02/27/2018 - Elend ohne Glanz

Wo man hin schaut: nur Elend. Elend. Elend

Der Titel dieses Gegrunze ist an die kürzlich beendete Ausstellung in der Schirn angelehnt. Aber im Gegensatz zur Weimarer Republik gibt es derzeit nur Elend - keinen Glanz. Am drittletzten Tag habe ich mich jedenfalls endlich aufgerafft, diese Ausstellung "Glanz und in der Weimarer Republik" zu besuchen. Ich neige ja gerne zu Superlativen in solchen Fällen, aber ich will tot umfallen, wenn das nicht die gottverdammt beste Ausstellung war, die ich je besucht habe. Dabei sprach am Anfang überhaupt nichts dafür. Schlangen an der Kasse - geschenkt. Riesige Schlange an der Garderobe. Warum? Weil die Penner die Schließfächer abgesperrt hatten. Wahrscheinlich lässt man in der Schirn jetzt auch Jurigeuner Hilfsarbeiten verrichten - und die haben "gedacht", Schließfächer heißen deswegen so, weil man sie wegschließen muss. Neun kleine haben sie allerdings übersehen, da konnte ich in der vorletzten offenen wenigstens meinen Mantel unterbringen. Am Eingang zur Ausstellung selbst der nächste Schock: man solle die Tasche abgeben - hat's auch noch nie gegeben. Nach einem meiner legendären Tobsuchtsanfälle hatte die Dame aber Angst und ich konnte die Tasche bei ihr stehen lassen. Entschuldigung und Danke! Sie hätte ja auch die Jungs mit der Zwangsjacke kommen lassen können. Ein paar Schwachmaten aus dem Gutmenschenmafiamilieu (Teilnehmer einer Führung - sind wohl zu doof dazu, sich selbst einen Zugang zu den Kusntwerken zu schaffen) meinten noch, mich blöd anlallen zu müssen. Leute: bei zugänglichen Schließfächern wäre alles easy gewesen. Im ersten Saal ballten sich die geführten Gruppen, also fing ich hinten an. Im letzten Saal war auch gleich die große Ballung von Großberg-Bildern. Auch was der mir zuvor vollkommen unbekannte Karl Völker (so unbekannt war er doch nicht, wie ich daheim feststellte: in Halle hatte ich schon die von ihm ausgemalte Friedhofskapelle gesehen) ablieferte, war irre. Noch irrer war allerdings die Tatsache, dass einige Künstler bereits 1921 vorher sahen, was dann 1933 eintrat. Also sollte man auch mir glauben, wenn ich Sachen prophezeie. Hochinteressant war auch ein Beckmann-Gemälde übers Rugby: es beweist, dass es auch vor hundert Jahren schon Programme gab. Man wollte die Ausstellung gar nicht mehr verlassen, aber ich hatte noch die Ausstellung über Popsmusik in Deutschland im MMK auf der Agenda. Als ich die Schirn verließ, waren die Schlangen an den Kassen noch größer, dafür war an der Garderobe nichts mehr los. Sehr merkwürdig. Noch merkwürdiger war das mickrige Merchandising-Angebot. Im MMK ballten sich die Schulklassen. Da ich in der Dauerausstellung bereits dreimal vorher war, beschränkte ich mich auf einen Schnelldurchgang, bevor ich in den zweiten Stock stieg. Nun ist es natürlich sehr schwierig, bei so einem Thema, mit dem man locker dreißig Ausstellungen bestücken könnte, die Highlights herauszuarbeiten, aber man merkte schon, dass hier Kenner am Werk waren. Zwei Themen fehlten fast komplett bzw. waren Sound-technisch kaum hinterlegt: Schlager der Sechziger und der Swing. Über Krautrock hätte ich mir mehr gewünscht. Aber ich bedauere es jetzt, niemals Can auf der Bühne gesehen zu haben. Klasse war natürlich der Beitrag zum Beatclub. Von den Yankees, die das Eröffnungsstück spielten, hatte ich noch nie gehört. Feststellen musste ich, dass ich es nicht zu den Ausstellungen Matisse/Bonnard und über die Etrusker geschafft hatte; aber man kann einfach nicht alles machen. Ein Erlebnis auf dem Weg zwischen den Museen muss ich noch loswerden. Kaum auf dem Eisernen Steg angekommen, fällt beim Umblicken mein Blick auf einen gelben Abschleppwagen am Mainufer. Genau, von der im letzten Gegrunze erwähnten Abschleppfirma. Jetzt wollte ich das Ding fotografieren. Und kaum zücke ich die Kamera, hüpfen zwei "Isch ficque Doin Moddööäähh"-Typen auf mich zu. Kein Kommentar: ich steckte das Teil wieder ein, basta. Diese Großfamilien sind einfach überall präsent. Und wie sich nunmehr herausstellt, haben sich hier mit dem SANA Klinikum und der abschleppenden Großfamilie zwei Asoziale verbündet - ich wollte es ja nicht wahrhaben, dass wir in unserem schönen Offenbach solche Zustände haben. Aber das SANA Klinikum hat doch tatsächlich böswillig echte Parkplätze auf dem Klinikgelände durch nicht genutzte Baucontainer blockiert. Auf dass die Großfamilie noch mehr abkassieren kann. Wie wird der Profit geteilt? Möchte man sich als Patient derartigen Assis anvertrauen?

Am Samstag hatte ich jede Menge Zeit, aber keinen Bock auf weitere Ausstellungen. Nach Analyse des Wetterberichtes schien mir der Großraum Saar/Mosel der zu sein mit den größten Erfolgsaussichten auf stattfindende Fußballspiele. Statt für das höherklassige Primstal entschied ich mich für Schoden als erstes Spiel. Auf dem Weg dorthin machte ich erstmals in Wadern Station. Allererstes Fotoobjekt: der alte Sportplatz in Buweiler, der jetzt als Lehrbienenstand fungiert. Der Hauptort selbst erwies sich als sehr nettes Städtchen mit einem für seine Größe beeindruckenden Shopping Centre, der HACO-Galerie. Detailliert beschäftigte ich mich nur mit der Burgruine Dagstuhl. Zwar schon sehr verfallen,aber immer noch beeindruckend. Mangels eines Stadtplans fand ich das Stadion nicht, stellte aber daheim fest, dass ich daran vorbei gefahren bin. Angenehm überrascht war ich von dem mir bis dahin vollkommen unbekannten Weiskirchen, in dem ich auch das Holzbachtalstadion ablichten konnte. Nächste Station Serrig. Der Sportplatz mitten im Ort: total verlottert und verludert. Aber es gibt eine historische Feldbahn durch die Weinberge. War natürlich noch nicht im betrieb, aber die Gleisanlagen waren durchaus beeindruckend. Sogar eine Dampflok soll dort fahren. Am Hofgut Serrig nebenan dann Bio-Wurst erstanden. Hoffentlich schmeckt die so gut wie sie aussieht. Weiter ging es nach Saarburg. War zuletzt vor zwanzig Jahren dort. Der Wasserfall mitten in der Stadt ist wirklich sehenswert. Saarburg scheint mir eine Hochburg zu sein, was das Ausplündern von Autofahrern betrifft. Entweder Kurzzeitparkplätze oder Parkscheinpflicht. Stadtdirektor kommt wahrscheinlich aus Potsdam. Aber immerhin haben sie altes SAB-Kennzeichen wieder. Bei immer noch strahlendem Sonnenschein erreichte ich Schoden. Der Ground ist optimal für fußkranke Hopper - gerade fünfzig Meter sind es zum Bahnhof. Was wiederum den Vorteil hat, dass man vom Ground aus einen regen, abwechslungsreichen Bahnbetrieb sehen kann. Da ich noch etwas Zeit hatte, bin ich noch zum Bismarckturm hoch gewetzt, es wird sich wohl um den weltweit kleinsten Turm seiner Art handeln - maximal fünf Meter hoch. Aber der Ausblick lohnt. Auf dem Rückweg noch schnell an der Marienkapelle vorbei, dann ging es auch schon los. Immerhin ca. 200 Zuschauer säumten den Rasenplatz, der ohne jeglichen Ausbau daher kommt). Bei seifigem geläuf war das Spiel durchaus ansehnlich. Zur Halbzeit stand es zwischen der SG Saartal (die auch in Ockfen und Irsch spielt) und dem souveränen Tabellenletzten TuS Kröv verdient 1.1. Dabei sollte es auch bleiben. Dann musste ich auch schon weg nach Tarforst. Nachzutragen bleibt, dass es Tickets mit Gegner-Aufdruck, ein Programm und gute Bratwurst gab. Also alles ok. Eine verwirrende Ausschilderung, eine Großbaustelle und eine falsche Navi-Anweisung führten dazu (wenn es mal hakt, hakt alles), dass ich erst kurz nach Anpfiff in Tarforst aufschlug. Inzwischen war die Sonne untergegangen und es war eisig kalt, als ich mit ca. hundert anderen Unentwegten der Partie FSV Trier-Tarforst vs TuS Emmelshausen beiwohnte. Das Sportzentrum Am Timmelter Hof (KR) hat auf einer Seite drei durchgängige Stufen und sollte knapp 3.000 Leute fassen. Es gab ein Rückrundenprogramm und nette Eintrittskarten. Die Wurst erwies sich aber als Wasserwurst. Bei meiner ersten Bestellung wurde ich gebeten, etwas zu warten, da die noch nicht warm sei. Fünf Minuten später jubelte man mir zu: "Jetzt ist sie heiß!" Und seitdem rätsele ich darüber, was man an der Mosel dann unter eiskalt versteht. Bis zur Halbzeit passierte wenig, die Halbzeitpause nutzte ich, um im Edeka gegenüber die Wochenendkäufe zu tätigen. Und dann passierte es: als ich unmittelbar nach dem Anpfiff nach oben ins Vereinsheim trabte, um fotografiertechnisch den guten Ausblick zu nutzen, fiel das 1:0 - es soll sich um ein herrliches Eigentor gehandelt haben. Das Spiel endete verdient 3:0 und musste wieder mit den Tücken des Navis leben. Es wollte mich weder zur A6 noch zur Hunsrückhöhenstraße führen. Letztere fand ich dann selbst - und schwupps wurde eine drastisch reduzierte Fahrtzeit angezeigt. Manchmal begreife ich diese Technik nicht. Wohl als Folge der Kälte wartete der elektrische Fensterheber mit einer Fehlfunktion auf, sodass das Fenster nicht richtig schloss. Aber die Heizung war stärker! Auf ihrem zweispurigen Teil wird die Straße als Aufforderung für hemmungsloses Rasen missverstanden. Aber warum wundert es mich nicht, dass die beiden Wagen, denen auch in Kurven die durchgezogenen Dopplellinien vollkommen egal waren, Offenbacher Kennzeichen hatten?

Am Sonntag war letzter Tag einer weiteren Ausstellung. Eigentlich hatte ich mir ja nach den Ereignissen der ersten Hanauer Museumsnacht geschworen, nie mehr ins Puppenmuseum zu gehen (so widerwärtig und entwürdigend wie damals war ich als Museumsbesucher noch nie auch nur annähernd behandelt worden), aber diese Ausstellung ließ mich weich werden. "Auf der Autobahn durchs Kinderzimmer" hieß die Sonderausstellung - und man fühlte sich wieder jung. Und es war einfach sagenhaft. Es wurde Auto-Spielzeug ausgestellt, womit ich vor über fünfzig Jahren selbst gespielt hatte. Wehmütig dachte ich z.B.an meine Faller-Autobahn zurück. Und daran, dass mein ständiger Wunschzettel-Punkt "Brawa-Trolleybus" nie erfüllt wurde. Und anscheinend war ich der einzige, der nie eine Carrera-Bahn hatte, wenn ich die Begeisterung anderer alter Säcke da sah. Ach ja, voll war es. Und viele der Ausstellungsobjekte waren gesichert wie die Kronjuwelen im Tower. Einige Spielzeuge wurden auch vorgeführt, teilweise haben sie noch perfekt funktioniert! Höhepunkte waren aber neben der Hochbahn aus dem vorletzten Jahrhundert (aus der Dauerausstellung) die Autobahn-Gesellschaftsspiele aus dem Großdeutschen Reich. Davon will ich mir auch mal eines zulegen - rein altersbedingt konnte ich die als Kind ja nicht spielen. Während ich diesen Absatz schreibe, lese ich parallel den Bericht in der OP-online dazu, als plötzlich eine Tchibo-Anzeige aufpoppt. Wenn man tatsächlich nur das liest, was man lesen will, sollte ich jetzt ins Bett gehen. Statt "Vorhersage: HEITER" las ich "Vorhersage: HITLER".

Aber ist das ein Wunder? Ich bin wie bekannt meiner Zeit häufig voraus. So berichtete ich über die Zustände bei manchen Tafeln (und - ohne es zu wissen - behaupte ich, dass die Zustände bei den meisten anderen ähnlich sind) - und knappe zwei Wochen kamen die Artikel über einen aufrechten Deutschen, der diese Zustände in Essen aktiv verändern wollte. Das ist jetzt keine Satire: der Macher der Essener Tafel tut mir aufrichtig leid. Denn bei der Essener Tafel: da geht es rund. Dass die Gutmenschenmafia sich künstlich ereifert (Leute, da sind meine Tobsuchtsanfälle ehrlicher!), war vorherzusehen. Dass jetzt aber das Politgesindel mit vereinten Kräften in dieselbe Kerbe schlägt, eher nicht. Von einem Volksvertreter außerhalb Bayerns und Brandenburgs, egal von welcher Partei, erwartet man, dass er/sie sich erst nach einem Faktencheck äußert und dann versucht, Problemlösung zu betreiben. Aber auch die AfD zeigt hier endlich ihr wahres "Gesicht" (Fratze!). Ich persönlich lege natürlich genauso wenig wie Herr Sartor auch nur den allergeringsten Wert auf irgendwelche Kommentierung durch diese Gesellen. Aber in diesem Fall hätte ich wirklich erwartet, dass die Gestalten wildes Zustimmungsgegrunze absondern, wie überhaupt nach jedem gemeldeten Tafel-Vorfall. Aber da kam und kommt . NICHTS. Das pure Schweigen im Walde. Was bedeutet das? Es dokumentiert, was ich immer schon behaupte: die Großfamilien und die AfD sind dieselbe Seite derselben Medaille. Beiden geht es nur darum, ehrbare Deutsche aiszuplündern. Es würde mich nicht wundern, wenn die Großfamilien-Angehörigen etwas weiter weg von den Ausgabestellen an die AfD Wegezoll entrichten müssen. Und das mit Freude tun.

Nachzutragen wäre noch, dass ich nach der Ausstellung weiter nach Erlensee gefahren bin, um die Gruppenliga Frankfurt Ost wieder zu komplettieren. Erstens gibt es die Fußballvereine Langendiebach und Rückingen nicht mehr (beide schon gesehen), da die zum 1.FC Erlensee fusioniert haben. Und zweitens gibt es das Langendiebacher Sportzentrum nicht mehr (beide Plätze wirklich sehenswert), denn, da es stadtmittig lag, es schrie nach Umwidmung in Baugrund. Dafür hat man auf alten Fliegerhorst ein Fußballzentrum gebaut, das seinen Namen verdient. Zwei KR-Plätze und ein Rasenplatz, davon zwei mit geringem Ausbau. Dass der Rasenplatz heute nicht bespielt würde, war vorauszusehen, dafür wurden beide KR-Plätze bespielt. Auf dem kleineren wurde vor ca. 50 Zuschauern D-Jugend-Fußball geboten, auf dem größeren (mit beeindruckenden Trainingsstrahlern) spielte der 1.FC vs Bischofsheim vor ca. 150 Zuschauern (die Angabe 100 auf der FCE-Homepage soll wohl das Finanzamt einlullen). Die Bischemer spielten doch recht undiszipliniert, sodass zwei gelb-rote Karten in der zweiten Hälfte fast schon zwangsläufig waren. Diese Überzahl nutzten die Platzherren zu einem 2:0.

Gestern in den Nachrichten: "Merkels Kabinett wird weiblicher. Spahn soll Gesundheitsminister werden." Logisch, der war ja auch mal Pharmalobbyist.

Viertes Schreiben an die Pupsvögel