06/16/2017 - Disneyland in Potsdam

Passend zur Schilderung unten

Das Pfingstwochenende stand im Zeichen eines internationalen Rugby-Turniers in Potsdam. Über alles hatte ich der Veranstalter Gedanken gemacht, nur nicht über das Wetter und Parkplätze - dazu später mehr. Während die Mannschaft bereits am Freitag anreiste, konnte ich aufgrund eines ungünstigen Dienstplans erst am sehr frühen Samstag Morgen losfahren. Abgesehen von den Unmengen an Baustellen auf der A9 lief alles glatt. Erste Station war Beelitz-Reesdorf, wo die schön anzusehende Dorfkirche natürlich zu war und ich von den wenigen Eingeborenen sprachlos mit großen Zoni-Augen angestarrt wurde. In Beelitz selbst war die Hölle los: Spargelfest. In früheren Zeiten haben sich bei solchen Gelegenheiten alle beteiligt, nur der örtliche Schlecker und die evangelische Kirche hatten sich stets ausgeklinkt. Schlecker ist bekanntlich schon länger pleite - ob das ein schlechtes Omen ist? Jedenfalls hatten auch hier die gottlosen Pfaffen ihr Gotteshaus abgesperrt wie Fort Knox. Dasselbe galt für das Stadion des Friedens, was man jedoch wenigstens über den Zaun fotografieren konnte. Und Offebächer sind wirklich überall: obwohl ich den Wagen in einer finsteren Kopfstein-Nebenstraße geparkt hatte, grüßten mich zwei trotz des Regens aktiv fernradelnde Landsmänner mit Ei Gude. Anschließend ereignete etwas, was mir in vierzig Jahren nicht passiert war: ein Brillenglas fiel aus der Fassung. Schneller Griff ins Handschuhfach, aber die Ersatzbrille war weg! So musste ich das Teil provisorisch zusammenkleben, bis mir Apollo-Optik im Potsdamer Hauptbahnhof das Teil wieder fachfrauisch zusammen schraubte, danke! Da noch etwas Zeit war bis zum Turnier, kletterte ich zum ersten Mal auf den Turm der Nikolaikirche: schöne Aussicht, die sich in zehn Jahren wohl vollkommen anders präsentieren wird, da die dortigen Entscheidungsgremien die Architektur des real existierenden Sozialismus durch Disneyland-Scheiße ersetzen wollen (z.B. "Wiederaufbau" der Garnisonkirche). Mir ist es nicht klar, warum man Symbole der einen Diktatur durch solche einer anderen ersetzen will, anstatt wenigstens etwas Eigenes zu konstruieren resp. sich seiner unmittelbaren Vergangenheit zu stellen. Ab zum Turnier am Sportplatz am Neuen Palais, wo ich mit einer chaotischen Parkplatzsituation konfrontiert wurde (ja, auch meine Clubverantwortlichen wollten sich im Vorfeld nicht darum kümmern). Um den Touristenneppplatz nicht zu blockieren, musste ich nicht ganz regelkonform parken. Mir ist es vollkommen unbegreiflich, wie man ein derartig großes Turnier direkt neben einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeit der Welt ausrichtet, ohne sich um Parkmöglichkeiten für die Anreisenden zu kümmern. War mir am 3.6. das Glück noch hold, dass ich seltsamerweise einen der wenigen kostenfreien Parkplätze erwischte, musste ich tags darauf wie Hunderte Anderer auf dem Seitenstreifen parken. Und natürlich hetzte das brandenburgische Bürokratiemonster die geballte Ordnungsamtsmacht auf uns arg- und harmlose Rugger: es wurden Knöllchen verteilt! Da jubelt das Jurigeunertum doch lauthals. Interessanterweise fand ich, als ich wegfahren wollte, im Gegensatz zu meinen Vereinskameraden keines vor. Da man bei den sattsam bekannten Vollidioten, die man noch nicht mal in Hartz IV-Behörden unterbringen kann und via Ordnungsamt auf die zivilisierte Menschheit loslässt, nie weiß, ob die zu behämmert waren, das Ding korrekt zu befestigen, habe ich mal in Potsdam nachgehakt (s.u.). Und die haben prompt reagiert: ich möge bitte Kennzeichen und Tattag mitteilen. Kennzeichen natürlich null problemo, habe ich denen sofort gemeldet. Wobei ch der festen Überzeugung bin, dass die das anhand meiner Daten in Sekundenschnelle bereits selbst ermittelt haben. Aber was in Dreiteufelsnamen ist ein Tattag? Eine gute Seele in meiner Bekanntschaft vermutete, dass das ein alter DDR-Begriff sei, der lautmalerisch für das Geräusch von Zweitaktmotoren steht. Also habe ich denen noch mitgeteilt, dass ich einen Viertakter fahre. Allerdings begreife ich nicht, wieso eine derartige Angabe erforderlich ist. Zonentum pur halt. Das Turnier selbst war total verregnet und endete mit einem letzten Platz für unser Team. Da führten wir im Spiel um Platz 9 zur Halbzeit noch 4:2 - und gingen letztendlich noch 4:7 unter. Nach dem Turnier musste ich mich doch noch einmal dem Disneyland-Potsdam widmen. Aber ein Besuch des wieder errichteten Palazzo Barberini musste einfach sein. Obwohl es keine thematische Ausstellung gab, konnten die Räume (übergangsweise mit Werken hautsächlich von Rodin und Manet ausstaffiert, was ja nun auch nicht jeder kann) gegen einen geringen Obolus von 4 EUR besichtigt werden. Ganz nett gemacht, aber jetzt nicht der architektonische Überhammer. Man muss sich aber nach diesem Besuch fragen, wieso ein Mann mit einem derartig erlesenen Kunstgeschmack sich in seiner Funktion als Stifter des HPI benimmt wie das allerletzte asoziale Arschloch (ich berichtete).

Ich blieb noch einen Tag länger, um mich der Buga (heuer: IGA) in Berlin zu widmen. Zuletzt war ich 2011 auf einer Buga (Koblenz), die beiden letzten in Brandenburg bzw. Hamburg hatte ich mir geschenkt, weil sie überwiegend saumäßige Kritiken erhielten. Diese IGA hingegen konnte begeistern. Und zwar derartig, dass ich auf den angedachten Besuch eines Landesklasse-Spiels in Seddin verzichtete! Neben dem Aussichtsturm Wolkenhain konnten die fernöstlichen Gärten überzeugen. Auch der Orient-Garten war einfach klasse. Und voll war es! Hätte ich mein Ticket nicht vorher bei der BVG gekauft, hätte ich an den Wartehäuschen eine knappe halbe Stunde verloren. Weiterhin positiv war, dass man die Seilbahn kostenlos benutzen konnte. Schwach waren eigentlich nur die Blumenhallen, auch aus den Wassergärten hätte man mehr machen können. Egal, unterm Strich setzt diese Schau Maßstäbe. Ein Spiel konnte ich am Samstag aber doch noch sehen: ESV Lokomotive empfing vor gezählten 38 Zuschauern RW Gülitz und siegte 3:1 Der weitläufige Ground an der Glienicker Brücke sollte 2.000 Leutchen fassen und kann seine Verbindung zur Reichsbahn nicht verleugnen: ein Funktionsgebäude ist mit Bahnmotiven bemalt, außerdem wird ein Kupfer-Modell des alten Potsdamer Bahnbetriebswerks zur Schau gestellt. Da ich von der Verpflegung am Rugbyfestival bestens versorgt war, bestand hier kein Anlass zu einem Catering-Test.

Diesen führte ich jedoch am vergangenen Sonntag in Reilingen durch - und zwar gleich doppelt. Erstens entführte ich auch dieser Spargelregion zwei Kilo dieses Gemüses - köstlich. Zweitens gönnte ich mir in der TOP FIT Arena eine Bratwurst - war ok. Anlass dieses Besuchs, der sich mit einem Rentner-Ticket zu 2 EUR überraschend preiswert gestaltete, war das Relegationsspiel zwischen Ketsch und dem 1.FC Wiesloch. Mindestens die Hälfte der Besucher (Fans aus beiden Lagern) hatte einen türkischen Background. Auch drei Hopper-Kollegen konnten begrüßt werden. Übereinstimmend schätzten wir die Kulisse auf knapp 2.000 Leute ein. Laut Stadionsprecher sollen es lediglich 1.600 gewesen sein. Finanzamt, übernehmen Sie! Der Ground ist überraschend groß (mindestens zwei Stufen auf jeder Geraden) und sollte für eine Kapazität von 3.000 gut sein. Auch der Kunstrasen-Nebenplatz macht trotz seiner Laufbahn einen soliden Eindruck. Das Spiel war spannend und endete 2:1 für die Ketscher, die somit wieder in der Landesliga spielen werden. Vor dem Spiel suchte ich noch den örtlichen Kleinzoo auf, der sich eher Kleintier-Hölle nennen sollte. So einen verwahrlosten und verdreckten Tierpark habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Trägerverein sind die örtlichen Vogelfreunde - ich könnte mir eine Anlage der örtlichen Vogelhasser gar nicht vorstellen. An- und Abreise gestalteten sich stressfrei bis zur Abfahrt Taunusring. Da bretterte ein schwarzer Pkw mit OF LJ 488 mit Höllentempo übergangslos von der linken Spur auf die Abbiegespur und zwang mich und einen anderen Verkehrteilnehmer zu Vollbremsungen. An der ersten roten Ampel sah ich die Beifahrerin: eine orientalische Oma oder Mutti. An der übernächsten den Fahrer: optisch ein verpickeltes orientalisches Lustknäblein, das mir durch sein Grinsen bedeutete: zwei mm - und auf die wurden mittlerweile von Goldhamstern abgenagt. Wie kann man einem derartigen Gesockse einen Führerschein aushändigen? Tags zuvor erlebte ich wieder den für die Evangelen typischen Etikettenschwindel. Da wurde groß für die Heusenstammer Kirchennacht geworben mit Kirchen-Öffnungszeiten bis Mitternacht. Während die Kerzen-Installation vor Maria Himmelskron tatsächlich sehenswert war, war die evangelische Kirche abgeschlossen. In St. Cäcilia erzählte man mir, dass die beiden teilnehmenden evangelischen Kirchen ihre Läden bereits um 21 bzw. 20 Uhr dicht gemacht hätten. Was soll diese asoziale Scheiße? Ich jedenfalls war so gefrustet, dass ich auf den Weg zu Mariä Opferung im Ortsteil Rembrücken verzichtete.

Da gab es doch vor einiger Zeit Berichte über PCs, deren Daten nach Virenbefall verschlüsselt worden waren und nur gegen Bitcoin-Zahlungen wieder nutzbar gemacht werden sollten. Das ganze kommt mir seltsam vor. Nirgendwo wurde beschrieben, wie überhaupt das Virus aktiviert wurde. Angeblich soll es sich nur um PCs mit Windows XP gehandelt haben. Nach einem Kommentar in einer Fachzeitung (Chip?) sah ich dann klarer. Was erwarten wir normalen Nutzer eigentlich von einem Betriebssystem? Eigentlich nur, dass man sein Wirken nie mitbekommt. Und genau das bot XP - sogar relativ störungsfrei. Das war seinerzeit von Microsoft überhaupt nicht beabsichtigt. Wenig später zeigte man mit dem an Perversität und Chaos kaum überbietbaren Vista, was Bill Gates wirklich mit seinen Betriebssystemen erreichen will: die Leute sollen wieder mit Wachstäfelchen und Griffel arbeiten, damit geht es schneller. Aber man kann (im Gegensatz zur Potsdamer Architektur) das Rad der Zeit nicht zurück drehen. So bequemte sich Microsoft, mit Windows 7 und 8 halbwegs erträgliche Betriebssysteme zu entwickeln, denen aber jeweils kein langes Leben beschieden werden sollte. Denn mit dem derzeit aktuellen Windows 10 (wahrscheinlich kam Windows 9 deshalb nie zur Auslieferung, weil es versehentlich etwas getaugt hätte) hat man den Nutzern wieder einmal eine richtige Tonne Scheiße fast in Vista-Qualität angedient. Kein Wunder, dass eine überraschend hohe Anzahl an Usern, gerade im kommerziellen Sektor, an XP festhält. Nun kommt der (von Microsoft bezahlte?) Schreiberling ins Spiel, der sich darüber mokierte, wie viele User so unverantwortlich seien und noch nicht auf aktuelle Betriebssysteme upgedatet hätten, und denen die Schuld gab. Anstatt sich zu fragen, warum kein Update erfolgte. Das ist einfach zu beantworten: warum soll ich teures Geld in die Hand nehmen und ein funktionierendes System durch welche zu ersetzen, die erstens nichts taugen und zweitens sowieso keinerlei Verbesserung bringen. Wer ehrlich auf die Frage antwortet, welche der neuen Features er/sie denn von den neuen Betriebssystem-Versionen denn wirklich braucht, wird maximal zwei nennen können. Also wäre es doch die Aufgabe eines neutralen Fachschreibers gewesen, auf die Perversität der Windows-Macher hinzuweisen. Nix da. Ich kann mir vorstellen, dass das alles von den USA gesteuert wurde, damit wir Systeme nutzen, in die deren Geheimdienste noch einfacher eindringen können.

Gelalle an die Stadt Potsdam