06/07/2016 - Offenbach-Woche

So sieht es nämlich aus!

Die Relegation ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Auch dieses Jahr alles sehr gedrängt. Am Samstag hatte ich die Auswahl zwischen Bad Wildungen und Müs, angesichts der Wetterkapriolen entschied ich mich für letzteres. Das Navi lotste mich über Feldwege und Nester, die man eigentlich gar nicht tangieren will, aber wir kamen rechtzeitig an. Vor über 550 Zuschauern empfing der SV Müs die SG Aulatal in der Altefeld-Arena, die sich aber als normaler Dorfplatz mit nennenswerter Schnakenpopulation entpuppte. Immerhin: die Tickets waren sehr schön, die Bratwurst durchaus empfehlenswert. Das Spiel selbst bot nichts für Rasenschachfreunde, war aber in der zweiten Hälfte sehr spannend. Letztendlich siegte der Gastgeber durch ein Tor in vorletzter Minute mit 2:1 und hat noch theoretische Aufstiegschancen. Auf dem Rückweg nochmal kurz bei der Propstei Blankenau - diesmal ohne Schnee - vorbei geschaut. Während es beim Spiel trocken blieb, ging es sowohl auf Hin- als auch auf Rückfahrt durch diverse Unwetter. Bei der Suche nach einem Relegationsspiel am Sonntag wurde ich erst nach längerer Suche fündig, nämlich in Vollmerz. Gerade als ich losfahren wollte, stellte die beste Ehefrau von allen fest, dass ja ausgerechnet heute verkaufsoffener Sonntag mit teilweise sensationellen Rabatten im Rahmen der Offenbach-Woche sei. Und da es sich nicht leugnen ließ, dass wir einen gewissen Investitionsstau hatten, gerade was unseren wachsenden Sohn angeht, ging es halt zum Shopping. Es war teilweise derartig voll, als ob die Läden nur einmal im Jahr offen wären, nämlich exakt heute. Der fliegende Büdchen-Wechsel am Stadthof und Aliceplatz (der Kirchentag war ja gerade zu Ende gegangen, s.u.) hatte hervorragend geklappt, etliche Büdchenbetreiber konnten gleich da bleiben, der Stand für belgische Pommes musste ca. fünfzehn Meter umziehen. Der Standort der Musikbühne wurde um 180 Grad versetzt. Wir zogen uns eine Country-Band rein, die u.a. den niederländischen ESC-Beitrag von 2015 vergewaltigte. Ein absolut irrer Anblick aber waren die bis zu 200 Leute, die vor der Bühne Linedance in Perfektion zelebrierten. Eine unglaubliche Präzision. Da fiel es immer unangenehm auf, wenn jemand mal aus der Reihe tanzte.

Am Freitag zuvor führte mich ein Termin nach Riedberg. Das hat mich dazu gebracht, auch mal wieder in die nahe gelegenen Stadtteile Nieder-Eschbach und Bonames zu gehen. Schließlich residierte ja zu Beginn dieses Jahrtausends mein Führungsoffizier, den ich einmal pro Woche aufsuchen musste (wobei ich einmal beim unbeabsichtigten Schwarzfahren erwischt wurde. Gottseidank ließ sich damals dieses Malheur noch durch schwunghaftes Rüberwachsen von Bargeld ohne diese lästige Personalienfeststellung heilen), am Ben-Gurion-Ring. Aber ach, statt des bekannten Bürokomplexes gähnte mich eine Baugrube an. Wie eine Recherche ergab, hat man das Teil 2013/14 platt gemacht, um weiteren sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen. Den allerdings gibt es dort reichlich, es tobt dort doch eine Menge grenzwertiges Volk herum, an dem Gauland, zu dem ich noch komme, seine helle Freude hätte. Die drei (optisch) grenzwertigsten Gestalten davon, drei libanesische Kleiderschränke kamen dann auch direkt auf mich zu. Aber anstatt das erwartete "Isch ficque Doin Moddoääh, Allldoääh" in irgendeiner Ausprägung entgegen gedonnert zu kriegen, fragte man mich höflichst, ob ich denn mein Auto verkaufen wolle. Bestpreis! Da ich genau dieses jedoch heute nicht dabei hatte, entfiel die Geschäftsgrundlage, sodass ich mich meinem Fotojob widmen konnte. Die drei traf ich später wieder am Bonameser Marktplatz, wo tatsächlich vor einem schwarzen Golf Geldscheine und Papiere ausgetauscht wurden. Scheint sich um ein lukratives Geschäftsmodell zu handeln! Jedenfalls habe ich vor lauter Aufregung ganz vergessen, die Baugrube zu dokumentieren. Diese Größenordnung der dortigen Wohnblöcke war mir total entfallen, erinnerte stark an Banlieus. Da ich früher auch oft im Quadrion (Quattrion?) zu tun hatte, ging ich da auch mal vorbei. Das stand immerhin noch, war aber zu 70% leer - und vom Rest der dortigen Firmen sagte mir kein Name was. Schnell noch ein paar Fotos vom Bügelsee und vom alten Bonameser Flugplatz gemacht, dann auf zum Fressgass-Fest. Unglaublich, dass man die Frankfurter mit ein paar Büdchen so happy machen kann!

In Offenbach fand wie gesagt neulich der evangelische Jugendkirchentag statt. Nachdem sich die Mädchen von der Jugendburg Hohensolms ja als sehr nett erwiesen hatten, wollten wir uns hier einmal unters Volk mischen, obwohl ich mit diesem Evangelentum ja nicht das allergeringste anfangen kann. Meine Einstellung hat sich um keinen Jota geändert. Es stellte sich heraus, dass nur einige Bereiche für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich waren. Das waren die mit einerseits missionierendem Charakter und andererseits areligiösem Kommerz. Für den Rest musste man sich legitimieren. Na gut, wollen die Evangelen da unter sich bleiben. Dass dafür aber Tageskarten à 15 Euro erforderlich waren, hätte ich eher von einer jüdischen Veranstaltung erwartet. Ne, derartigen Veranstaltungen bleibe ich nunmehr dauerhaft fern. Da lobe ich mir doch buddhistische oder katholische Events, wenn es denn unbedingt mal etwas Jenseits-bezogenes sein soll. Immerhin: eine Taschenbibel bekamen wir aufgedrängt. Und das Zusehen beim Fake-Sumo-Ringen hat eine Menge Laune gebracht. - Ein Musikprogramm gab es auch, z.B. auf einer Bühne vor dem KOMM. Als wir kamen, mühte sich gerade eine gemischte Schülerband unbekannten Namens ab. Eigentlich mehr als banal, aber die Keyboarderin holte aus Ihrem Roland Keyboard alles raus, was machbar ist - die sehe ich schon bei einer Progrock-Band, aber nicht als Ersatz für Phil Ryan.

Eigentlich ist dieser undeutsche Arsch (s.o.) viel zu unwichtig. Aber so lustig, dass man sich noch einmal mit Beutegermanen Gauland beschäftigen muss. Gauland: wir Deutschen sind bekanntlich eine Herrenrasse! Da geziemt es sich nicht, in Talkshows herumzuwinseln und (das ist nun wirklich grotesk!) sich von einer Frau (!!!) - und sei diese noch so adlig - über Fußball aufklären zu lassen. Und hat man tatsächlich einen Fehler gemacht (eigentlich macht ein Deutscher aber keinen Fehler), steht man wie ein Mann dazu. Mit diesem ätzenden Herumgewinsel beweist man nur eines, nämlich dass man der Bevölkerungsgruppe angehört, die man lt. Herrn Rose nicht beim Namen nennen darf. Also, zurück in Deinen kaschubischen Kral, Gauland! Der Sixt-Laster hilft Dir dabei.

Und weil es so schön ist, noch ein paar Takte zu Anwalt Bayh. Bei näherer Analyse seines letzten Pamphlets zeigte sich, dass dieser Heini noch nicht einmal zu korrekten Fristsetzungen in der Lage ist. Ja, Freundchen, so ist es, wenn einem das Wasser im Sack vor Freude an sinnlosen Fristen zusammen läuft. Ich habe ihn in netter Form darauf aufmerksam gemacht und - macht es mich nicht menschlich, wenn ich auch einmal Fehler, zu denen ich stehe, mache? - kurz darauf entschuldigt.

Aufforderung an Anwalt Bayh

Entschuldigung an Anwalt Bayh vom 14.6.2016