte gegen den drohenden Abstieg ein. Tickets gab es keine, dafür aber ein dickes Saisonhälften-Programm, die Wurst ist ok. Um den Aufstieg ging es hingegen beim SSV Ehingen-Süd auf dem Sportplatz Kirchbierlingen, wo man ebenfalls eine Zweite empfing, die vom FV Ravensburg. Vor ca. 110 Zuschauern gab es in malerischer Rapsfeld-Umgebung ein verdientes 1:0. Das Programm war zweitligareif. Über Schmiechen ging es dann zurück, auch diese Fahrt verlief störungsfrei trotz Mammutbaustelle und gemeldetem Unfall im Baustellenbereich auf der A8.

Pfingsten war fußballfrei. Aber natürlich schauten wir uns den ESC an. Nicht, dass sich meine musikalischen Vorlieben geändert hätten, aber manchmal widme ich mich durchaus harmlosen Schlagergut. Nach den ersten beiden Stücken hatte ich schon die schlimmsten Befürchtungen, denn die Darbietungen aus Belgien und Tschechien setzten nahtlos die unterirdische Qualität des Vorjahres fort. Aber lediglich Israel und Polen lieferten im Anschluss noch weitere Tiefpunkte ab. Fünf Darbietungen gefielen mir wirklich gut. Mein absoluter Favorit war der österreichische Beitrag (dazu komme ich noch), gefolgt von Australien, Frankreich, UK und (wirklich, obwohl wohl bei Hören von Arriver komponiert) Schweden. Auch Georgien und Zypern waren nicht schlecht. Der russische Beitrag lebte nur von der Videoshow, käme er so im Autoradio, sucht man den Senderdurchlauf. Der musikalisch harmloseste Beitrag heuer kam aus Deutschland. Und wenn er dann noch von einer Bühnenshow begleitet wird, zu deren Verständnis ein Minimal-IQ von 125 erforderlich ist, wundert es mich nicht, dass er weder Jury noch dem gemeinen Publikum gefiel. Es ist lächerlich, mit was für an den Haaren herbei gezogenen Erklärungen sich jetzt das schlechte Abschneiden schön redet. Interessant war, dass ansonsten Publikums- und Jurygeschmack fast nie kongruent waren. Mit dem österreichischen Beitrag konnte das Publikum erheblich mehr anfangen als die Jury. Andererseits bewies letztere ihren guten Geschmack an den unterschiedlichen Bewertungen Polen, Russland und - anders herum - Australien betreffend. Ob das Ergebnis wirklich politisch motiviert war? Keine Ahnung; aber es war wirklich spannend am Ende. Erschütternd war, was man mit Einsatz modernster Licht- und Video-Technik alles erreichen kann: nämlich nichts. In den Achtzigern hat man von ein paar Funzeln erzeugte Lightshows gesehen, die die ESC-Materialschlacht alt aussehen lässt. Und der Beatclub mit seiner analogen für heutige Begriff Primitivsttechnik hatte (wie der Urban korrekt erwähnte) vor knapp sechzig Jahren dieselben Videoeffekte gezeigt. Wieder ein Indiz dafür, dass es bei der technischen Entwicklung nur darum geht, uns Bürger zu verblöden. Sinnvolles kommt eher selten raus.

Da wir Besuch aus Asien hatten, haben wir den wunschgemäß ins herrliche Rothenburg ob der Tauber geführt. Dass dort gerade zufällig der Meistertrunk aufgeführt wurde, kam uns gerade recht. Das Wetter hätte zwar besser sein können, aber es war doch interessant. Ich kann mich für solche mittelalterlichen Spektakel begeistern. Ich meine damit nicht die andauernden Mittelaltermärkte von der Stange mit ewig denselben Dudlern oder diese Standard-Ritterfeste mit immer denselben Mähren, sondern die Aufführung mittelalterlicher Situationen. Meine Favoriten sind das Frundsberg-Fest in Mindelheim und die Landshuter Hochzeit, aber das hier war auch ok, auch wenn das für den Montag angekündigte Abschlussspektakel nur rudimentär stattfand. Ebenfalls recht brauchbar ist das Stadion, auch wenn es teilweise vom American Football missbraucht wird. Zwei Tribünen, davon eine überdacht, und sechs Stufen auf der Gegengeraden sind nicht verkehrt. Im Internet wurde die dortige Parkplatzsituation als schlecht bewertet, aber wir fanden ohne Suche spontan kostenlose fünf Minuten Fußweg vom Stadttor entfernt. Übrigens haben viele Rothenburger schon von dem wieder aufgelegten ROT-Kennteichen Gebrauch gemacht. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, dem Kriminalmuseum einen besuch abzustatten. Wen die Menschheit sich mit derselben Intensität, mit der sie Foltergeräte entwickelt hat bzw.noch entwickelt, anderen Sachen gewidmet hätte, wären wir technisch wahrscheinlich schon zwei Jahrhunderte weiter. Aber wie gesagt: sämtlicher "Fortschritt" dient nur dazu, die normale Bevölkerung zu unterjochen. Einziger echter Negativpunkt unseres Besuches war die Gemeinheit der Wächter vom Rathausturm. Obwohl wir fünf Minuten vor Toresschluss kamen, wollten die uns (sowie einige Japaner) nicht mehr auf den Turm lassen! Diese Bieter! Auf der Rückfahrt Glück gehabt, dass der Unfall auf der einspurigen A7 in Gegenrichtung passierte. Wer kommt auf diese hirnrissige Idee, auf einer Haupt-Autobahn zehn einspurige Kilometer einzurichten? Kulinarischer Abschluss der Fahrt war ausnahmsweise kein Stopp bei einem amerikanischen Bulettenbräter, sondern beim Asia Palast in Hanau, wo man gerade das dreijährige Jubliläum zelebrierte mit Gesangsdarbietungen und einem vielbeinigen Drachen. Leider musste der Sushi-Spezi wohl beim Bühnenteil teilnehmen, jedenfalls hatte es an diesem Abend nicht die gewohnte Qualität. Auf der Heimfahrt bin ich doch wieder in eine Polizeikontrolle gekommen, diesmal wollte man wissen, ob ich den Führerschein dabei hätte. Ja, habe ich. Danke. Gute Fahrt.

Das Stichwort Buletten bringt mich zu einem kulinarischen Erlebnis der letzten Woche. Aber ich erinnere mich auch an die Siebziger, als das Land noch nicht von amerikanischen Fast Food-Ketten durchdrungen war. Damals konnte man noch vielerorts an individuell vor sich hin werkelnden Imbissbuden wirklich gelungene Hamburger zu volkstümlichen Preisen kriegen (by the way: seinerzeit kostete ein Hamburger beim Mc gerade mal 60 Pfennige). Auch ein knappes halbes Jahrhundert später läuft mir beim Gedanken an die Köstlichkeiten der "Zwiebel" am Zülpicher Platz zu Köln das Wasser im Mund zusammen. Ich hatte damals immer gesagt: "McDonalds ist er Tod des Burgers." Im Laufe der Zeit ergab es sich dann, dass die Hamburger der Imbissstuben immer schlechter wurden, die "Zwiebel" ihr Angebot (Besitzerwechsel?) änderte und das Land von amerikanischer Systemgastronomie förmlich überrollt wurde. Ok, ich habe mich im Laufe der Jahrzehnte an diese Ketten gewöhnt und gelte als fleißiger Besucher, aber richtig gute Burger gibt es hier seit langen nicht mehr (Ausnahmen: das kurze Gastspiel von Wendy mit wirklich klasse Burgern und einige ambitionierte Grillmaster-Schuppen in Niedersachsen). Nun lese ich seit einiger Zeit andauernd von kleineren Ketten, die angeblich tolle Burger kredenzen. In Flensburg kam ich zufällig an einem viel gelobten Hans im Gluck vorbei, hatte aber keine Zeit. Nun passierte ich kürzlich in der Nähe vom neuen St Martin Tower im Athlon Park einen Fletchers, von dem ich ebenfalls gute Kritiken gelesen hatte. Ich gönnte mir ein Bacon Burger Menu für 10,90 EUR. Was für eine Scheiße. Die Größe der Bulette als solcher war ok, die Cola war kalt und die Saucen-Auswahl ging gerade. Aber das war's schon. Den Bacon konnte man mit einer Lupe tatsächlich finden. Der Rest der Beilagen machte den Eindruck, als ob bei Fletchers noch strengere Garnierungsregeln als bei McDonalds. Das Brötchen: jeder Amerikaner würde aufschreien. Die Pommes: ungenießbar. Jeder Belgier würde schreiend davon laufen. Das Ambiente: kann man vergessen, wenn alle drei Minuten ein Putzteufel über den Tisch wischt und lautstark Stühle verrückt und nicht minder lautstark telefoniert. Für so einen Fraß soll ich 50% mehr ausgeben? Nein, mein Bedarf an dieser neuen Burger-"Kultur" ist gedeckt. Und ich freue mich, wenn ich in Bangkok wieder bei Carls Jr oder Mosburger dinieren kann.

Ein Thema wollte ich links liegen lassen, geht aber doch nicht. Denn Erdogan hat offensichtlich ein Menschenkenntnisproblem. Als ob der mutmaßliche Inzestspezi noch nicht genug wäre, nimmt er nun auch noch Ralf Höcker als Anwalt. Das ist diese Gestalt von Einspruch, in der Juristen die Justiz lächerlich machten. Dem Pack war es durchaus immer bekannt, was für ein Schwachsinn die derzeitige Rechtsprechung ist. Und was tut es? Nein, nicht verbessern. Man macht daraus eine TV-Show, in der dem Publikum der Irrsinn noch brühwarm als solcher aufgetischt wurde. Justiz nicht nur als Selbstbedienungsladen für asoziale Juristen, sondern auch als Unterhaltungsprogramm für die Massen? Unglaublich, und Höcker an vorderster Front. Ich bin offen gesagt total erstaunt, dass in diesem Vorgang der Döpfner vom Springer-Verlag ein derartiges Standing hat. Jedenfalls hatte besagter Höcker (hat dieser Nachname denselben Hintergrund wie der vom beurlaubten Oberstudienrat?) nach dem letzten Skandalurteil wieder sein Maul aufgerissen. Unabhängig davon, dass ich vom Böhmermann nichts halte, bedarf es bekanntlich eines Mindestmaßes an Intelligenz für das Verständnis von Satire(insofern war ich über Frau von Storch in der vorletzten Heute-Show doch ebenfalls arg überrascht). Wer Jura studiert, beweist allein dadurch, dass es ihm/ihr daran mangelt. Und ausgerechnet so eine Trauergestalt urteilte jetzt über die Böhmermannsche Möchtegern-Satire. Wenn es nur darum ginge festzustellen, ob es sich um Satire handelt oder nicht - kann man vielleicht gerade noch akzeptieren. Dass jetzt aber ein nichtsnutziges Landrichterlein darüber entscheidet, dass einige Ausschnitte Satire sind, andere jedoch nicht, sprengt den Rahmen des bislang Vorstellbaren. Ich stelle mir mal vor, da sitzt ein Halbwilder, für den außer Toilettentieftauchen nur noch Jura infrage kam, als Landrichterchen über einer Mozart-Partitur und entscheidet, welche Teile als Kunst gelten und welche nicht. Es ist exakt dasselbe. Eine Nation, dass sich derartige Absurditäten von einer Mikrokaste bieten lässt, kann nicht ganz dicht sein.

Es geht damit weiter. Über den "Politiker" Höcke habe ich mich bereits hinreichend ausgekotzt. Dass es auch beurlaubter Oberstudienrat ist, lief bei mir immer nur so am Rande mit. Die armen Kinder, kann man jetzt sagen. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Sondern um das Verhältnis von Beamten zum Grundgesetz. Sicher ist unser Grundgesetz eine der besten Verfassungen weltweit, wenn auch gewisse Politratten dazu neigen, es für bestimmte Sachen als Abstellraum zu nutzen (z.B. Kinderschutz). Dass besagter Herr Dinge äußert, die nicht konform mit dem Grundgesetz in besagter Form sind, sollte Allgemeingut sein. Ob er das als beurlaubter Beamter überhaupt darf, ist unter "Fachleuten" (Juristen - jetzt hat man wieder einen Punkt, mit dem man dieses pack wieder hordenweise auf unsere Kosten beschäftigen kann) strittig. Unstrittig scheint zu sein, dass er es als aktiver Beamter nicht dürfte. Aber auch ein Grundgesetz lebt und erfordert von Zeit zu Zeit Zusätze oder Änderungen etc (s.o.). Demnach dürften Beamte aber entweder gar nicht in den Bundestag/Bundesrat einziehen oder dürften bei Änderungsabstimmungen kein Stimmrecht haben, denn laut Diensteid und allgemeiner Rechtsauffassung müssen Beamte stets exakt hinter dem Grundgesetz in der jeweils gültigen Version stehen. Tatsächlich beträgt der Anteil an stimmberechtigten Staatsdienern ca. ein Viertel (ca. ein Achtel ist es bei Anwälten! Kein Wunder, dass die Verabschaumisierung permanent fortschreitet. Nur ca. ein Sechzehntel ist es bei Unternehmern. Kein Wundern, dass unsere Parlamente so unprofessionell "arbeiten") - und ich entdecke keine Anstalten dafür, das Paradoxon zu ändern. Aber um es mit dem Cleaner zu sagen: ich habe eine Vision. Ich sehe einen Perversen, der als Verfassungsrichterchen das alles wieder bereinigt.

Dann kommen solche Perversitäten heraus wie das derzeitige System bei der Rentenbesteuerung. Dadurch, dass z.B. ich in meiner Zeit als alleinstehender Angestellter gut verdient habe (ich bin wohl einer der wenigen, die sich nie über ihr Gehalt beklagt hatten), habe ich eine Menge Steuern auf meine Rentenbeiträge gezahlt, weil ich nicht alles geltend machen konnte. Und heute sieht es so aus, dass ich meine Rente teilweise wieder versteuern muss. Finanzmathematiker Walter Siepe hat das einmal ausgerechnet. Demnach bescheißt mich der Staat (und wir haben es hier mit Betrug zu tun) um ca. 15.000 EUR (hochgerechnet, dass ich bis 80 meine Löffel behalte). Auf diese grundsätzlich Problematik angesprochen verbunden mit dem Hinweis, dass genau diese Situation das Bundesverfassungsgericht 2002 für verfassungswidrig erklärt hatte, meinte der zuständige Finanzmini sinn gemäß: "Alle mal hergucken, was für ein asoziales Stück Scheiße ich bin [Anmerkung des Verfassers: ich wusste es schon]! Ich will nur bescheißen, bescheißen, bescheißen! Das ist mein Lebenselixier!"

Denkt man an unseren Finanzmini, dann denkt man auch an Toni bzw. an Methoden zur Steueroptimierung. In diesem Zusammenhang hatte ich mich ja gewundert, dass die birmanischen Namen aus den Panama Papers ja blitzschnell wieder aus dem Netz verschwunden waren. Nun sind ja alle Namen publik. Schaut man sich jetzt die Namen mit Bezug zu Myanmar an, fallen einem zwei Sachen auf. Erstens sind es ungewöhnlich viele ausländische Namen. Und zweitens wohnen die allermeisten in Postämtern. Handelte es sich um Gestaltungen zur damaligen Embargo-Umgehung?

Sowohl Hawkwind als auch Mastermind Dave Brock haben wieder Platten veröffentlicht. Voller Vorfreude orderte ich die neue Hawkwind "The machine stops" als Doppel-LP. So gut das Cover ist, musikalisch ist es nach Spacebrock das Schlechteste, was die Jungs je veröffentlicht haben. Die meisten Stücke sind einfach zu ruhig. So wollen wir Euch nicht hören! Sehr futuristisch auch das Cover von "Brockworld" von Dave Brock. Musikalisch erheblich besser, hat man dennoch den Eindruck, hier war eine Doppel-CD geplant. Sämtliche Stücke (und das sind mit 15 eine ganze Menge) enden, bevor sie sich richtig entfalten können. Hier gilt im Gegensatz zu Hawkwind: mehr wäre tatsächlich mehr gewesen.

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