01/21/2017 - Mainzer Eiswelt

Albstadt is burning

Gottchen, waren die Mainzelmännchen wieder lustig

Leichter Schneefall am späten Nachmittag des vorletzten Samstags erleichterte mir die Entscheidung, zu den Winterlichtern im Palmengarten zu traben. Ich sollte diese Entscheidung nicht bereuen - die Fotos sind online. Die vielen Installationen wirkten bei diesem Umfeld noch besser. Ebenfalls mit Licht hatte mein Mainz-Besuch am vergangenen Samstag zu tun. Dieser Garten macht sowieso einen netten Eindruck und erwartet förmlich, dass ich ihn im Sommer, wenn auch die Eisenbahn fährt, noch einmal aufsuche.Nachdem mir Sportsfreund Oliver einige Fotos zugemailt hatte, wollte ich auch die dortige Eiswelt am vorletzten Öffnungstag besuchen. Obwohl eine lange Schlange vor den Kassen stand, ging es zügig voran. Auch innen war es brechend voll. Insofern kann ich das Gejammere der Veranstalter wegen mangelnden Besucherzuspruchs (ca. 100.000) nicht nachvollziehen. Andererseits scheint es sich um einen seriösen Veranstalter zu handeln, der Rentner-Tickets ausgab. Da könnt Ihr kommunalen Museumsbetreiber und anderen asoziale Ärsche Euch mal eine Scheibe abschneiden! Bekanntlich sieht schieres Eis nach Nichts aus. Dank einer ausgeklügelten Illuminierung glänzten die Skulpturen aber in den schillerndsten Farben. Eine durchaus gelungene Schau, aus der mich die Kälte aber nach 35 Minuten vertrieb. Auch diese Fotos sind online, wobei mir nicht klar war, in welche Rubrik ich sie einordnen sollte. Aufgrund des Hauptthemas "Weihnachtsgeschichte" findet man sie in Xmas Special. Aber auch die Mainzelmännchen wurden dargestellt. Wie ich gestern las, hat man inzwischen die modellierten Eisblöcke in einem Steinbruch entsorgt. Schade, hätte mir gerne was daheim hingestellt. Vor dem Verlassen der Veranstaltung wurde man noch durch eine riesige Halle mit verbilligten Büchern geschleust - den Bücherzirkus. Mir unbegreiflich: die Leute kauften das Zeugs zentnerweise. Andernteils ist das Lesen selbst abartigster Bücher immer noch sinnvoller als Computer-Daddelei. Da Mainz eine urkatholische Stadt ist, erwartete ich eine Menge an Krippen. Tatsächlich habe ich in der City derer nur vier vorgefunden, von denen die im Dom wirklich begeistern konnte. Geparkt hatte ich am Volkspark, weil ich mir die sinnlose Sucherei nach gratis-Plätzen in der City ersparen wollte. Auch dieser Park macht einen netten Eindruck und erwartet ebenfalls förmlich, dass ich ihn im Sommer, wenn auch die Eisenbahn fährt, noch einmal aufsuche. Im noch katholischeren Würzburg hingegen wütet der Antichrist, wie ich bei einem spontanen Ausflug vorgestern feststellen konnte. Der Satan persönlich muss den dortigen Bischof eingesetzt haben, dem selbst der Sinn von Mariä Lichtmess unbekannt ist. Denn tatsächlich waren die Krippen in den Hauptkirchen bereits abmontiert, wovon im Neumünster noch kümmerliche Reste zeugten. Kein Wunder, dass sich die Gläubigen von der Kirche abwenden. Immerhin wurde ich in diversen peripheren Kirchen sowie im Stift Haug noch fündig. Beim Ablichten örtlicher Krippen kam ich einmal mehr mit den Obertshäuser Eigenarten in Kontakt. Mit einer Mischung aus blanker Panik und nacktem Hass herrschte mich der Pfaffe in der Thomas Morus-Kirche (obwohl Wallfahrtskirche immer versiegelt wie Fort Knox) an, was ich denn da fotografieren würde. Immerhin konnte ich ihn mittels des Artikels in der Offenbach Post beruhigen. Aber solche Anmache ist im direkten Umkreis einer Weltstadt schon beachtenswert.

Narreteien aller Orten, aber besonders Offenbach versucht dabei stets, einen Spitzenplatz einzunehmen. Ich meine jetzt nicht, dass man dem Bau einer vollkommen unnötigen Riesenhalle am Kaiserlei endlich zugestimmt hat, sondern der Zuteilung von Sportstätten an Vereine. Seit Jahren schon macht sich Offenbach durch die herbstliche Dauerschließung der Rasenplätze lächerlich. Und nun versucht man derartige Idiotien auch mit den Sporthallen. Jahrelang hatte man als Vereins-Sportstättennutzer von einem vorbildlichen Konzept profitiert, was zwar im Vorfeld zu einigen Spannungen in der Planung führte (meist gab es mehr Interessenten als Zeiten), aber dann funktionierte, weil es klare Strukturen und Verantwortlichkeiten bei den städtischen Ansprechpartnern gab. Nun hat man auch nach Schulschluss dem Schulsport eindeutige Priorität eingeräumt, was zu teilweise absurden Situationen führte, dass drei Lehrer abends vor sich hinkicken, während Jugendmannschaften kein Training haben. Außerdem hat man (die öffentliche Bekanntmachung erfolgte knapp zwei Wochen nach Wirkungsdatum!) den Hausmeistern untersagt, den Vereinen ohne Schlüsselkarte abends die Hallentür zu öffnen. Das müssen jetzt spezielle Auswärtige machen. Warum? Von den knapp 5 Dutzend Schulhausmeistern kriegten die sechs der besonders frequentierten Hallen ein paar Euro mehr. Darüber hat sich einer beschwert. Nun haben alle identische Arbeitszeiten und Gehälter - aber die ca. fünfzig müssen nun ca. sechs Stunden mehr arbeiten. Zustände wie in den USA. Man kann sich noch nicht einmal bei der nächsten OB-Wahl rächen. Denn die Zustände äußern sich auch darin, dass wir nur die Wahl haben werden zwischen Pest und Cholera. Da unser beliebter Herr Schneider nicht mehr kandidiert, hat man die "Wahl" zwischen einem auswärtigen Krampp-Karrenbauer-Typen und einem nichtsnutzigen Schnösel. Diese Typen geben der Politikverdrossenheit Gesichter.

Randy Newman hatte Recht. 1977 veröffentlichte er "Short people". Musikalisch eher belanglos (das ist meine private Meinung) ging der Text in die Vollen, indem er unbequeme Wahrheiten aussprach. Randy selbst erschien das Eisen später zu heiß und erging sich folglich in abstrusen Erklärungen wie "Sichtweise eines Verrückten" oder "aus dem Blickwinkel des unzuverlässigen Erzählers". Dass der gute Randy sich selbst als Satiriker (ich würde eher sagen Sardoniker oder Misanthrop) sieht, ist bekannt; insofern wurden von Dritten zig mehr oder minder intelligente Interpretationen geäußert. Falsch, falsch, falsch. Alles falsch. Es ging ihm einzig und allein darum, vor Kerlen mit Microphallie zu warnen, denen er jegliche Existenzberechtigung absprach. Aus Angst vor dem Chaos, das diese Kerlchen mit anrichten können, wenn sie in sozial verantwortungsvolle Positionen gelangen. Dann entleert sich das ganze Gift, was sich im Laufe der Jahre/Jahrzehnte bei diesen armen Schweinen angesammelt haben muss. Ein ganz extremes Beispiel ist Trump, in dessen Hose scheint ein Ding zu stecken, dessen Länge man wohl in Pikometern bestimmen muss - zumindest dann, wenn man Nachkommastellen hasst. Wie anders ist es zu erklären, dass er sich neulich über den Schwarzenegger lustig machte, dass er in einer Sendung mit hiesigem RTL-Niveau weniger Zuschauer erreichte als er. Und sich dann über noch in vollkommen überflüssiger Weise über Glenn Close ausließ. Auch die Amtseinführung war beachtlich. Weltweit herrschte nur ein Gedanke: was für eine arme, arme Sau! Und die Angst, dass diese arme Sau jetzt am Roten Knopf hockt. Über seinen Vorfahren hatte ich ja schon berichtet. Kein richtiger Krimineller, aber jemand, der zeigte, dass ihm Gesetze am Arsch vorbei gehen. Diese DNA wurde anscheinend vererbt. Bin mal gespannt auf sein erstes Treffen mit Guzman. Der hatte den ganzen Zirkus ja auch nur veranstaltet, weil es mit seiner Länge nicht einverstanden war. Ich sehe schon den Tweet: "Kleiner Donald 0,04 Pikometer länger! Mexico sucks!" Es gibt zwar wenig Unwichtigeres als so ein abgefuckter Failed State, aber lasst uns das mal im Auge behalten. Übrigens hat die Süddeutsche kürzlich indirekt mal was Nettes über ihn geschrieben: wer häufig flucht, soll eine ehrliche Haut sein.