12/11/2017 - Oh wie schön ist Panamá

Das Land mit der perfekten Mülltrennung - da können unsere grünen Gutmenschen einpacken

Seitdem ich vor fast vierzig Jahren aus Jamaica (damals ahnte man noch nichts von obskuren Koalitionsmöglichkeiten) zurück gekommen war, bedauerte ich, dass ich nicht auch einen Abstecher nach Panama gemacht hatte. Endlich konnte ich heuer diesen Posten aus meiner To do-Liste tilgen. Also ausnahmsweise mal kein Asien. Die Quintessenz aus den möglichen Urlaubsterminierungen und den Ticket-Angeboten war, dass ich am 3.11. fliegen musste. Ausgerechnet an einem der vielen panamaischen Nationalfeiertage, was letztendlich bedeutete, dass ich am ersten Urlaubswochenende auf Fußball verzichten musste. Ich entschied mich für einen Direktflug mit der Lufthansa, da die billigeren Alternativen entweder einen Umstieg im Land des Teufels erforderten oder endlos dauerten. Wie üblich wollte ich mir in Deutschland einen Stadtplan kaufen, musste aber leider feststellen, dass es so etwas nicht gibt. Einen Tag vorher dann wechselte ich meine sauer angesparten Euros in Dollar um. Es erwies sich als recht schwierig, dies in Ofenbach zu tun. Entweder boten die Banken diese Dienstleistung nur eigenen Kunden, verlangten horrende Gebühren oder hatten unsinnige Kurse. Ausgerechnet eine Stelle, mit der ich nie gerechnet hätte und die ich nur aus purer Verzweiflung aufsuchte, erwies sich als korrekt. Western Union hatte einen um 2 ct besseren Kurs als die Deutsche Bank und verlangte von mir (ich schicke ab und dann Kohle nach Asien) als Kunden keine Gebühren. Schon mal 80 USD gespart. Der Flug (zu 95% voll) verlief ereignisarm. Ich schaute mir im Bordkino Baby Driver (gut), The Infiltrator (ganz ok, hätte man aber mehr draus machen können) und die Mothman Prophecies (belanglos) an. Am Flughafen Tocuman stellt ich eher zufällig fest, dass ich sogar einen Voucher hatte für die Fahrt zum Hotel. Und tatsächlich kam irgendwann mal der Bus - wieder ca. 25 USD gespart - das war es dann aber auch mit dem Sparen. Der Flughafen ist einer Metropole wie Panama unwürdig - hierzu komme ich später noch zu sprechen.

Das im voraus gebuchte Hotel Via Espana erwies sich als Bruchbude - ich hatte es aber nur ausgewählt ob seiner Nähe zur Metro. Immerhin lief die Klimaanlage. Mein Abendessen gönnte ich mir an der Tanke nebenan. Hier wurde ich erstmals mit dem dortigen Preisniveau konfrontiert. Über 5 Dollar für einen Hotdog mit Cola und einer Literflasche Wasser. Tags darauf ging es darum, Panamá erst einmal kennen zu lernen. Also: die ganzen Horrormeldungen über Gefährlichkeit für Touristen sind Humbug. Die hier üblichen Vorsichtsmaßnahmen reichen vollkommen aus, wenn man bestimmte Viertel - in denen es eh nichts zu sehen gibt - meidet. Und vorab ein Fazit: Panamá gefällt mir ausgezeichnet. Ich konzentrierte mich erst mal auf die Küstenstraße Cinta Costera. Tolle Sache mit Blick auf die Skyline zur Linken und zur Altstadt zur Rechten. Ich bewegte mich Richtung Casco Antiguo und musste etlichen Absperrungen aus dem Wege gehen (s.u.). Die Altstadt erwies sich als auf dem ersten Blick recht hübsch, war allerdings ein Aufmarschgebiet unzähliger Kapellen, die sich zum Nationalfeiertagsdefilee formierten. Über die Avenida Central wanderte ich gen 5 Mayo. Das ist eine recht lange Fußgängerzone, die derzeit aufgepimpt wird, also Baustellen satt. Am Ziel angekommen, wollte ich die Metro antesten - und versagte erst einmal fürchterlich. Dass man sich vorab ein Blankoticket für 2 USD besorgen musste, wusste ich. Das hat auch geklappt. Aber beim ersten Aufladevorgang verschwanden trotz englischer Betriebsanleitung meine 3 USD. Ein Servicemann zeigte mir dann, wie man es richtig macht und verwies mich auf den Montag, da könne ich die 3 USD sicher zurück bekommen. Habe ich aber dann verschwitzt. Auf zur Albrook Mall, der größten Mall Amerikas - aber immer noch kleiner als Central World und Siam Paragon in Bangkok (und sicher auch als Future Park und Central Westgate). Was für ein Klotz! Man kann sich dort fast verlaufen. Für mich erst mal wichtig: alle Fastfood-Ketten, die ich in Deutschland vermisse, hatten dort Filialen. Zuerst Cinnabon und Smashburger frequentiert, aber der Rest kam später dran (wobei allein Wendys mich stark enttäuscht hat, deren Qualität war zumindest 2006 noch erheblich höher). Nach der Sättigung ging es zum ersten Hochhaus-Cluster. Metro-Station Iglesia del Carmen. Richtig begeistern konnte der Revolution Tower (aka F+F Tower). Aber auch sonst fühlte ich mich fast wie in Bangkok, wenn es denn mehr Gewusel gegeben hätte. Aber die Straßen waren fast menschenleer (was auch an Werktagen kaum anders war). Eher zufällig landete ich am Multicentro. Auch eine schöne Mall, die schon voll weihnachtlich geschmückt war. Blickfang war eine fantastische Weihnachtsstadt im Maßstab ca. 1:70. Im Anschluss konnte ich mich dem Feiertagstrubel nicht mehr entziehen. Auf der Avenida Balboa jubelte ich mit Zehntausenden von Einheimischen den diversen Tanz-, Show- und Musikgruppen zu. Richtig begeistern konnte ich mich für die Gruppe Apoclipsis aus Colón, die militärische Marschformationen durch groteske Übertreibung persiflierte. Die diversen Mädchengruppen waren eher spärlich bekleidet und waren auch nicht verkehrt. Aber dann forderte die Zeitverschiebung ihren Tribut, sodass ich zeitig schlafen ging.

Für den Sonntag war ein Besuch von Amador angedacht. Mit dem Bus ging es zum Terminal Albrook. Als wir ankamen, war dort Highlife. Viel Gewusel und Busse im Sekundentakt. Dann wurde es unheimlich. Innerhalb weniger Minuten war absolut nichts mehr los. Lediglich an einer Haltestelle einige wenige Wartende. Und es kam ein Bus nach Panama Viejo. Da wollte ich sowie irgendwann auch mal hin, also eingestiegen. Aber ach: dieses UNESCO-Weltkulturerbe war an jenem Tag geschlossen - keine Ahnung, warum. Also per pedes zur Costa da Este, deren Hochhäuser es mir schon auf der Fahrt vom Flughafen angetan hatten. Was für Türme! Teilweise so dicht nebeneinander, dass man nicht wusste, wo was anfängt. Für 6 USD einen Kuchen gegessen, der allerdings sein Geld wert war. Mit dem Bus zur Punta Pacifica, wo mich wieder ein Hochhaus-Meer erwartete. Einfach nur irre. Ich gebe es ungern zu, aber am besten gefiel mir der Trump Tower. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Multiplaza. Auch ein total geiles Shopping Center, das gerade in den Weihnachtszustand versetzt wurde. Innen eine derartige Hektik, dass man denken musste, dass am nächsten Tag das Einkaufen verboten wird. Eher zufällig fand ich meinen ersten Super 99-Markt in der Nachbarschaft (gab auch die von mir und Obama geliebte A1-Sauce). Hier waren die Preise halbwegs akzeptabel. Wenn ich dachte, wie teuer doch die Schokolade sei, dachte ich später in Costa Rica doch wehmütig an die "günstigen" Panama-Preise. Den Tag ließ ich wieder auf der Avenida Balboa mit ihren interessanten Beleuchtungen ausklingen, wobei ich feststellte, dass ich an den ersten beiden Tagen 1100 Fotos gemacht hatte. In dieser Größenordnung ging es allerdings nicht weiter.

Am nächsten Tag begab ich mich zuerst zum Estadio Rommel Fernández. War aber zu wie Fort Knox. Einige Kilometer stadtauswärts befindet sich mit der Metromall ein weiteres sehenswertes Shopping Center. Auf der Straße davor fühlte man sich ebenfalls wie in Bangkok. Hier waren die Arbeiten an der neuen Metro-Linie 2 im vollen Gange. Das Shopping-Center selbst weiß zu gefallen. Aber: man sieht nicht gerne, wenn dort fotografiert wird. Jedenfalls wurde ich irgendwann einmal von der Security - durchaus höflich - informiert, dass es verboten sei. Ich revanchierte mich auf meine Weise, indem ich nach der üblichen Googlemaps-Anfrage meine Handy-Fotos dafür freigab. Einen knappen halben Kilometer entfernt stößt man auf die Crystal Plaza Mall. Architektonisch durchaus ansprechend scheint sie dennoch in den letzten Zügen zu liegen, vielleicht 5% der Läden waren noch auf. Ich begab mich weiter in den Parque Omar. Der jedoch ist trotz seiner Größe eher langweilig, sodass ich mich kurz darauf in San Francisco wieder fand, einem weiteren Hochhaus-Cluster. Irgendwann hatte ich auch hier jeden Wolkenkratzer im Kasten, sodass ich unweigerlich wieder am Multiplaza landete. Keine Sekunde zu früh, denn es öffneten sich sämtliche Himmelsschleusen. Was tun? Im dortigen Kino lief Escape Room auf englisch. Was hätte man aus dem Thema machen können! Doch diese filmische Umsetzung war sehr müde und schwach. Aber irgendwann enden auch der schwächste Film und der stärkste Regenguss, sodass ich mich auf den Weg ins Hotel machen konnte und beim Einschlafen noch dachte: Fortsetzung folgt.

Hier in Deutschland erwartete mich eine Eiseskälte, teilweise verbunden mit Schneefall. Einerseits wirken die Weihnachtsmärkte so durchaus schöner, andererseits wird das Fußball-Angebot dadurch minimiert. So habe ich nach meiner Rückkehr noch keinen Ball rollen sehen, war aber bereits (neben unserem eigenen) auf fünf Weihnachtsmärkten. Den Anfang machte Frankfurt-Höchst. Recht nett, aber der dazugehörende Mittelaltermarkt war gar nichts. Der in Kesselstadt war winzig, aber sehr heimelig; endlich einmal Gelegenheit gehabt, die sonst stets verschlossene Friedenskirche zu besuchen (abgesehen von den Chorfenstern aber restlos uninteressant). Und der Hanauer Markt konnte tatsächlich begeistern. War früher zwar schon mehrfach durchgehechtet, hatte aber keine bleibenden Eindrücke mitgenommen. Mit viel Zeit im Gepäck stellt man fest, dass es verdammt viele Fotomotive dort gibt. Sehr fotogen auch das illuminierte Hanauer Schloss. Gestern dann Klein-Auheim, der war noch winziger und konnte mit volkstümlichen Preisen aufwarten. Die Bratwurst war außerordentlich gut. Im Anschluss fuhren wir nach Hochstadt. Ich habe zwar drei Jahre nebenan in Dörnigheim gewohnt, aber die dortigen Weihnachtsmärkte nie eines Blickes gewürdigt. Es fing schon an mit der sehr schwierigen Parkplatzsuche. Endlich angelangt, wurden wir von den Menschenmassen förmlich erdrückt. Der Markt zog sich durch die gesamte Altstadt und wäre wirklich sehr romantisch, wenn es nicht so arg voll gewesen wäre. In diesem Fall war die dortige Kirche allerdings dicht, während sonst solche Anlässe bekanntlich Gelegenheit bieten, in ansonsten verschlossene Kirchen lugen zu können. Diese Drecksevangelen. Leider wurde auf der Rückfahrt aus dem Schnee Regen, aber es hat keine Probleme gegeben. Diese hat der der Fahrplanwechsel im hiesigen Nahverkehr jedoch bereitet (die unglaublich vielen Änderungen im Fernverkehr muss ich erst mal sacken lassen). Kurz gesagt: es ist alles Etikettenschwindel. Die Rede ist von den mit großem Brimborium eingeführten Schnellbuslinien. Jeder potentielle Fahrgast hatte es so verstanden, dass es sich um zusätzliche Angebote handelt. Alles Scheiße. Es wurden lediglich größtenteils vorhandene Linien umbenannt und manchmal zusammen gelegt. Schneller werden die Busse nur dadurch, dass viele Haltestellen ersatzlos entfallen. Wer hat sich diese Scheiße ausgedacht? Das erinnert mich wieder an die Einführung des Vordertürpflichteinstiegs in den Offenbacher Stadtbussen vor etlichen Jahren. In den Flyern damals war nur die Rede davon, dass es um die Verbesserung des Fahrgastflusses ging. Um so größer das allgemeine Erstaunen, als die Fahrer ab dem Tag der Einführung das Ticket sehen wollten. Ist ja alles ok - aber warum sind die Nahverkehrsärsche derartige Assis, dass sie nicht von Anfang reinen Wein einschenken können?!?!?!