10/04/2016 - Kunst mit dem Grundgesetz

Grundgesetz-Kunst-Terror in Offenbach (*)

Die Gruppenliga Gießen/Marburg hatte ich zeit meines Hopper-Lebens noch nie komplett - da tummeln sich Vereine, die sind so remote, dass man die eigentlich gar nicht kennen will. Büblingshausen gehört nicht dazu, also bin ich nach Evaluierung eines passenden Begleitprogramms am Feiertag mal hingefahren. Gespielt wurde auf dem neuen KR-Platz ohne Werbebanden (ca. 2300), der riesige Rasenplatz mit Werbebanden (ca. 5000) wird nicht von den Senioren genutzt. Als Werbetreibender würde ich mir verarscht vorkommen. Aber heute ging es eh aufgrund des Anstoßes um 17:30 nur auf dem Kunstrasenplatz. Obwohl es eigentlich recht voll aussah, ergab eine Zählung nur knapp über 100 Zuschauer (und ein Dutzend Zaungäste), die Hälfte davon Fans des Gastes und Tabellennachbarn von Türk Gücü Breidenbach. Es gab zwar ein interessantes Programm und schöne Tickets, dennoch überwogen vorerst die negativen Eindrücke: erstens wurden wir armen Rentner wieder ausgeplündert (weil wir doch so reich sind, sagte man mir), zweitens glänze das Catering durch selten gesehene Lahmarschigkeit, außerdem musste man um jeden Senftropfen betteln. Die Wurst selbst war allerdings gut. Das Spiel endete 0:5 (Halbzeit 0:1). Klare Sache, möchte man meinen. Beide Teams waren aber spielerisch und von der Anzahl der Torchancen absolut gleichwertig, wenn auch der Gastgeber sich ca. in der 70. durch eine unnötige Gelb-Rote selbst schwächte. Aber die Büblingshausener hatten eine legendäre Abschlussschwäche, wahrscheinlich hat jeder Kicker intern den Spitznamen Chancentod. Etwa eine Viertelstunde vor Abpfiff suchte eine gut gekleidete ältere Blondine (ob das echt war?) das Weite, ließ sich aber nicht nehmen, noch ein lautstarkes "Scheiß Türken!" über den Zaun zu röhren. Die Angesprochenen nahmen das eher humorvoll. Normalerweise erwartet man sowas von AfD'lern, aber die hätten sich durch ihr Gegrunze verraten. Was also war der Beweggrund für diese Hassattacke? Werden wir es jemals erfahren? Ebenfalls nie erfahren werde ich wohl, ob es sich bei dem jungen Typen, der fotografierend ums Karré zog, auch um einen Hopper handelte. Die auf der Hinfahrt gesehenen Staus hatten sich inzwischen aufgelöst, sodass man durch den einsetzenden Nieselregen glatt heim kam. Passend zum Einheiztag heizte das Feld- und Grubenbahnmuseum Grube Fortuna eine Dampflok an. Das war für mich der Anstoß, da vor dem Kick endlich mal hinzufahren. Die Grubenein- sowie die Dampflokmitfahrt habe ich mir diesmal geschenkt (werde ich aber mal nachholen), um mich ausgiebig mit dem ausgestellten und fahrenden Material sowie mit dem Gelände zu beschäftigen. Schöne Einrichtung - wie die Silbermine in Namtu, nur etwas kleiner. War auch sehr gut besucht. Es waren auch etliche elektrische Untertageloks ausgestellt. Eine davon betriebsfähig. Wenn man dem Museum also eine Oberleitung stiftet, könnte die sofort eingestz werden. Super waren in dem Museum die Info-Tafeln, auch das Buch dazu kann ich empfehlen. Vorher noch ein Abstecher zum Kloster Altenberg um die Ecke. Auf Fotos sieht das eher unscheinbar aus, ist aber doch ein ansehnliches Bauwerk. Da ein Erntedankmarkt stattfand, wurde auch gnadenlos abkassiert. War verdammt voll auf dem Markt, für die Kirche interessierten sich nicht so viele. Wollte auch ein bisschen Groundspotting betreiben, ging aber nur von außen, denn in dieser Gegend sind die Plätze abgesperrt wie Fort Knox. Das gilt sowohl für das Bergstadion in Burgsolms (wo ich vor 16 Jahren mal auf dem inzwischen auf KR upgegradeten Nebenplatz landete und mangels Alternative auch blieb) und den Heuerberg in Oberbiel.

Kunst mit dem Grundgesetz? Ja, das geht. Vor genau vierzig Jahren versuchte das schon einmal ein Künstler (Paulet) - und wurde von einem Richter genötigt, das Werk abzuhängen. Welch ein Widersinn, wo doch die Freiheit der Kunst im Grundgesetz festgeschrieben ist. Wieder ein Beweis, dass unseren Richtern noch nicht einmal das Grundgesetz bekannt ist. Würde mich nicht wundern, wenn unser hiesiges Justizzentrum auch eine Abordnung grunzender und geifernder Justizärsche vorbei schickt. Jedenfalls veranstaltet unser Kunstverein im KOMM derzeit eine Ausstellung zu diesem Thema (durch den derzeit sicher bei 40% liegenden Leerstand (Geldvernichtung durch amerikanischen Investor) kann man dem Kunstverein eine großzügig dimensionierte Ausstellungsfläche gönnen). Sicherlich alles hehre und schöne Werke - aber eigentlich nur l'art pour l'art oder so eine Art Kochbuchbebilderung (Ausnahme: Künstler Stier bewegt sich zumindest ein bisschen in besagte Richtung). Es müsste doch möglich sein, in so einem Zusammenhang zumindest anzudeuten, wer das Grundgesetz doch im Sekundentakt bricht. Z.B. eine Plastik, in der Drohne Thomas und der Justzmini gemeinsam ein Druckexemplar zerreißen. Oder eine Kollage, in der ein Haufen Richter auf das Grundgesetz kacken. Denn Richter und Politiker hassen nichts so sehr wie dieses, weil da so unschöne Sachen drin stehen wie z.B., dass das Konstrukt der menschenwürde für alle gilt und nicht nur für Kriminelle bzw. Juristen. Das ist noch Ansichtssache.

Richtig gewollt und gekonnt ist jedoch seit kurzem hier der Umgang mit Flüchtlingen. Ohne Wissen der Stadt Offenbach, die ihrerseits eine andere Liegenschaft genau zu diesem Zwecke angeboten hatte, hat das Bundesamt für Migranten und Flüchtlinge eine personelle starke (154 Leute) Dependance im Nichts vom Kaiserlei eingerichtet. Hierbei hat man vom Lageso in Berlin abgekupfert. Die Antragsteller, die übrigens auch von weit weg kommen, müssen ohne Verpflegungsangebot (und sei es auch nur solches zu Speisewagen-Preisen) tagelang warten und werden bestenfalls von Sachunbearbeiter zu Sachunbearbeiter geschickt. Eine erfolgreiche Methode, um in Asylanten einen Deutschlandhass zu erzeugen, der sie zur Rückreise ermuntert. Oder in die offenen IS-Arme. Dazu passt auch, dass der Innenmini mal wieder verlautet hat, falsche (zu hohe) Zahlen über die Angekommenen veröffentlicht zu haben. Ausgerechnet der Innenmini, die Drohne Thomas, der der Anlass ist, dass hier soviele Flüchtlinge aufschlagen. Sieht und hört man den im TV, denken alle Ausländer: wenn so eine Gestalt hier nicht in der Gummizelle schmachtet, dann kann es hier jeder schaffen, und kommen scharenweise hierher - und werden wieder gegangen, obwohl das Recht auf Asyl ja ein Grundrecht ist (s.o.) - geschenkt. Aber irgendwie scheint man auf diese Art und Weise nicht alle Einwanderer zu erwischen, es lassen sich wohl welche nicht abschrecken und lassen sich hier häuslich nieder.

Denn den angeblich fiktiven ministrierenden und kickenden Senegalesen mit den kriminellen Geschwistern gibt es wirklich! Habe ihn in einem hiesigen Parkhaus getroffen. Da stellte sich jemand mit seinem Scheiß-Benz (habe mir blöderweise die Nummer nicht gemerkt) so behämmert hin, dass es kaum ein Vor und Zurück mehr gab. Der Hall in so einem Parkhaus muss gigantisch sein, jedenfalls hörte er wohl mein neutrales Gefluche. Weil dieser Affenarsch (das wird man ja wohl noch sagen dürfen) keine Anstalten machte, seine perverse Stellung zu korrigieren, mussten der Wagen vor mir und ich uns über die (hohen) Bordsteine in die Kurve zur nächsten Ebene zwängen. Als ich dann vorbei fuhr, sah ich einen Afrogermanen (würde man ein N-Wort nutzen, würde die Gutmenschenmafia wieder toben), der mich erst in Buschmännerart angestikulierte, ich möge meine Scheibe runterkurbeln. Seine anschließende Wortwahl ging zwar eher in die "Isch ficque Doin Moddööääh, Allldööääh"-Richtung, könnte aber durchaus auch in gewissen Ministrantenkreisen gängig sein (kommt auf den Pfarrer an). Bei den Handgeldern, die in einigen Vereinen fließen, kann sich auch ein Amateur-Kicker ein Auto leisten. Die kriminellen Geschwistern sorgen für den Upgrade zur Benz-Liga. Senegalese? Keine Ahnung, aber möglich. Aber da er mir nicht vorkam wie ein Ministrant, Kicker, bekannter Rapper oder Chauffeur, stellt sich doch die Frage: wie kann sich ein Afrogermane so einen Wagen leisten (eine ähnliche Frage stellen sich amerikanische Polizisten ja auch mehrmals täglich)? Profit durch Handel mit deutschen Mädchen? Und die Fahrkünste? Werden hier inzwischen Lappen aus dem Busch anerkannt? Und was noch erschwerend dazu kommt: sollen Afroeuropäer bzw. Asylanten nicht aufstehen, wenn sie Deutschen ein Gespräch aufzwingen?! In diesem Zusammenhang sehe ich - und das ist gut fünfzig Jahre her! - einen alten Mitauszubildenden (Immer noch auf Mallorca, Herr Bernd?!) vor mir, der da sagte: "ich hasse Vorurteile und Neger im Parkhaus." Und sagte nicht auch - wenngleich das kein Maßstab ist - Gauland: "Die Leute mögen ihn als Zuhälter. Aber sie wollen ihm nicht im Parkhaus begegnen - schon gar nicht in einem teuren Benz"? Genau so wenig, wie ich vom Höckeschen Halbaffenhaufen anschiebgeunert werden möchte, will ich hier in Deutschland angeniggert werden. Genau wie ich grundsätzlich Respekt zeige, möchte ich Respekt sehen. Herr Scheuer, übernehmen Sie!

Dazu passen auch meine Beobachtungen vom Samstag. Wir hatten ein Rugbyturnier in Heusenstamm mit Mannschaften aus zahlreichen Ländern, auch unsere tschechischen Freunde waren wieder dort. Es ging überaus gesittet zu - lediglich der Kaffeepreis und -qualität verstießen gegen die guten Sitten. Und die beiden einzigen, die keinen Respekt zeigten, waren der afroeuropäische Trainer eines erfolgreichen Frankfurter Vereins, der seinen mangelnden Respekt so zeigte, dass er seelenruhig bei laufendem Spiel anderer Mannschaften über das Spielfeld stratzte, und ein Kevin-Prince-Boateng-Verschnitt derselben Mannschaft, der die Trinkflaschen anderer Spieler als Ballersatz missbrauchte und erst nach mehreren Ermahnungen damit aufhörte. Das Turnier selbst war wieder gut besucht und bescherte uns u.a. einen Sieg in letzter Sekunde gegen den haushohen Favoriten aus Heidelberg, sodass wir es bei sieben Teams mit dem fünften Platz abschließen konnten. Neben dem Sportzentrum Martinsee liegt der namensstiftende See, den ich mir mal anschauen wollte. Pustekuchen: auch der abgesperrt wie Fort Knox. Und an der Stelle, an der Wildschweine (oder AfD-Sympathisanten) den Zaun nidergetrampelt haben, lassen sich keine vernünftigen Fotos machen.

Aber ich fahre jetzt einfach mal mit meinen Reiseeindrücken fort. Dann war ich also zur Mittagszeit am 10.8. wieder in Bangkok. Hatte mich vorab informiert, ob die Eröffnung der Purple Line reibungslos über die Bühne gegangen war. Da das der Fall war und am Abend ein Pokalspiel bei Muang Thong United stattfinden sollte, hatte ich ein Hotel nahe Lak Si gebucht. 850 bht für das Nice Bird über booking.com. Auf Googlemaps sah es recht nah aus, tatsächlich brauchte man noch eine Viertelstunde von der Ngamwongwan. Optisch eine Zumutung erwiesen sich die Leute dort als sehr nett (dazu später mehr) und die Zimmer als sehr ruhig. Lediglich die Wifi-Qualität war abnorm schlecht. Also weiter zur Mall Ngamwongwan, wo sich Erinnerungen auftaten, denn hier hatten wir seinerzeit das meiste Hochzeitszubehör gekauft. Eine nette, aber nicht überragende Mall. Gegenüber befindet sich das Grand Plaza - nach meinem Kenntnisstand das erste Shopping Center Thailands nach westlichem Vorbild, also recht betagt. 2012 kam ich zufällig mit einem der Manager ins Gespräch, der meinte, dass 2013 Schicht sei, aber das Ding gibt es - typisch Thailand - immer noch. Weiter zum Pantip Plaza, das mittlerweile verschönert wurde. Und dann sah man sie auch: die neue Purple Line. Heute wollte ich nur zwei Stationen fahren, bis zum Central Rattanathibet. Die Bahn war recht leer. Am Central war wohl irgendein Fest, gab es jede Menge Tanzdarbietungen, aber nix für lau zum Verzehr. Irgendwann wurde es dann Zeit, in Richtung SCG Stadium zu fahren, wo Muang Thong United im Ligapokal-Viertelfinale den Zweitligisten Krabi erwartete. Endlich gab es mal wieder eine Stadionzeitung, die sogar eine englischsprachige Rubrik für den Farang zu bieten hatte (heute habe ich aber nur einen gesehen). Ca. 6500 Zuschauer sahen, wie der krasse Außenseiter in der ersten Minute in Führung ging. Es folgte ein Spiel, in dem kein Klassenunterschied auszumachen war. Die ca. 120 Fans aus Krabi schienen sich schon Gedanken über den kommenden Gegner im Halbfinale zu machen, als dem Gastgeber kurz vor Schluss ein Glückstor zum Ausgleich gelang. Somit gab es Verlängerung. Hier hatte Muang Thong mehr Glück als Verstand und erzielte das vollkommen unverdiente 2:1. Im späteren Halbfinale Muang Thong vs Port FC gab es ja dann die so ziemlich wüstesten Zuschauerkrawalle, die der Thai-Fußball je gesehen hatte und die dazu führten, dass im SCG-Stadium b.a.w. kein TPL-Spielbetrieb mehr stattfinden wird. Tja, und während des Spiels quittierte der Handy-Akku endgültig seinen Dienst. Da die Kamera-Akkus auch Schwächephasen zeigten, vermute ich, dass das mit der ominösen Stromversorgung in Yangon zu tun hatte. So führte mich mein erster Weg am Folgetag wieder ins Pantip Plaza, wo man mir mit einem neuen Akku weiter helfen konnte. Und auf ging es zu Purple Line bis zur Endstation Khlong Bang Phai. Die Bahn wieder ziemlich leer, aber eine nervige amerikanische Großfamilie (6 brave Töchter wie Orgelpfeifen) mit Sektenbezug sorgte für Stimmung. Die Stationen der neuen Linie sind alle oberirdisch und kommen mir noch größer vor als die vom Skytrain oder der Flughafenlinie. Die im Bau befindlichen der Dark Red Line wirken ebenso riesig. Am gewaltigsten fand ich bislang das im Bau befindliche SRT-Terminal in Bang Sue. Doch das ist nichts gegen den Abstellbahnhof bei Khlong Bang Phai. Rein gefühlsmäßig hat hier der komplette U-Bahn-Bestand beider Koreas und Deutschlands Platz. Die maximal 63 Wagen der Purple Line wirken da etwas verloren. Wenn man das mit den teilweise fertig gestellten (und teilweise zusammen gebrochenen) winzigen Stationen aus dem BERTS-Projekt vergleicht, tun sich Welten auf. Es ist eine Gegend, wo ich bislang nicht war und unter der ich mir absolut nichts vorstellen konnte. Sehr dicht bebaut, also eine Menge Substanz für gut gefüllte Metros. Etliche Shopping-Center gibt es da ebenfalls, ich beschränke mich auf zwei. Fast ein Novum war das Big Kings SC. Bei seiner Eröffnung war es angeblich das größte Shopping Center Südostasiens (solche Aussagen sind immer mit Vorsicht zu genießen) und schlidderte grandios in die Pleite. Nachdem man die (illegalen?) birmanischen Handy-Höker, die zuletzt dort noch Umsatz generierten, rausgeworfen hat, steht es leer und vergammelt - ringsum jedoch hat sich ein blühender mobiler Markt entwickelt. Das ist unglaublich in einem Land, wo selbst total veraltete wie das vorhin erwähnte Grand Plaza brechend voll sind. Was mag da schief gelaufen sein? Gegenüber befindet sich das brandneue Central West Gate - was für ein riesiger Bau! Ich habe mich da über zwei Stunden aufgehalten, was nicht zuletzt auch an dem dortigen Cinnabon liegt. Auf dem Rückweg wollte ich dann das neue Provincial Stadium in Nonthaburi aufsuchen, das ich vor zwei Jahren nur im Rohbau sah. Etwas 3,5 km Fußweg sind es von der Bang Rak Yai Station, auf denen gerade mal ein 7/11 liegt. Eine Wissenschaft für sich war das Reinkommen ins Stadion. Nachdem ich meine Fotos zum größten Teil fertig hatte, entdeckte mich die dort herum streunende Soldateska und geleitete mich heraus. Als ich dann noch Fotos von außen machen wollte, fanden die das dann gar nicht mehr lustig. Das alte Provincial Stadium ist nicht mehr in Betrieb. Irgendwie bin ich irgendwo falsch abgebogen auf dem Rückweg und fand mich nach 5 km Orientierungslosigkeit, in der ich auch einen stinkenden Khlong über einen wackligen Steg überqueren musste, unversehens an der Bang Rak Noi Station wieder. Auf der Strecke über den Chao Phraya konnte man die neue Maha Chesadabodindranusorn Bridge sehen, sieht schon klasse aus. Ich jedoch stieg (sah so aus als einziger seit Betriebsaufnahme) an der Phra Nangkhlao Bridge wieder aus und bewegte mich in Richtung Central Chang Wattana. Auch hier gab es etliche Hochhäuser, beeindruckender war jedoch das Bild, das die riesige staatliche Lotteriebehörde neben der unscheinbaren Antikorruptionsbehörde abgab (um dieses Bild wieder gerade zu rücken: wenn man das auf Googlemaps betrachtet, ist die Antikorruptionsbehörde wohl doch größer, weil sie sich weit nach hinten zu erstrecken scheint). Auf der Tiwanon Street sollen angeblich zehn Buslinien fahren, doch man sah nichts außer vollen Haltestellen. Das ist eine trostlose Straße, die ich bereits einmal zum Rama IX-Stadion nehmen musste. Trotzdem erreichte ich vor Einbruch der Dunkelheit besagtes Central, auch ein riesiger, sehr abwechslungsreicher Komplex. Der Foodstore bot erstklassiges Sushi an - und so war ich ausreichend gestärkt für den "Train to Busan". Ich hatte schon viel über den Streifen gehört, aber meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Ein Film wie ein Vorschlaghammer in die Magengrube. Ich hätte nicht gedacht, was man aus dem ausgelutschten und durch Scheiß-Serien gedemütigten Zombie-Genre noch alles rausholen kann. Höchstwahrscheinlich der Film des Jahres - und wenn man den Anfang 2017 tatsächlich auch auf Deutsch genießen kann, wäre das die Krönung, so musste ich mit der Thai-Synchronisation vorlieb nehmen. Am Folgetag verabschiedete ich mich aus dem Nice Bird und fuhr die Purple Line bis zum anderen Ende. Zwischenstopp in Bang Son, wo ich wieder mit Paranoia konfrontiert wurde. Nicht nur ich fotografierte auf den neuen Stationen, auch sehr viele Einheimische. War also was vollkommen Normales. Hier jedoch wurde ich von der Security massiv daran gehindert. Nun ist Bang Son eine Umsteigehaltestelle zur SRT Red Line (ich berichtete). Auf deren Teil des Bahnhofes war meine Tätigkeiten sowohl der Security als auch der anwesenden Soldateska vollkommen egal. Wenn ich schon mal hier war, wollte ich auch den Prachaniwet Sports Complex aufsuchen. Nette Anlage mit kleiner Tribüne, die sich durchaus auch für die Regionalliga eignen würde. Auch das Bon Marché in der Nähe ist sehr nett und hält in einem Cinnabon-Lookalike Köstlichkeiten parat. Ich schlug mich dann zum Chula Park durch, der mittlerweile als I'm Park firmiert, aber nichts Neues bietet. Der vor zwei Jahren rundherum abgebrochene Komplex alter Wohnhäuser liegt immer noch brach - da hätte man die Leute seinerzeit nicht mir nix Dir nix aus den Wohnungen rausschmeißen müssen. Natürlich wollte ich mir wieder eine der Köstlichkeiten im Carls jr gönnen, musste mir aber anhören, dass es kein Rindfleisch gibt. Und irgendwelche Chicken-Produkte muss ich nicht haben. Letztendlich landete ich am Hua Lamphong Bahnhof, wo ich den letzten Schlafwagen-Platz Richtung Norden ergatterte. Und da die Cafés um den Bahnhof alle knüppeldickevoll waren, musste ich mich erniedrigen, und bestellte für freie Wifi-Nutzung sogar eine Cola im KFC. Von dem Polizei-Einsatz wegen einiger Bierflaschen berichtete ich bereits. Und tatsächlich konnte ich sogar schlafen. Und wachte rechtzeitig auf, denn es kam niemand, um mich bei Erreichen von Sila At zu wecken (was früher üblich war). Ich mache später weiter.

Ebenfalls ein Asien-Fan scheint Herr Thewes - seines Zeichens DB Schenker-CEO - zu sein, auch wenn das Interesse vielleicht eher beruflicher Natur ist. DB Schenker ist wie der Mutterkonzern DB (und sagen wir Google) ein Paradebeispiel dafür, wie irgendwelche Vorstands-Huren zu behämmert sind, auch nur ihre angeblichen Kernkompetenzen sauber abzubilden, aber ihre (in diesem Fall) Cameron-Nasen in Geschäftsfelder stecken, von denen sie noch weniger Ahnung haben. Wenn man sich seine Ausdrucksweise in der Öffentlichkeit sowie den Vorfall in Singapur, wo er sich im Vollrausch (eigene Worte) an einem Taxifahrer verging, vergegenwärtigt, scheint es sich um eine total widerwärtige, minderwertige Type zu handeln, die man sich bestenfalls als Koberer eines viertklassigen Stripschuppens vorstellen kann. In Deutschland wird sowas Vorstand. Ebenfalls in Deutschland wäre ein gleichartiger Vorfall wie in Singapur mit aller Gewalt unter den Teppich gekehrt worden (der Vergleich zum besoffenen Schrempp auf der Spanischen Treppe in Rom bietet sich an). Das sieht man in Singapur anders, wie man an der Verhängung einer Haftstrafe bemerkt. Das zeigt doch die moralische Unterlegenheit, mit der Deutschland inzwischen im internationalen Vergleich reüssiert. Herr Thewes hat sich selbstredend entschuldigt und gezeigt, dass er wenigstens Cojones hat. Ohne jede Ironie: alle Achtung, dass Sie die Haftstrafe angetreten haben! Aber geschah das wirklich ohne Hintergedanken? Wer im Vollrausch noch in der Lage ist, derartig koordiniert vorzugehen, ist daran gewöhnt. Das war kein Einzelfall - die Fälle in Europa sind unterm Teppich gelandet (s.o.). Und es wird wieder vorkommen. Haben Sie vor, eine Entwöhnung zu starten - und nutzen die Singapur-Haft zur Entgiftung? Alle Achtung, schon wieder. Aber werfen wir doch einmal einen Blick auf die Auftraggeber von Thewes. Bei DB Schenker sitzen die im Aufsichtsrat. Als da wären der Arschfaller, dessen Asozialentum hier schon öfter Thema war. Und ein Christoph Dreier. Wer ist das, und was macht der? Keine Ahnung. Aber die Tatsache, dass er in leitender Position im Finanzmysterium vor sich hin dilettiert, zeigt doch wohl, dass er vom Wesen seines obersten Dienstherren, der Fachleute hasst und nur perverse Idioten (Quellen umschreiben das euphemistisch als "seinesgleichen") in seinem Umfeld duldet, durchseucht sein muss und seinerseits nur "seinesgleichen" einstellt. Armes Deutschland.

Letzte Woche hatte Lidl durchaus sinnvolles Autozubehör im Angebot - und warb groß für Jacobs Kaffee für 3,88 €. Das Auto-Zeugs war durchaus da, aber der Laden war durchseucht von Unmengen an Paletten mit Jacobs Mild. Wer so eine kastrierte Scheiße säuft, geht auch auf den Autostrich. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute sich vergriffen und sich ärgerten. Zwei Tage später sah es nicht anders aus. Und das war auch gut so. Denn in dieser Woche gibt es den Kaffee bei Penny noch preiswerter.

Die AfD ist manchmal doch klüger als ich dachte. Nachdem die Parteifinanzierung durch Goldbarren gestoppt wurde, mussten andere Quellen her. Also hat man von seinesgleichen, vom fahrenden Volk aus Südosteuropa (liebe Gutmenschen: so stand es im KStA), gelernt. Erstere haben vor Jahren auf der Hohenzollernbrücke die Liebesschlösser mit dem Bolzenschneider entfernt und eingeschmolzen. Dasselbe ist kürzlich mit den Schlössern am Eisernen Steg (ich berichtete) passiert. Ich bin überzeugt, dass die AfD dann, wenn sie das Gusseisen in den Wirtschaftskreislauf pumpt, auch keine Umsatzsteuer entrichten wird. Wie komme ich eigentlich darauf, dass es sich um die AfD handelt? Nun, unsere Polizei sagte, dass sie das nicht verfolgen wird. Und spätestens seit den Vorfällen von Dresden am 3.10.16 ist bekannt, wie nahe sich auch westdeutsche Polizisten und gewisse unappetitliche Kreise stehen.

(*) Offenbacher Künstlerin S. Tribes