12/31/2019 - Begpacker

Widerwärtiger würdeloser Begpacker in Bangkok

Reiseimpressionen Teil 3: nachdem ich ausreichend gestärkt war und wieder in meinem Hotel eingecheckt hatte, trabte ich mal wieder zum MOCA. Man merkt, dass die Thais keine großen Fußgänger sind. Eigentlich sollte man vom Centara Grand stur der Vibhavadi Rangsit folgen können und wäre irgendwann mal da. Allein: es fehlen durchgängige Fußwege. Dennoch war ich irgendwann tatsächlich mal da. Übrigens: die Bauarbeiten für die SRT Dark Red Line sollten bald fertig sein, womit das MOCA eine Haltestelle vor der Türe hätte. Nun war ich zwar schon einmal im MOCA, aber das Oeuvre mancher Thai-Künstler ist durchaus sehenswert. Der Rückweg führte mich durch das Gelände der Kasetsart University, womit ich endlich das fertig gestellte Stadion zu Gesicht bekam (über diesen Besuch berichtete ich bereits im Zusammenhang mit einem Gürtelproblem). Bekanntlich und unverständlicherweise spielt jedoch der hiesige Zweitligist inzwischen im TOT Stadium. Anschließend kam ich zur neuen im Bau befindlichen Skytrain-Strecke Richtung Ramintra. Kürzlich vorab ist die Station Ha Yaek in Betrieb gegangen, die ich natürlich nutzte. Erstmals fand ich auch den Zugang zur Kirche der St.Johns University, was mir bis dato nie gelang. Einige Fenster sind recht nett, das war's. Ich orientierte mich gen Phatum Wam, wo zwischenzeitlich das Bangkok Market eröffnet hatte. Vorher war hier bereits ein Markt mit Qualitätswaren, der baulich aber noch den Siebzigern verhaftet war (tatsächlich stammt ein signifikanter Teil meiner Business Hemden von dort). Klar sieht alles hier nach Retorte aus, aber wenn sich eine gewisse Patina angesetzt hat, sollte dieses Konzept stimmig sein. Dem Foodmarket konnte man allerdings wie bereits dem im Iconsiam nur die Bestnoten vergeben. Ein besseres (und teuereres) Tom Yam Gung aß ich bisher nie. In dieser Gegend ballen sich bekanntlich ungezählte Shopping Malls, deren Beschreibung jeden Rahmen sprengen würde - aber die Wandlung des Gaysorn ist bemerkenswert. Früher handelte es sich um ein gesichtloses Anwesen für Leute ohne Geschmack, aber dicken Brieftaschen, heuer präsentierte es sich mir erstmals als hübsche zum Verweilen einladende Mall. Einzig das Essenangebot ist stark verbesserungsfähig. Und noch eine Anmerkung: der Park neben der Central World ist immer noch nicht öffentlich zugänglich.

Der Folgetag stand ganz im Zeichen der Ancient World Mueang Boran in Samut Prakhan. Zuletzt war ich Anfang des Jahrtausends hier, seinerzeit konnte man mit der einzigen Gelenkbuslinie Bangkoks hinfahren. Jetzt sind die ersten neunzig Prozent bequemer, da der Skytrain bis nach Kheha fährt, von wo aus es noch knappe vier Kilometer sind. Den Hinweg legte ich per pedes zurück - richtig tolle Fotomotive liegen aber nicht auf dem Weg. Das Gelände des Geschichtsparks ist extrem weitläufig, dass ein Rad absolut sinnvoll ist. Der Park bietet teilweise Rekonstruktionen echter Bauwerke quer durch alle Provinzen, schöner sind allerdings die Phantasiebauten, die u.a. auf alten Thai-Sagen basieren. Wie in Südostasien üblich, war etwa ein Viertel des Bestandes komplett vermodert, unter Gerüst oder in Bau, dennoch hatte ich nach sechs Stunden immer noch nicht alles gesehen. Ich nutzte zurück das Pickup-Sammeltaxi und machte Station am Gateway. Ein sehr farbenfrohes Shopping Center mit einem allerdings suboptimalen Essensangebot. Der Hammer im negativen Sinne war ein Currywurst-Stand, den ich natürlich nicht frequentierte. Es gibt übrigens inzwischen in Bang Sue ein weiteres Gateway, für dessen Besuch mir jedoch leider die Zeit fehlte.

Am Samstag ging es dann mit dem morgendlichen Expresszug nach Prachuap Khiri Khan. Der dortige Bahnhof präsentierte sich als recht unscheinbar - im übrigen werden sukzessive alle Stationen auf dieser Strecke durch Neubauten ersetzt. Die Stadt erwies sich als eher schläfrig. Ein Hotel hatte ich mit dem Mont Talay schnell gefunden. Ab zum Sam Aow Stadium, um Tagslichtfotos zu kriegen. Ein typischer Thai-Einheitsbau für ca. 5.000 Leutchen. Prachuap Khiri Khan ist mit Sehenswürdigkeiten nicht so gesegnet, aber den Wat Khao Chong Kaeo auf dem Hügel muss man gesehen haben. Problem: man muss sich seinen Weg durch Horden pissender Affen bahnen, aber auch das ging. Oben wurde man mit großartiger Aussicht belohnt. Auch recht nett ist die ziemlich lange Seebrücke. Die Uferpromenade mutiert im Laufe des Nachmittags zu einer ellenlangen Fressmeile. Die berühmte Susuk Cultural Street fand ich hingegen eher langweilig, der Anblick eines angesiedelten Bayerischen Schnitzelhauses verscheuchte mich dann endgültig, aber es wurde eh schon Zeit, zum Stadion zu traben. Gut 2.000 Leute waren es sicher, die sich den Erstliga-Kick gegen Samut Parakhan City (der Verein, der seine Namen und Spielorte öfter ändert als Normalsterbliche ihre Unterhosen) anschauten und teilweise einen unteren Support ablieferten.

Am nächsten Morgen machte ich mich gleich auf den Weg nach Ratchaburi. Direkte Minibusse gab es nicht, am Big C in Phetchaburi hieß es umsteigen. Und irgendwie ist da in der Kommunikation etwas schief gegangen. Ich wollte zum Robinson in Ratchaburi, aber der Bus nahm einen widerlichen Umweg und plötzlich stand es vor einem mir noch nicht bekannten Big C und fünfzehn Augenpaare blickten mich erwartungsvoll an, wann ich endlich aussteigen würde. Ich nahm e sportlich und kam so zufällig am dortigen mir ebenfalls noch nicht bekannten Nationalmuseum vorbei, was ich dann auch enterte. Erstmals verlangte man heuer in einem Provinzmuseum einen Obolus. Dieses Museum ist nicht so der Knüller. Als Schlafstätte suchte ich das zentral gelegene Sans Hotel aus, was ich auch uneingeschränkt empfehlen kann. Nun freute ich mich auf den örtlichen McDonalds im Robinson. Was für eine kranke Scheiße!!! Auf drei Quadratmetern Verkaufsfläche hielt man lediglich Softeis und Smoothies feil. Weiß man in der Zentrale eigentlich, was man da für einen Dreck lizensiert? Im alten Stadion mitten in der Stadt war ich bereits mehrfach, aber mittlerweile ist man in das Mitrphol Stadium ziemlich außerhalb umgezogen. Diese sechs Kilometer nahm ich bei schönem Wetter sportlich per pedes. Optisch ist der neue Ground ein echter Hingucker. Innen: ok, aber mehr auch nicht. Besonders das Fehlen einer Hintertortribüne macht sich negativ bemerkbar. In ratchaburi muss eine afrikanische Krankheit grassieren. Wie auch im alten Ground befanden sich zum Anpfiff nur ein paar hundert Seelen im Stadion. Aber bis zur Halbzeit sollten es gute 3.000 gewesen sein, die ihr Kommen nicht bereuten. Gegen Chainat FC, der wieder mit seinem berühmten Mannschaftsbus angereist war, sah man ein. 2:1. Abends ist Ratchaburi ziemlich verschlafen, sodass ich relativ früh im Hotelzimmer war. So war ich am nächsten Morgen hellwach und gut gerüstet für einen Stadtrundgang mit Fokus auf die Uferstraße und den Besuch vom Wat Mahathat. Um mit dem Minibus nach Nakhon Pathom zu gelangen, musste ich wieder zum besagten Big C. Der Fahrer sah aus wie aus einem Zombiefilm entsprungen, aber problemlos kam ich zum Schlosspark, um endlich eine Altlast zu beseitigen. Denn dort befindet sich auch die Ehrenhalle des Thai-Fußballs. Ein Muss für jeden Fan des Thai-Fußballs! Leider musste ich im Gegensatz zu anderen mir bekannten Besuchern ohne englischsprachige Führung auskommen, aber eigentlich sind die Exponate selbst erklärend. Nervig war nur die Aufseherin, die mir pausenlos etwas vertickern wollte - vom Lederball bis zum Präser mit Vereinslogos. Bis dato war das Wetter einwandfrei, aber dann kam die übliche Prozedur: zehn Minuten nach Betreten des Pagodengeländes schüttete es aus allen Rohren. Ich habe die höchste Pagode der Welt auch im fünften Versuch nicht trockenen Fußes verlassen. Zurück gönnte ich mir für ein Vielfaches des Normalpreises wieder den Special Express, aber der war pünktlich. Nun hatte ich fünf Tage vor mir, in denen ich mich komplett Bangkok widmen konnte. Dort macht sich jetzt ein Abschaum breit, den man gar nicht sehen will: europäische Rucksacktouristen, die am Wegesrand betteln. Man vermag sich als Deutscher überhaupt nicht vorzustellen, welchen Eindruck so ein Gesindel auf die Thais macht. Forts. folgt.

Schock-Nachricht am Dienstag: ein Spieler wurde vor der Schule überfahren. Wurde zwar "nur" sehr leicht verletzt, aber die Fahrerin machte sich aus dem Staub. Habe dann mal im Polizeibericht Südhessen-Offenbach und in op-online gestöbert. Während dieser Unfall keinerlei Erwähnung findet, wird über ein anderes angefahrenes Kind, das am selben Tag ebenfalls mit anschließender Unfallflucht angefahren wurde, intensiv berichtet. Mir ist nicht ganz klar, warum gleichartige Ereignisse so unterschiedlich bewertet werden. Und überhaupt nicht klar ist mir das Verhalten, nach solchen Unfällen einfach abzuhauen. Inzwischen hat die Dame sich gestellt, und unser Spieler sollte am Samstag wieder einsatzbereit sein.

An einem schönen Werktag Mitte Oktober animierte mich herrliches Wetter zu einem Trip in den Landkreis Miltenberg mit der Priorität Altlastbeseitigung. Erste Station: Rüdenau. Hier fand ich bei meinem letzten Besuch den Sportplatz nicht. Mit funktionierendem Googlemaps diesmal kein Problem. Der Platz ist trotz nur rudimentärsten Ausbaus recht nett (und sehr gepflegt) und sollte für 1500 Leutchen ausreichen. Vom Nachbargrundstück aus blickte ein Dorfdepp beim Holzshreddern meinem fotografischen Treiben verständnislos zu. Überflüssig zu sagen, dass er sein Dorfdeppentum durch Nutzen eines Pickups unterstrich. Nächster Halt: Amorbach. Hier wollte ich endlich zur Gotthardsruine hoch. Selbstredend lotste mich Googlemaps diesmal vollkommen falsch, sodass ich die Hilfe einer netten Eingeborenen in Anspruch nehmen musste. Nach längerem Fußweg erreichte ich die malerisch gelegene Ruine dann auch. Man fühlte sich wie in irland ineiner aufgelassenen Abbey. Und tatsächlich hatte ich hier ein Erweckungserlebnis. Als ich den Turm bestieg, fand ich auf der Spitze ein Gipfelbuch vor, welches ich wahllos aufschlug. Es sprang mir folgender Eintrag ins Gesicht: "Doin Moddööäähh war hier". Da wird doch der Hund in der fanne verrückt. Sollten wir Mitteleuropäer permanent die Aussagen von Muselmanen, was man alles mit Doin Moddööäähh enstellen will, vollkommen falsch interpretiert haben, zumal diese Interpretation ja jeglichen Sinnes entbehrte? Ich meine, im Islam ist ja nun wirklich alles von anderen Religionen abgekupfert. Auch nach jahrzehnterlanger Beschäftigung damit habe ich bislang noch nicht den allerkleinsten Hauch einer eigenen Idee im uns zur Verfügung stehenden Schriftgut entdeckt. Sollten wir es also hier mit einer Analogie zur Heiligen Dreifaltigkeit im Christentum zu tun haben? Also mit Allah, Mohamed und Doin Moddööäähh? Und das Ficken von Doin Moddööäähh wäre quasi das Erreichen des Nirwanas (vom Buddhismus abgekupfert)? Oder gleichzusetzen mit einer Marienerscheinung? In diesem Fall Doin Moddööäähh von Amorstadt, nicht in einer Grotte, sondern im Turm. Indiz dafür, dass Amorstadt zu einem zweiten Mekka wird? Interessante Ansätze, dem die Religionswissenschaft akademisch nachgehen sollte (insofern könnte Lamya Kaddor vielleicht mal mit etwas Sinnvollem beschäftigen) . Neben einigen weiteren Fotostopps machte ich auch mal wieder am Schloss Löwenstein in Kleinheubach halt. Während bei meinem letzten Aufenthalt hier das Außengelände öffentlich zugänglich war, hat hier nunmehr das internationale Asozialentum Einzug gehalten. Die gleichnamige Stiftung und die Gruppe Chateauform haben einen undurchdringlichen Zaun um das Gelände gezogen. Die illustren Namen der draußen angeschlagenen Namen der Hauptnutzer sind quasi identisch mit dem Extremstasozialentum aus der Finanzbranche. Klar, dass mit so einem Abschaum niemand was zu tun haben möchte. Man kann allerdings eine Gourmetgruppentour mit Weinverkostung buchen (Preis mir unbekannt). Wie der Zufall so spielt, kam ich auch in den Genuss zu sehen, wie eine solche Gruppe das Gelände entern durfte. Nämlich nicht über den normalen Eingang, sondern durch Matsch und Morast durch einen Nebeneingang. Da merkt der Normalsterbliche gleich, wo er hingehört.

Eigentlich wollte ich am 27.10. den Psychedelic Furs in Oberhausen zujubeln. Obwohl im Besitz aller Tonträger habe ich die Band bislang nur einmal - auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit - gesehen. Ein Versuch, die Band gerade nach Veröffentlichung ihrer zweiten Scheibe in der Fabrik zu sehen, schlug fehl. Ganz Hamburg war seinerzeit vollgekleistert mit den Konzertplakaten. Das war aber das einzige, was im Zusammenhang mit diesem Konzert professionell war. Erwähnt werden muss, dass es sich um ein Doppelkonzert mit den mir damals gänzlich unbekannten U2 handelte (hierzu später mehr). Es gab noch nicht einmal Tickets, sondern nur Gutscheine. Am Konzerttag harrte man dan stundenlang vor der Fabrik aus, nachdem man die Gutscheine gegen ein neutrales Kinoticket getauscht hatte. Kurz vor Mitternacht bequemte sich dann ein Fabrikarsch mitzuteilen, dass die Psychedelic Furs sich weigern würden aufzutreten und man bei Vorlage der Konokarte beim nächsten Ticketkauf die Hälfte gutgeschrieben bekäme. Angesichts der tatsache, dass nunmehr erst einmal das Equipment abgeräumt werden musste und demzufolge vor 0:30 Uhr nichts ablaufen würde, handelte ich anders. Ich tauschte an der Abendkasse, die von nichts wusste, meinen Gutschein zurück und schiss auf U2. Beim Umtausch des Gutscheins bei der Konzertkasse Schumacher dann wieder Tobuwabohu - aber irgendwann hatte ich mein Geld komplett cash zurück. Ich hätte also gewarnt sein müssen, was U2 betrifft. Dennoch kaufte ich mir viele Jahre später ein Ticket für ein Donnerstag-Konzert im Bremer Weserstadion (das Stadion mit den relativ zweitwenigsten Pissoirs Europas - die Spaliere der Pissenden an den Maschendrahtzäunen sind legendär). Irgendwann wurde dann ein zusätzliches Freitags-Konzert anberaumt. Für den Tickettausch berechnete mir die Konzertkasse Central 8 Emmchen. Dieses Konzert wiederum wurde klammheimlich wieder abgesetzt, sodass ich wenige Tage vorher wieder einen Rücktausch vornehmen musste, wofür wieder 8 Emmchen fällig werden sollten. Wer mich kennt, weiß, dass meine Tobsuchtsanfälle damals legendär waren - und so bekam ich nicht nur ein neues Ticket, sondern auch die alten 8 DM zurück. Der Donnerstag kam endlich - es war ein extrem heißer Tag. Ich habe in meinem Leben knappe 3500 Konzerte erlebt, aber was sich damals abspielte, war die reine Hölle. Ein durch und durch und durch komplett unfähiger Ordnungsdienst war nicht in der Lage, die zahlenden Gäste reinzulassen. Nur Estremst-Idioten, die unsere uniformierten "Freunde" gewähren ließen und somit ein Chaos herauf beschworen. Wenn man berücksichtigt, dass Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit beim Ordnungsdienst auch damals schon das Vollidiotentum war, war das durchaus bemerkenswert. Ich beschwerte mich damals beim Mitausrichter Radio ffn darüber. Der Sender wiederum teilte mir nonverbal mit, dass auch er nur Asoziale (nach dem, was sich der Vollarsch Ecki Stieg mal abkniff, rechnete ich aber bereits damit) beschäftigt, was wiederum dazu führte, dass ich ihn nie wieder einschaltete. Das erste Vorprogramm wurde darüber verpasst. In der Mitte des Auftritts der Toten Hosen stürmte die Meute dann das Gelände. Ich dachte, eine schlimmere Scheiße, was diese Schwachsinnigen auf der Bühne ablieferten, kann es nicht geben. Weit gefehlt, der Auftritt von U2 war derartig sinnlos, dass jede Schülerband es besser gekonnt hätte, Ein derartiges Scheißkonzert habe ich in meinem Leben nicht wieder erlebt. Nie wieder U2! Hinzu kamen Getränkepreise auf dem Gelände, die auch heute unzumutbar wären. Und das bei der Gluthitze. Was den Konzertteilabbruch damals in der Fabrik anbelangt, kenne ich die Hintergründe tatsächlich nicht. Ich kann mir aber lebhaft vorstellen, dass der bigotte Schwachkopf Bono (Mitglied der Gutmenschenmafia) noch etwas Kohle von den Furs rauspressen wollte.

Ich schweife ab. Frühmorgens fuhr ich dann mit straffer Programmplanung gen Oberhausen. Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit parkte ich gebührenpflichtig beim Centro. Dort wiederum war die Hölle los. Grund war ein gebührenpflichtiger Flohmarkt für Kindersachen. Nachdem ich feststellte, dass die Schlange vorm Gasometer ebenfalls einen knappen halben Kilometer lang war, zog ich den geplanten Centro-Revisit vor. Weiter ging es zur Hans-Wagner-Sportanlage Klosterhardt, wo deren Zweite spielte. Leistungsgerecht ging das Spiel vor ca. 120 Zuschauern 3:1 aus. Es gab schöne Tickets, aber kein Programm, während die Wurst ok war. Das Ground verfügt über eine Tribüne und ist trotz KR recht nett. Ebenfalls nett ist der KR-Nebenplatz, wo zeitgleich die Dritte kkickte. Das Spiel endete torreich und sämtliche Tore, die ich mitkriegte, waren spektakulär. Dank etlicher Stufen sollten hier auch 2.200 Leute Platz finden. Der echte Hammer aber war das Adolf-Germar-Stadion des BVO nebenan. Erstens Rasen, zweitens Stufenterror ohne Ende - 8.000 sollten hier locker reingehen. Ich hätte mir durchaus im Anschluss einen Kick reinziehen können, war aber auf Landesliga-Fussball bei Sterkrade Nord im Nordler-Park fixiert. Keine Fehlerwartung. Trotz KR ein bildschöner Ground mit klasse Tix, guten Programm und einer extremen Wurstauswahl. So macht Fußball Spaß! In diesem Fall säumten ca. 300 Leutchen das Geläuf und sahen ein verdientes 2:0. Sofort ging es zurück zum Schloss, wo man gratis parken konnte. Ich hechtete allerdings weiter zum Gasometer, wo der Andrang sich gelichtet hatte. Es war der letzte Tag der von Messmer kuratierten Ausstellung "Der Berg ruft". Der Ausblick bei Dämmerung aus 110 Meter Höhe war schon klasse, aber so richtig spektakulär war das Matterhorn-Modell. Die ausgestellten Fotos konnte ich aus Zeitgründen (eine größere Menge an Security drängte das Publikum lange vor Ausstellungsende massiv Richtung Ausgang). Tja, und dann ging ich langsam zum Event-Ort Kulttempel, wo man mir und anderen Interessierten bedeutete, dass das Konzert krankheitshalber verlegt werden musste. Was für eine Scheiße, da beschränke ich mich auf zwei Konzerte pro Jahr - und dann sowas. Fuhr ich also heim und rief einige Wochen später an, ob denn schon ein Nachholtermin feststeht. Nein, das Konzert fiele ersatzlos aus. Ich also hin zum Infocenter Salzgässchen, um das Ticket zurückzugeben. Aber das ist im Zeitalter der IT erheblich schwieriger als früher. Ich musste einen ellenlangen Antrag ausfüllen - und hatte tatsächlich eine Woche später den kompletten Ticketpreis auf dem Konto. Galt es also eine Alternative herauszufinden. Ich entschied mich für Molly Hatchet im Rex zu Bensheim. Im alten Rex zu Lorsch war ich natürlich schon (Wishbone Ash), die Location nach dem Umzug war mir bislang unbekannt.

Insofern greife ich jetzt zeitlich etwas vor. Koppeln konnte man das Konzert mit den Weihnachtsmärkten zu Weinheim (hatte ich zwar schon mal besucht, aber keine brauchbaren Fotos geschossen) und Ladenburg. Aber einige Idioten hatten das Darmstädter Kreuz blockiert, sodass ich über die B38 fuhr. Wie es so kommt, war unterwegs irgendeine Ortsdurchfahrt gesperrt, was mich zu einem ellenlangen Umweg zwang. Gleich nach Ankunft wurde ich Zeuge einer sich anbahnenden Auseinandersetzung zwischen Kanakern und Uniformierten in Bahnhofsnähe und musste mich durch Gaffermassen schlängeln. Der Weihnachtsmarkt in Weinheim war voll, aber auch recht stimmungsvoll. Die illuminierte Burg weiß natürlich zu gefallen. Noch interessanter fand ich die Tatsache, dass es innerhalb der Stadt mittlerweile gleich drei Shopping Malls gibt - natürlich keine gigantischen. Weiter ging es nach Ladenburg. Während ich in Weinheim keine nennenswerten Probleme beim Parkplatzfinden hatte, war im Stadtgebiet Ladenburg alles dicht, was mich zu einem unerwarteten Fußweg nötigte. Entsprechend voll war der Weihnachtsmarkt, mir war einfach zuviel los. Nach einer halben Stunde machte ich mich auf den Weg nach Bensheim. Vor dem Rex herrscht kein Parkplatzmangel. Die Vorgruppe King Savage hatte tatsächlich zu früh angefangen und bot solide Durchschnittsmitgröhlmucke. Kurioserweise hörte ich an diesem Tag zweimal "Whoe lotta Rosie" - einmal mittags bei Radio Bob und jetzt als Cover. Nach halbstündiger Umbaupause enterte Molly Hatchet die Bühne - übrigens mein zehntes Konzert seit 1983 von denen. Mit neuem Sänger und nur einem Gitarristen. Konnte das gutgehen? Es konnte. Die Jungs boten exakt das, was man erwartete - und das in perfekter Lautstärke. Ich gehörte zu denen im Publikum, die den Altersschnitt senkten - Anwesende unter dreißig: kein halbes Dutzend (Personal ausgeschlossen). Bei einem Viertel der Anwesenden (mit Geh- und sonstigen Hilfen) würde es micht nicht wundern, wenn man die beim Betreuten Wohnen findet oder im Kundenstamm von "Essen auf Rädern". Egal, wenn's die Mama erlaubt. Die Halle war sehr gut gefüllt und als solche ok. Allerdings zugig, was wohl mitursächlich ist für eine augenblickliche massive Erkältung. Und nervig sind die Köbesse, die sich permanent durch das Publikum wühlen. Aber der Hammer war, dass ich am nächsten Morgen feststellen musste, dass ich das Ticket verloren hatte! Das ist mir in mehreren Jahrzehnten aktiver Konzertbesuche erst zum zweiten Mal passiert. In diesem Fall muss ich aber die Betreiber vom Rex exzessiv loben: innerhalb einer Woche hat man mir noch eines zugeschickt. Danke auch an dieser Stelle!

Am nächsten Tag beschränkte ich mich auf Weihnachtsmarktbesuche in der Nähe. Erst Schaafheim. Für meine Begriffe der hübscheste heuer. Eine kleine Krippenausstellung rundete das ganze ab; und hier wiederum verblüffte mich ein Höker, der Krippen aus Baumpilz vertickerte - eine irre Sache. Begeistern konnte ich mich auch für Lawatsch - eine armenische Spezialität, die dort feilgeboten wurde. Mit Ehefrau ging es abends nach Seligenstadt, wo Schlusstag war. Same procedure as every year. Neben den weiteren üblichen Verdächtigen in Offenbach und Frankfurt rundete der Besuch des Weihnachtsmarkte in Ingelheim die Vorweihnachtszeit ab. Auch dieser ist sehr hübsch und an der Burgkirche (zu!) herrlich gelegen. Aber sehr voll! Wir ließen es uns nicht nehmen und fuhren hoch zur Ingelummer Kerz, eine Rolle, die der Bismarckturm jedes Jahr im Advent spielen muss. Sehr romantisch.

Bevor ich zum Ende komme, noch etwas über einen Betreiberwechsel in Offenbach. Ich berichtete bereits, dass ich ab und dann in den Eifler gegenüber vom Justizzentrum ging. Es war immer köstlich, den Gesprächen zu lauschen, in denen sich Clan-Angehörige mit Juri- und sonstigen Geunern abstimmten, um Kuhhändel zulasten der ehrbaren Bevölkerung auszuhandeln. Man konnte sicher sein, dass die Person am Tisch mit der größten kriminellen Energie ein verwichstes asoziales Richterlein war. Aber Fakt ist: Abschaum braucht Abschaum-Ambiente. Insofern hat man wohl die Eifler-Kette zur Aufgabe genötigt und stattdessen ein Punkt 3-Café installiert. Mit allem, was der Abschaum braucht: Daddelautomaten, Riesenkühlschrank mit Energiegesöff und wahrscheinlich montenegrinischen Billignutten im Separée. Eins ist jedenfalls sicher: die ehrbare Bevölkerung wird hier nicht in größerer Zahl eintreten.